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BIBLIOTHECA REGIA MONACENSIS.
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Bayer. Staatsbibliothek
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3weiter Jahrgang
Zeitſchriften: Freimuthige
Eruſt und Scher;z.
I 8 o 4.
Hera und ge Heben
von
A. v. Kotzebue und 8 Merkel.
Sulius bis December — — 00.000.0.00.0000000000000000 — Berfhin,
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Inhalts-Verzeichniß der Monate Julius, Auguſt, und September, des Freimuͤthigen, 1804
Hr. 131. Der gute Jüngling ıc. von Emald. — Gleim und feine Freunde, Fortſ. — an den Herausgeber, von Buchbol;.
Nr. 132. Der Plan, Luffe. von Arreſto. — Urania, von Tiedge, Mufit. — Miscellen. — Aus Halle. Anekdote.
Nr. 133. Literariiche Nachrichten aus Breslau. — Gleim und feine Freunde, Schluß. — Berichtigung einer Donauizotiade, — Theaternachricht aus Leipzig. — Bemerkung ju der Kupfertafel. j
en aus dem Norden. — Theaternachricht aus Wien.
enfchen. Mr. 137. Briefe über Idands Spiel. — Hirtenlied aus Wilhelm Tel, Muſit. — Ueber Schillers Wilbelm Tel, Fort. — Der geliebte Hund. — Ebefreuden. — Flach und tief. — Als Lirus deobte. Nr. 138. Mes souvenirs etc, p· Thiebault. — Yus Rom. — Tbeaternachricht, aus Wien, Amflerdam, Gtutt gardt. — Miscellen aus Rußland. — Das Bad u Lauchſtedt. — Anekdote. Me. 139. Gallerie Hiitoriicher Gemälde, von Baur, — Merkwuͤrdige Aeußerungen Kants, von Job. Gottfr. Saſſe. — Miscelen aus Rußland und aus franzoͤſiſchen Blättern. — Unerſchuͤtterliche Gewifienbaf- tigkeit. — Das wehevolle Herz. , Nr. 140. Mufit. — Fragmente ans meinem Journal auf einer Reife von Branffurt nach Würzburg. — The aternachricht, Breslau. — Anekdote. — Gedichte. . 441. Gallerie alt»beuticher Tra ragmente aus meinem Reifejournal, Fortſ. — Gedanke. — Gedichte Nr. 142. Bhantafie an einem Sommertage. — Fragmente se. Tortſ. — Miscellen. — Ecfabrungsſaͤhe aus verfchiedenen ellern, i . Nr. 143. Bebensgeiller ıc. — Mufit. — Unefdote aus der deutichen Geſchichte. — Die Maͤdchen. — Nicht politische. Zeitung, Ne. 1. Ar. 144. Kunſtmerkwurdigkelten der Leipziger Jubilatemeſſe, im Landſchaftsfache. — Der Tettifche Mathema · tifer. — Ein ehbrmurdiger Name, ' Nr. 145. Kleine moralifche Erzählungen. — Gedichte des Calyurnius. — Diesjährige Johannisfrenden in Mie⸗ “ tau. — Haß und Liebe. Mr. 146. Kaiſer Oftavianug. — Magßſtab der literariſchen Kultur von Kaſſel. Mr. 147. Kunfmerfwürdigteiten ıc. — nnisfreuden in Mietau. Schluß. — Gedichte.
Mr. 148. Er geht im die Falle, Lufiip. — Muſik. — Fragmente aus meinem Reiſtjournal.
ber Arıt. * .Nr. 150. Gedichte von Herrmann. — Kunſtmerkwürdigkeiten sc. Fortſ. — Erinnerungen aus dem verfloſſe ⸗ nen Kriege.
Mr. 151. Meber das Trauerfpiel von Fr. Köppen. Fortf. — Morgenländifche KRampfipiele an einem türkifchen Bettage gu Konſtantinovel. -
Mr. 152. Euphroſyne. — Erinnerungen aus dem verfloffenen Rriene. Fortf, .
Mr. 153. Kunfimerfwärbdigfeiten ic. Beſchluß. — Etwas, das man den Verehrer der Meligion und Vernunft nicht zu überfchlagen bittet. — Univerfitätsmerfwürdigfeiten, — Marg Walter. — Klage der Schd« ferin. — Gedanten,
Mr, 154. Essai general de fortifications par Bousmard. Tome IV, — Erinnerungen aus dem verflofienen Kriege, Fortſ. — Herrenrecht.
Nr. 155. Genua und Rache, von Babo. — Morgenlaͤndiſche Kampfipiele se. Korti. — Gedanken.
T, 156. Magazin fchreflicher Ereigniffe. — Mufit, — Augsbur Geſchlechtert — Ehre wem Ehre ebübret. ren —
Mr. 157. Iphigenia in Aulis. — Morgenländiihe KRampffpiele sc. Befchluf.
Mr. 158. Schidfale des Perfers Michaulow unter den Kalmucken. — Mufit. — Jphigenia in Aulis. Fortſ. — Sebaflian Schertlin. — Scherse.
Nr. 159. Die Leiten zu Buchen. — Sebaftian Ilſungs Reife nach Kompoſtello in Spanien im Jahr 1446.
Mr. 160. Charlotte Corday. — Noch efinas Über die Oper (vom einer berf = efeus au a, einer
Ne. 161. Erzählungen. — Erdenwallen der Poeſte. — Ueber Wahrheit. — Aphorismen, — Scherie.
7.
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. 162, Gedichte von Harries. — Reminiscenz. Am Fluß des Migiberges, — Bemerkung. . 163. Der Medicinalrarh und die medicinifch- chirurgifche Fatultde in Salzburg 1304. — Skinen. Fort:
fepung. — Das Wunderbächlein.
. 164. Mriels Offenbarungen. — Der Medicinafrath ıe. Beſchluß. — Schilderung der Sitten, welche in
dem XVI. Yabrbundert in Augsburg berrfchten,
. 165. Ueber das Trauerfpiel von Fr. Köbren. Fortf. — Fidelis und Fidele, oder Treue dis zum Tode. . 166. Heber das Trauerfpiel von Fr. Köppen. Fortſ. — Briefe eines Niederfachfen uber eine Keife durch
einen Theil von Ghurfachfen und Böhmen. — Auch ein Vergiß mein nicht.
, 167. Heber das Trauerfpiel sec. Fortſ. — Briefe eines Niederſachſen ꝛc. Fortf. s . 168. Das Ideal, von Gruber. — Weber das Leipgiger Theater. — Wilhelm Tell, aus dem Franzöfifchen
des Hrn. v. Florian. Ein Brucflüf, — Hans und Grete,
. 169. Mufit — Eine merfmürdige Scene im Schloſſe zu Neapel. — Eine Meine Anekdote vom König
in Neavel. — Bon dem Nuben oder der Unemtbebrlichfeit der Bertler in wobleingerichteten Staa ten. — Die Ahnung. — Charakteriſtik der Dichtungen,
. 170. Der Tempelberr. — Moderomane. — Schilderung der Sttten in Augsburg im XVII. Jahrhundert.
Ein Gegenfüd zu der Schilderung im X VI. Jahrhundert. — Gedanten.
.ırı. si ates und Hirparchia, von Wieland. — Briefe eines Niederfachien ıc. Fortf. . 172. Dviate von Sebald. — Schnfacht, Muſit. — Fragmente aus meiner Schreibtafel. 1
73. Beleuchtung der Keichardfben Briefe ie, — Aus einem Briefe von Koblenz. — General Hamils ton. — Der Kreifel. — Grabfchrift.
, 174. Ueber das Trauerfoiel re, Fortf, — Das linke Rheinufer.
. 175. Ueber das Trauerſolel ıc. Schlaf. — Das linke Rheinufer. Fortf.
. 176. Almanfor, eine Novelle. — Bemerkungen Über Stettin, — Aus Prag.
. 177. Alexandelne, ‚Gräfin von und zu Frr sc. — Das linte Rheinufer. — Liebe im Alter. — An Rofa-
lindens Guitarre, — Bildhauer und Baukuͤnſtler. — Gewiſſe Schaufpieler. — Aus Wien. Mufit zu Rolla's Tod.
. 178. Mämoıres, de Bailly. — Augsb. Hocheit- und Tanfordnung v. F. 1423. — Rüge. — Gedanten. . 179. Tafhenbuch auf 1805. — Die Bamilie der Fugger in Augsburg. — Das linfe Rheinufer. . 280. Der Faitnachtsabend, von Albrecht. — Die Familie der Fugger. Schluß. — Ein aus dem Latein
überfepter Brief des gelehrten Beatus Rhenanus v. J. 1531, Fuggers Familie betreffend,
. 181. Staatsgefchichte Europa's, von Poſſelt. — Der Morgen des 31. Auguſt in Dresden.
. 182. Die Leipziger Meſſe. — Das linte Rheinufer. Schluß.
. 183. Die Kirche und die Götter. — Etwas über die Grafſchaft Mansfeld. — Mythologiſche umtiſe.
. 184. Kants Biographie. — Kant, von Waſtangky. — Mothologiſche Umriſſe. Schluß.
. 185. Düchet, der Apoſtel der Gedächtnigtunf. — Nachfchrift des Redakteur. — Anekdote.
. 186, Indifche Grottentempel. — Anekdote. — Der Blauderer. — Ueber den Raub eines Diploms,
. 187. Gedicht von Brinkmann. — Etwas aus Servien. — Beifpiel fchleihender Lil.
2188. Tafchenbuch für Damen von Hubert ic. — Herjog Auguſt von Sachen» Gotha, von Graffl.
. 189. Bergmanns Streifereien, — SHerjensergiefung eines Patristen über die fo lang fich versögernde
Bertbeilung der Marken in der Maingegend um Offenbach. — Aphorismen,
. 190. Bierteljährliche Unterhalt. von Huber. — Mufil. — Brief von der Ruf. Weltumfcgler- Escadre.
. 191. Banline. — Brief von der Ruf. te. Escadre. Schluß. — An den Herausgeber des Freimüthigen. . 192. Eduard und Margarethe, vom Lafontaine. — Briefe eines Niederſachſen ıc. Fortſ.
. 193. Almanach von Kotzebue. — Briefe eines Niederfachfen sc. Fortſ. — Literariſche Faſchingſtreiche.
. 194. Ueber die Ruſſiſche Sprache, — Ueber Stettin.
195. Der Troubadeur und der Kageilolj. — Audienz bei einem Kalmuͤdiſchen Büren. — Mimif
einer Katze. — Nicht» politiſche Zeitung, Nr. 52.
Inhalts⸗Verzeichniß | d er + * Monate October, November und December des Freimüthigen 1804.
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a 496. ob. Fr. Reichardts Briefe aus Paris 1. Zter Thl. — Briefe einer . ie, = Nicht politifche Zeitung No. 33. Ba die rufiiche Sprache. Schluß. — Der Diyrgus. — N. v. 3. No. 5 . 15 Rortolan und umouriez. — Hechtv ur Bacherlichferten. — Werfpiel | henter Lin, Fortich. — - An den Heransuch. Des 7 sreim. — Die Geier und bie Menichen, — Ni. p. 3. . = Gejunddrunnen zu Kiebenttein. — Aeflbetiiche Fragmente. Erics Fragment. — jeher Adelungs he Berdeufjc). Des Dalpurnius. — I. v. Keif, 56. « 200. 3 Wen otif des Llavier- und Pianoforteipiels von sr. Butbmann. — Das Vergigmeinniht. — N: P. . Io. 57. « 201. Weber Firerafur der Betten. — pas über die Bielsböhle. — N. v. 2. M. 58. «= 202. Zafchenbuch tur Freunde und Teunt nnen Des Denen und (# uten, von M. Br. Herrmann. — Bunte EIECEGEUE, DEE ECHSENz_IEOFEN => SIEH SOGTERE BER THEMEN, —— GER © = TDIE 07 WIANEIEEN 5 12 Bildung. — MR. p. 3. Ne. 50.
.: © eber fiterafur der Yarten, © chluß. — Bannen des So bier. _ ——— — N. pP. 3.0. 60. “ 204. Veonore, Oper, — Wriefe cines Miederfachien, W RD
» 203. N.thode du Chant u TOR de Musique — ER Korn Engel. — Wach ein Börtchen Aber mronbdeine — Di. D. 3. 2. . 20°. Luna , eim Tafenbuc) au = r 1805. — Ueber den Droden. _ N. v. 3. No. 63.
761 von & 1 “- Kroba nF
— Morig von Sachſen ic, — An die Ungarn. — über die Mnemonit ige on =. ©. er. — Motbolsg. umriſſe. — E
ul r N. p. 3. No, — — — Broben des — 2 von der Mnemonit. — Bemerfungen. N. p
. v, Q er, — Scenfel und Sommer. — Die Wi 2 Teufie Sammlung Meiner © , nt aus ber Ia ein. Antholog — gwih. — Port. Sch .&. ©. Bürde,
N rigfeiten in Breslau. — Bericti l Biographie d Pi
au * 3. Me. 68. . 212. * oilettengefchenf
—
9
Belang. Grete, — zn jur Karatterifit der Tonangeber. — Als Monbazon Hard, — An "223. Bene Dein von Fr. : Beiternet se B. — Bericht über die Berliner ——— Fo —
1895 | E M
nDie. J— 0. 82
” 326- Die Deugrischen, — Weinmelieh. — N. v. 3. No. 83.
» 227. Ueber da * * vom Gra —— — Fragmente aus der Schreibtafel eines Reiſenden. — edene Anſichten. — N. u. 3. Ne. 84.
228. D. u —— — As St. 9
Wr Det. 1804. — Aneldote — aemad p. 3.
Ne. 229. Fe N * kan en — Aus Pandshut. — Embleme. — An die Ge
fangen oNttee | eines Sp ie verbuhlte Dichterin. — Baus rıme'et sans raison. — v
230. Zimmermanns Sn. ber Reifen Ater Jahrg. — Böttingiihes Tafchend _ . = man aus a eines 5 ken, Bere, — De Maricha a a er ic innere _ 1. Baterländifces Taihenönh 3 Maier aus Neufchlefien. — i * ſchoner —— — Amor. — u Liebe. jr ». je : a ſconen Thale vol un
Schlegels Sammlung romanr- gen. — Fragmente v
232. ri — Reini Kia, Di —* — * * Schreibtafel eines Reifenden, Juan de Mariana vom nenn meiserbun it —
* das Selfensbal. — Sopbiens I ee = ingen BADER Dial ctmis aͤe
234. Müchlers Taͤſchenbuch für 1805, — eutens Tor onshauf, — Mu . 235: Die Screen Marla vawlowna. — aamente aus det Schreibtafel —8 En
236, —* un seyfaiare des *8 in —— — Aus Verona den 10. Oct. 1804. — Das Jahe 1950. ni a > JJ 8* were . — 7. frummachers Parabein. — En —* e des Theater 2 — an er; chreibta = eines Reierden Stich. — Ne. — Bragmente 238. 83 Ewa Mit Hinficht tlerreich * 5. ce, — „Enrfehungeacn * Theaters ortjeh. — Maria Pan —— — re des Lebe 3. 239. — * © des Fe in Ruakland, Schluß Beanydfihes Blaglum. Bibelmerbal. —
EN ma, ein-9 benbud von Müller, ste6 Yabr 1505. — Bgaswente an dl Rei enden. = — lung. — Opera ommn, Fr, pP, }
| nt adı. Vsemjemberge Berturhe Her etz — nätitäten. eines alten x _ Da F AA ——— —
gmente aus der Schreibtafel eines Reiſen- gär. 3. £, Svalbınas — Worte fe der Heiipeflit von Jeau Paul, Fortſeh. — Ueber
Mobus N Hieberchein. Tarcsenbuch tie ‚00: — ray mente aus ber Echreibtafel eines Reifenden neiichen Munebua amd Juforuf., — 1
2ig. Echitten für Kinder; NaRITLSFICher Te Fine = RR innen aNend. —- Rbaviopifike Hedan — tIDer gochr — Singers m Nurfalithe — ER: men, Exof. — - Reapfedi-
iten "17 Ri rortieh. Neuer den — — — — — 252. Ban — ne ae der Shreibrafei eines Reiſenden, Die Geinſenjagd. — Luther. —
388. Ficrer Zetäcntun u 1805. — — Brudähde aus der Ebarakteriiif der Mannheimer. — Misch
! dc ibum —9* Borgebuͤrgs der uten Hoſſnung. — Fraumente aus der Screibtafel dr u 55* aaa Sort‘ = PR: chung der optiichen Vorkellungen tes Hrn. Buſch. m.» e. tl, - ;;
Ari er olin - T Bean), — v. 3.00 _ I ur Beichichte der Auftlaͤrung. — Sonett. — N. v. 3. M
ar or Beltn Dumanitätsfrenr- e. — — des Wort Herr. — das — us vo Frans
sotiscben, — An Milansern. — Gartula's Girabfchrtit, — Decenomie — R.p 3 * 259. Brudihtde jur Fiograpbie J. G. Naumanns von A. G, Meifiner 2 Treile. — G. F " Keife. Ein
Blümchen auf jan Ur Sr * — Gengmente aus der Sqchreibtafel eines Reiſenden ze. Mufeum au Pors 260. Becie Bat gi: * — Theater; ———— aus der Schreibtafel eines Reifen»
Muceum zu Vortici, rfe, zter und Ster ne: — Ar von Kotzebue. N. p wu ar or fun Nummern des Iiterariichen und ne eigen. * — —— — —
1804
Montag,
Nro. 131. ‚ARISTIDES, Der Treimütbhbise — — oder — ben 2. Julg,
Ernf
und»
She ır .%
Literatur
Der gute Juͤngling, gute Gatte und Vater, ober Mittel, um ed zu werden. Von. L. Ewald, Erfter Band, bei Wilmannd 1804.
Var fann ich meinen Leſern die Unparteilichkeit meines Urtheils über diefes Buch nicht beurfunden, als wenn ich Ahnen offen geftehe: ich nahm es mit einem entfchiedenen Dorurtheile damwider in die Hand, Es giebt wenig Gegenflände, die fo widerlich, fo zu: ruͤckſtohend auf mich wirken, als elegantes, füßliches Geſchwaͤtz über Moral, in welchem den Lefern ernfte Tugend und Weisheit in einem empfindelnden Tone sorgetragen wird, indeß der Schwatzende gleichfam in den Epiegel blidt, an der Halsfraufe zupft, oder ſich feibft die wollen Wangen flreichelt, und durch taufend Züge verräth, daß er ihm nur um bie Bierlichkeit des Vortrages zu thun iſt. Eben fo gern als ein folches Buch Iefen, möchte ich einen Papagey Betrachtungen über die Werke Gottes her ſchnarren hören,
Herr Emald ſchien mir in vielen feiner frühern Werke nicht wenig an diefer moralifirenden Stutzer⸗ haftigkeit zu kraͤnkeln: um deſto erfreulicher iſt es mir, ihm bezeugen zu koͤnnen, daß er in dieſem, ſeine wichtigen Gegenſtaͤnde trefflich behandelt hat, daß es jungen Leuten, und Erziehern mit großer
Märme empfohlen zu werben verdient, und auch den⸗ fenden Männern andrer Klaſſen, als eine anzie Hende Unterhaltung. Der Verfaffer beſitzt einnehs mende Berebfamkeit, eine fehr ausgebreitete Beleſen⸗ heit, und große Kenntniß des menſchlichen Herzens und ber Welt, die er lange und mit hellem Blick beobachtet hat; und er weiß die Reſultate feines Etudiums und feiner Beobachtungen fehr treffend und einfichtssoll anzuwenden. Es wäre indef noch zu wuͤnſchen gewefen, daß er ſich mancher unedlen Ausdruͤcke, z. B. „auf der Geige fragen,“ enthalten hätte; daß er mande Edilderungen, durch die er warnen wollte, nicht mit einer gewiffen Wärme der Phantaſie ausgemalt hätte, die mehr reizt als ſchreckt; daß er nicht manche unbedeutende Promenaden : Anek: doten eingemiſcht hätte, (und dieſe find es grade welche die meiften Kupfer verfinnliden fellen,) — und daß feine Beredſamkeit mit ihrem gefälligen Reiz, mehr Kraft verbände, da er zu Jünglin: gen ſpricht.
Den zehn DVerlefüngen ift eine Beilage zuge: fügt: „Die Höchfte Tendenz, ein dramatifcher Dia: log.” Auch dieſe enthält manden fehr guten, hellen Gedanken, aber es thut mir leid, fagen zu möffen, daß der Derfaffer in derfelben, in feinen frübern Fehler, in Empfindelei und widerlich : füßes Liebäugeln mit der Keligion jurhdfällt,
R. L.
— 2 —
GSteim und feine Freunde.
(Eragment eines Abſchnittes in „Gleims Leben,“ von Wilhelm Korte.)
(Bortfehung. ) & entffand unter andern, und endete auch ber Zwiſt mit Ramler. Sein Anfang war eine Unzufrie⸗ denheit Gleims, mit der Jahrzahl 1739 über einem Gedichte von Kleift in Kamlers Ausgabe. Ramler fah das Unrecht ein, verbefferte aber in allen fols genden Ausgaben die unrichtige Jahrzahl nicht, die Gleim deshalb beleidigte, weil dadurch feiner Erzäh: lung widerfprochen ward, daß erft durch fine Be: Sanntfchaft, 1743 Kleift zum Dichter geworden ſey: — das dauernde Unrecht war ganz auf Ramlers Seite. Dazu kam ein heimlicher, aber um fo hef—
tigerer Vorwurf, daß Kamler in Kleif’s Leben jene
Erzählung Gleims durchaus feiner Erwähnung ges wuͤrdigt Satte: Hierin iſt wohl nicht leicht gegen den. Einen oder Anderm allein zu. entfcheidtem Dann er= folgte ein lauter Vorwurf der Heimlichkeit, daß er z. B. SGögen’s Gedichte ſchon feit Jahr und Tag im Kaufe gehabt habe, ohne fie ihm eher, als nach gollendeter Aenderung mitzutheilen: — er wurde abs geiban, ohne daß der Vorwurf ganz auf Ramler Haften Fonnte, Nun folgten eine ganze Reihe nedens der Aeußerungen, üben Ramlers geringen Enthufiaes mus, zum Metrieb der Herausgabe von Gleim's Merken: — bier war das Unrecht ganz auf Gleims Seite, weil- er felbft am menigftens emfig dabei war, und fich: zu lange; und zu aͤngſtlich bei den Vorberei⸗ tungen aufhielt.*) Bei der fortdauernden Neckerel bins gegen über abnehmende Liebe, und daß Kamler Ans dern mehr Einfluß über ſich vergönne,- als Gleimen, feinem: älteften Freunde; daß er jJ. B. fich durch Sſch effner habe bereden. laffen- können, feine Werte zu: fammeln;. daneben beftändig Vorwürfe über Kams lers Sucht zu Ändern, und ohne alle Schonung,
+) In ber Berliniſchen Monatfbrift wird febr unrichtig geirrtheile: Ramler habe die. Ausgabe derwegen nicht beiricben, weil‘ @leinr alles hätte wollen „in 12 Quartbanden“ drucen laſſen, ohnt Kritit und Auswahl, Dies ı, und far das meſſte jened Aufſatzes, durchaus unrichtig, wie deun über baupt alle. jene Auflage: Gleim⸗ und Ramter’ ſehr mmbedeu« temd find, indem fie fich nur auf außerlihen Wahrnehmmumgen grinden.. Aus dem Vricfwechſel mit Ramler ſowohl, als aus Dieims Charakter ift es Mar, dak. er damals viel zu angalich war, und viel zu leicht won feinen Poeſteen badıte, ald daß er nicht Rautter hätte ermfitich bitten föllen, feine Gedichte iu versaditemimmen. Er ſah freb gegen Namler immer nur ald Die lestant’ an.
Was die smölf Auartbände beirift, fo möcht" es ſetbſt dent ſchwer fenm, mit allem feinen Poeſteen, deren vroätz zu füllen, wer: fie. miche voimig ausfallen. follten.
Hand an Anderer Poeſieen zu legen, welche Sucht nur aus einem alten Herzen entfpringen koͤnne, — war das Recht, auf beiden Seiten faft gleich ver: theilt, und nur dadurch mehr Schuld bei Gleim, daß diefer den Zroift zu Heftig betrieb, —
Ramler wollte fih während diefer Mißhelligfei: ten durchaus rein in den Augen feines Gleims zei: gen, und vertheidigte fich bündig gegen deſſen zahl: reiche Vorwuͤrfe. So argles und gutmürhig auch diefe Dertheidigungen aus Kamlers Seele gefloffen ſeyn mögen, fo fand Gleim dennoch gehäffige An: fpielungen darin, und ward nur mißtrauifcher und unzufriedener; unwillkuͤhrlich ſog er Gift aus jeder Arußerung. ;
Im Jahr 1764 kritiſirte Gleim auf Ramler's Bitte, deſſen Alcaͤlſche Ode: „Nicht Friedrichs Hel— den, welche ber Brenne liebt” ıc. Er tadelte zwar in jeder Strophe diefes und jenes, aber mit Glimpf und Surmüthigkeit, und bat Ramler, ihm auf diefe Art feine Gabeln zu kritiſiren. Es mochte Ram: ler immer: kraͤnken, daß in einer‘ fo Eleinen, von ihm fon. forgfältig gefeilten Ode, noch fo viel getadelt sourde ; dennoch hätt’ er Gleim’s Bitte um fo fren: ger erfüllen, und beffen Gabeln in eben dem Tone fritifiren follen. Ramler erwiederte die Kritik auf unedle Weiſe, fei eu aus Ei, oder aus argfofer, pe— tulanter Jovialitaͤt. Arglos konnte Ramler indeß wohl nicht ſeyn, da er Gleims heftigen Charakter, und ſeine leiſe Empfindlichkeit fuͤr Worte und Ge— behrden kannte. Er ſchickte ihm die Fabeln mit fer ner Kritik zuruͤck, weiche aber nicht, wie Gleim's, in einem Briefe jufammengejlellt, fondern dem Manufcripte felbf auf den Rand gefihrieben war, Die erſte Nandgloffe war: „erbettelter Keim,” und in diefem Geiffe waren alle bie an: dern, in welchen Gleimen unter andern Schmei: helei und Heuchelei vorgeworfen worden, "wor: aus ich faſt ſchließen möchte, daf Kamler hate mit Gleim brechen wollen. Ramler fihrieb ihm indef einen fehr freundlichen, berzlihen Brief, den er mit mädchenhafter Milde ſchloß, und in diefem Einne: „Ihre treue Naide“ unterfchrieb. — Ramler glaubte dadurch feinem Tadel alle Schärfe zu nehmen, Gleim fah aber nur Lieblofigkeie in den Gloſſen, und beleis digende Epielerei in dem Briefe. Er wurde im Innerften dadurch verwundet, ſchrieb Ramler fehr ernſt darüber, und fagt' ihm vorzüglich: daß er nicht begreife, wie Ramler feinen Gleim fo babe behan: bein können; er beſchwert fig über die Art der Kris tie auch viel mehr, als über die Kritik ſelbſt. Nam: lers DVertheidigung hierauf ift aͤußerſt leicht und auf: ſallend gleichgültig; fo 4, B. entſchuldigt er gleich die
erfte Stoffe: „erbettelter Keim!” nur damit: „das ift kein fonderlicher- Vorwurf. Aleris* (Ramlers poetifiher Name) „frägt nicht viel nach Reimen!“ — Nachdem er ſich auf diefe Weiſe hinlänglich entſchul⸗ digt zu haben glaube, fährt er in demfelben Briefe von ganz gleichghltigen Dingen zu fehreiben fort, lobt nebenbei ein kleines Gleimifches Gedicht, und ſagt endlih noch: „um Ahnen doch auch etwas von mir zu lefen zu geben, fo will ich ein kleines Ding ab: föreiben, wovon ich Ihnen einmal den erften Einfall in einem Briefe entdedie, ch fagte bei einer ge: miffen Gelegenheit: ich hätte Luft, Horazens Ode: Parcus Deorum etc. zu parodiren;. ich fand diefen poetifchen Gedankenſpahn in meinen aͤlteſten Papies ven, und machte daraus folgendes: „Die Wiederfeße 6 Ealtiopend oft Heimlich entflohener Jünger, der ich u lange Dir, Etolie Kritifa, Dir, Schweſter der tricgliches Yaniophia nachtrrete, Kıbre reucvon um, eile voll Echnfucht der Altgeräligen Gottin im; Denn mein Tadel, obgleich ganı in dem lauterſten Honig eingetaucht, ſchmerzete Weinen Selim, und no ſchwaret feim kraukes Herb Ah mun weih ich mich ewig der Sñien Mufer Mit ihe fang id der Wälder Lob, ang der Gotter und Menſchen Bob, und mid; lichte mein Freund. DO: ſich gelicht zu ſehn Weide Eereligkeit! Licbe, di Tauſcht mein trunkener Seift aicht um bus Zeigen weit Singern, um der Verſuchunug Sündellatichen, des Boitd chreubezeugendes Aufſſetzn; Dich um Geſprache mit Groien Königen nicht, noch um die ſchmeich einde Taſel ihrer Gewaltigen.“ *)
„Es mag dies Liedchen eine Art von Vorrede zu der Eammlung von Oden feyn, bie ich vielleicht bald machen möchte. — Cs kann zugleich zur Ant wort auf die natärliche Frage dienen: warum Ich fo lange Zeit mit der Herausgabe meiner poetifchen Sa— chen gezaudert; oder vielmehr, warum ich gar nichts poetifches gemacht babe?" — Aulekt fommen noch einige Vorwürfe, daß Gleim fih immer über Kams ler erheben wolle, daß er bürgerlich ſtolz fey, und der ernfliche Vorſchlag, dab fie völlige republifanis fehe Gleichheit unter fich einführen wollten, weil nur dadurch ihre Freundfchaft leben und recht gedeihen könne.” — Alles dies beleidigte Gleim auf das Em: pfindlichfle, vorzüglich der heimliche Stachel der Ode; er fah voraus, wie Namler dadurch alle Welt auf feine Seite bringen, und Gleim's Gemuͤth in zwei—
*) Nach Ramlers erſter Hamdidrift,
felhaftes Licht ſetzen wuͤrde! — ehe Zeche bes Kae lerſchen Briefes war ihm, wie er fchreibt, „ein Dolch in’s Herj, und die Ode ſchien ibm Gift, um jene Dolche zu vergiften." — Man muß fich biefe Ueber: treibung dadurch erflären, daß man ſich erinnert, daß Gleim einen natärlihen Abfcheu vor Spott hatte, und daß ibm die öffentlihe Meinung, jungfräulich heilig war, Er hatte eine grengenlofe Eichen vor oͤft fentlihen Fehden, and überhäufte gewiß Manchen mit Artigkeiten, um fi den Teufel vom Leibe zu halten.
Als Gleim noch in demfelben Monat nach Ber: fin fam, fand er Ramlern, troß feiner Vorſicht ihm nicht zu begegnen, bet Herrn Nicolai, in Geſellſchaft M. Mendelsfohns. Die Freunde waren gegeneine Ander gefpannt, es kam indeß nicht zu gegenfeitigen Erklärungen, oder ju Veranlaſſungen, fid einander soleder zu nähern. Ramler ſchrieb noch an demſel⸗ ben Tage einen recht freundlichen Brief, mir der Bitte: dab Gleim den folgenden Tag mit ihm jur fammen fommen möchte, um ihr Misverfändniß za beendigen, und eine Freumdfchaft von neuem zu bes gründen, die zwanzig Jahre lang ihr Beiderfeitiges Gluͤck ausgemacht habe. Gleim verbat fih alle weis tere Derhandlung, befam von allem Xerger ein hitzi⸗ ges Fieber, und lag lange in Berlin gefährlich krank. — Ramler ſchrieb zwar nah Gleims Abs teife von Berlin, noch einmal an ihn, letzter ſetzte aber den Briefmechfel nicht for. Dagegen ſchrieb Steim ein Jahr vor Ramlers Tode, ohne befondere Meranlaffung an ihn, und bat ihn unter anderm, ihm eine Abfchrife feiner neueften Gedichte mitzu— theilen, damit er fi noch daran ergebe, wenn er ihren Drud nicht mehr erleben follte. Ramler flug ihm nicht allein die Bitte ab, fondern antwortete darauf überhaupt nur mit der LIeberfendung feiner „Far bein und Erzählungen.“ Diefe Hebtofe, alte Behandlung, fo frät nad) jenem Zwilte, und die von neuem abgebrochene DVerföhnung, fo nah am Grabe, fehmerzte Selm mehr, ale alles vorige. Dem dadurch in feinem Gemuͤthe neu erwecktem Grame, muß man die unwilltüßrliche, aber Heftige Bitterkeit zuſchreiben, die man in einem Aufſatze von Gleim: Berichtigungen zu Ramlers Leben, in der Berlmi—⸗ ſchen Monatfcprift finder, Wan muß aber diefe Bit: terfeit weniger dem Gemüthe Gleimw zufchreiben, als der Deranlaffung diefes Aufſatzes: dem Verdruſſe Über das „Leben,“ in dem er fo viel Mangelhaftes und Unrichtiges fand, daß er endlih auch einmal feine Etimme über einiges geben zu müffen glaubte,
(De Schluß folgt.)
en ln. TE TEE
— 4 —
Anden Herausgeber.
8 gehört, fo viel ich mich entſinne, in den Plan des Freimäthigen edle menſchenfreundliche Handlun⸗ gen vor das Publifum zu bringen, und ihnen durch die mit verbdientem Lobe begleitete Bekanntmachung, Hin wuͤrdiges Denkmal zu fliften. Das iſt die Urfache, worum ich nicht ſaͤume, Ihnen die folgende Anek⸗ dote mitzutheilen, die, fo einfach fie ſeyn mag, doch menigftens das Verdienſt der Wahrheit hat, mas Ihnen um fo bezweifelter feyn wird, da ich nicht anftehe meinen vollen Namen zu unterzeichnen.
— So unbedeutend das Eleine Kiel unter den größern Etädten Deurfchlands erſcheint, fo wichtig ift die Meſſe, die Hier jährlich im Januar gehalten wird, und Die, was den Geldumſatz betrifft, fih mit den berühmteften Jahrmaͤrkten vergleichen darf. Die Ritterſchaft beider Provinzen, — Schleswig und Hol: ftein, der Adel aus zehn Meilen im Umfreife, und alles in den Landftädten, was jum Guten gehören wit, verfammele ſich bier. Kommen Eie indeß nicht, denn Sie würden die fürchterlichfte Langeweile has ben, Außer einem Theater, deſſen Mitglieder, in Vergleich mit denen des niedrigften Boulevards fin fen müffen, einer Truppe Voltigeurs, wie man fie in Leipzig fo oft vor dem Peterstbor ficht, und wenn es hoch foͤmmt, einem mittelmäßigen Wachsfiguren: Kabinet, finden Sie auch nicht bie mindefte Ane leitung zur Zerftreuung. Bälle, Koncerte, Redouten, das alles fcheint eine terra incognita zu ſeyn. Der einzige Cafotti, — fo war, wenn ich nicht irre, der Name diefes Seiltaͤnzers, der mit feiner Geſellſchaft zugleich pantomimiſche Darftellungen aufführte, — war einigermanßen im Etande, das gemifchte Pur blikum fortdauernd zu beluftigen, denn mit jedem Tage gab er merkwuͤrdigere Proben, wie weit ein menſch⸗ licher Körper es in der Agilität bringen fann. Ich hatte ihn ſchon früher an andern größern Orten ge: fehen; auch bier fand er einen ungeheuren Zulauf, den befonders ein Fleiner, bild: (höner Knabe dur feine Geuͤbtheit ihm verſchaſſte, bei dem ich mich nie erroehren fonnte, an feine Kunſtverwandtin in Mel: fiers Lehrjahren zu denken Mit einer lächelnden Miene tanjte er, wie ein Eleiner Liebes: Gott, leicht und behende einher, und wußte felbft den unnatuͤr⸗ lichen Eprüngen, die er machte, eine ganz befondere Leichtigkeit und Grazie beijulegen, Aber nichts deflo weniger fehlte ihm Dieigung, denn, wenn er am Morgen nach vollendeten Erercicen feine Epielfiuns den feierte, beklagte er fih mit heißen Thraͤnen über fein unglüdliches Loos. Die gefuͤhlvollen Kinder der wuͤrdigen Gräfin von Baudiſſin, Geborne Schimmel— mann, — Sie ift es würdig, daß man ihren Na
men ehrfurchtsvoll ausſpricht, — beſchaͤſtigten ſich ebenfalls mit ihm, und erfuhren geſpraͤchsweiſe, daß er als ein ganz kleines Kind in London gewefen fey, daß fein Bater einen großen Stall voll Pferde ges habt babe, und daß er fih am liebiten in dieſem aufgehalten hätte, bis ihn „ths great als,‘*) fo nannnte er feinen Zuchtmeifter, geftohlen hatte. Die Gräfin, die dies erfuhr, und Witleiden mit dem Knaben fühlte, glaubte das Recht, das Caſſotti bei fo bewandten Umſtaͤnden an ihn habe, beftreiten zu können, und gab einem Manne, den fie jur Aus: führung ihrer edlen Abfichten am tauglichften hielt, den Auftrag, ihn durh Geld und Drohungen los u machen, Mit zu vielen Schwierigfeiten war die
ealifirung ihres Dass verknüpft. Denn der Eeil: tänzer, der theils ernfthafte Fragen nach des Kna⸗— ben Herkunft fürchten möchte, theils ihn als fein wur cherndftes Kapital nicht verlieren wollte, huͤtete ihn mit ängftlicder Sorgfalt, feit er von jenem Gefpräch durch andere Kinder, Machricht erhalten hatte, und ließ ihn fogar feltener auftreten. Mur dur eine Lift des Poligeimeifters, der ſich gegen ihn verband, rourde der Kleine aus feinen Klauen gerifen. Unter dem Vorwande, als folle er feinen Kindern die er: lernten Sprünge im Haufe zeigen, ließ er ihn zu ſich befcheiden, und befragte ihn jeßt gürig nach als lem. Lautweinend wiederholte der Knabe das Dben: gefagte, und rief unter heißen Thränen, er wolle gern travailliren, wie er fih ausdrüdte, er molle vom Morgen bis zum Abend travailliren, nur möge man ihm einen andern Maitre geben, Früb am Morgen ergriffe man ibn, — en. ift unalaublich und doch wahr, — bei den Haaren, und hoͤbe ihn hoch empor, damit er durch das Zappeln gelenfiger würde, Am Tage erhielt er, außer einem Fleinen Weißbrode, nichts zu effen, fondern erft am Abend nach vollendeten Künften, und menn er denn nicht auf dem Theater die lüchelndfte, freundlichfte Miene gezeigt hatte, die ihn verfehönern fellte, fo wurde er unbarmberzig gefchlagen. Don feiner Familie mußte er fih, weil er fie fo klein verloffen hatte, nichts weiter zu erinnern, «is daß fein Onfel Uniform getragen, und feinelittle Siſter,“ ) die vor der Thür —— hätte, als man mit ihm fortgelaufen wäre, laut geſchrieen hätte, Auf dieſe Nachricht lief der Polizeimeiſter Caſotti ganz troden fagen, daß er den ungen nicht wieder erhalten würde, wenn er ſich nicht Über die Art, wie er zu feinem Beſitz gelangt wäre, legitimirte, und in der That mufite er ohne ihn abziehen, ob er gleich anfangs gefchmos ren hattte, den Polizeimeifter zu erſtechen, de Graͤfin zu maffacriren, und ihr nahe bei der Stadt gelege: nes Yandgut in Brand zu ſtecken. — Die edle Dame bat den Knaben in ein Erziehungsinftitut aefandt, und mie man fagt, fell er in der Folge fiudiren, Welch ei: nen Dank wird fie dereinft von dem Sünglinge ende ten, wenn er bei reiferen Jahren den Umfang ihrer Wohlthat ganz zu fühlen fahig iſt, und welche na: menlofe Wonne wird fie felbıt fühlen, wenn fie ihn in der Zufunft als einen nüglichen Bürger des Staats ſieht! Buchholz.
+, "Der große Erel. **) Kleine Schwenter.
1304.
Nro. 132.
ARISTIDES Der freim
Dienftag,
Ermnf
Literatur Der Plan. Ein Luftfpiel von Arresfto,
Sreparte Wiederkaͤuungen des abgedrofchenften Mies, die nur Aeſthetikern, die auf Bierbaͤnken und in Pfennigfhenten haufen, ein Beifalls: Laden abgewinnen können. Für Menſchen, die nur einigers mafen gebildeten Geſchmack befigen, taugen fie Fels nesweges. Das Ehjet, bas dem vorgenannten Luft: fpiel zum Grunde liege, ift fehe abgebraucht. Wer bat nicht ſchon oft in Romanen und Luftfpielen den Dorfall gelefen, daß ein Mädchen fich verkleidet, um ihres Geliebten Treue zu erproben? Das ift eine fehr alte Geſchichte, die einer neuen Aufwaͤrmung, noch dazu von einem fo fläglichen Koch, als Herr Ar: resſto iſt, ganz und gar nicht bedurft hätte, Die Sprache, in der dieſes Luſtſpiel abgefaßt ift, paßt zur Gefchmadlofigkeit der Fabel vollfommen; denn der Bauerndialekt, den Herr Arresfto fleißig ſtudirt zu haben feheint, ift hier fehr natürlich nach: geahmt. on dem platten Witze, der dabei herrſcht, will ich meinen Leſern nur Ein Proͤbchen vorle— gen, Seite 35, heihßt es
-„Obo! wenn all (e) die Mafen zu nieſen anfine
gen, die ich den Frauenzimmern in meinem Leben gedreht habe; man wuͤrde den ganzen Tag nichts als: Contentement! hören. “ — hn. Auguft v. Kotzebue, der Fllichrling nach Paris, 2 Thl. Eine hoͤchſt elende Buchmacher-Spekulation. Am beften iſt es freilich, dergleichen Zeug ganz uns
und
uthbige
den 3. July.
t 3 — — — bemerkt zu laſſen: da das Ding aber gleichwohl Leu: ten in die Hände fallen koͤnnte, die manches daraus glaubten, fo iſt es micht Überfläffig zu bemerken, daß es vom Anfang bis zum Ende nichts als ein ſchlecht erfennener, und eben fo fhlecht gefchriebener Roman ift. Don allen den Verhältniffen ind Begebenhei— ten, die hier von Kotzebue erzählt werden, ift Fein Wort wahr: das ganze Buch ift Eine Lüge, ausge: nommen die Nachrichten, die aus Reichardts Bries fen und aus dem Freimäthigen zjufammengeftoppeit
find, G. M. Wen ber Urania, ein lyriſch-didaktiſches
Gedicht von Tiedge;
wird, zur Ehre des Deurfhen Geſchmacks, ſchon eine dritte Auflage bereitet, in welcher das treffliche Gedicht noch gereifter und ſchoͤner erfcheinen wird, als in der weiten. Der Berfaffer, ein wahrer Künft: ler, dem es Ernft um feine und feiner Werfe Mol lendung ift, führt fort die Feile mit eben fo viel Eis fer als geſchmackvoller Einficht zu brauchen, Er hat das Süd gehalt — und er verdient es, — daß die Isrifchen Epifoden feines Lchrgedichts einen Compo— niften fanden, der mit wahrer Genialitaͤt ihren dich⸗ teriſchen Schwung zu fühlen, und ihm glüdlich nach⸗ zueifern vermochte. Ich darf Fein weiteres Lob hin: zufügen, wenn ich fage, daß es Himmel iſt, der fein
. glänzendes Talent diefer Arbeit witmete, In kurzem
— 6 ii
erſcheint diefe mufifalifche Gallerie. Sch bin foglüde Dichtung zu geben. Eie enthält andre freundlichere, lich, den Lefern durch die folgende Kompofition eines leichtere Compofitionen, aber ich wählte diefe ernfte, Meibgefanges, mit welchem Tiedge feine dritte Auf weil auch das Gedicht neu iſt.
lage beginnt, zugleich eine Probe von Hinimels Tons Der Rei,
Die Weihe Sinnig und bedeutend,
comp. von Himmel.
[os
weih’ im Tha⸗le den tief» fen Hain, daß ſei,⸗ ne Befchattung mich
Geheimnißvell ift dies Friedensreich Das flüfternde Lauben umgränen, De ift mir am blühenden Roſengeſtraͤuch Die Hore der Weihung erfchienen.
Mein Geift war fern um ein theures Grab, Mertieft in unendliches Trauern? Da fam auf mich abnendes Leben herab Gleich wunderbar feligen Schauern.
Und ſchoͤn, mie himmliſche Jungfraun ſchoͤn, Zur heiligen Botſchaſt erlefen, Entfchwebte dem Fichte vergeltender Höhn Ein reines, ätherifches Weſen.
Hell floß um blondes Gelock der Kranz: So flrabits an unfterblichen Stirnen! — Doch daͤmmert' es ernft durch den leuchtenden Glanz: Es war das erhabenfie Zürnen.
Wer bit du, ſchwebende Lichtgeftalt ? Entflobft du den bimmlifhen Reigen? — Da, wunderbar ſcholl's durch den fäufelnden Wald: Urania! fchol’s in den Zmeigen,
Gebeutſt du zürnend Erhebung mir? O zürne, du Hohe, nicht länger! Schon naht fih in frommer Begeifterung bir Der einfame, traurende Enger! —
Und fanfter floß um die Lichtgeftalt Die Ruhe der Göttergefilde; Und tröftend umfing mich die füße Gewalt, Die Kraft unausfprechlicher Milde,
a, darum weih' ich den tiefen Hain, Daß feine Beſchattung mich Hülle, Zum ruhigen Heiligthum weih ich ihn ein, Zum Tempel der göttlihen Stille!
Dort ſchwebt verherrlicht mein Geift hinauf Entfejfelt hinhber ins Freie, "Dort richt" ich den Altar Uraniens auf, Sm Hain der erhabenen Weide.
Kein Frevier nahe dem Altar fich, Den heilige Schatten umfchleiern: Dort aber fol, hohe Vergdtterte, bich Mein fanftefter Harfenton feiern!
Tiebge,
Miscellem Barnungdtrafel
m Jahre 1798 erfchien bei Meißner in Leipzig : Bemerkungen und Gefühle auf einer Keife über den Harz. Mit einem (er bärmlihen) Titelkupfer (das den Eine gang In die Baumannshöhle vorftellen follte. ) 247 ©. 0.
Ein zweiter Titel zeigte zugleich an, daß es auch unter dem Schilde: "
Neue Reifen in Deutfchland, zweiter
Theil, verfauft werde. Der DBerfaffer hatte fig nicht ges nannt, fondern nur auf dem lekten Blatte ein H. unterzeichnet, allein es ift der Derleger ſelbſt. Der Werth diefes Schriftchens war fehr zweideutig. Das Gepräge der raſchen Bearbeitung, die Fluͤchtigkeit der Bemerkungen verrieth fih Überall. Hierzu ein durchs gehend's fichtbares Beftreben zu mißeln, eine Menge von Unrichtigkeiten, gänzlichen Feblgriffen und ein Voruͤbergehen an den bedeutendften Gegenfländen , genommen, machten, daß das Prohuft, gleich bem Ephemeron, ſich bald nach der Geburt wieder enk fernte, und- von Wenigen bemerft ben Ladenhüter ſchlaf ſchlummerte.
Was gefchieht?
Herr Meißner macht Bankerott, Herr Sommer in Leipzig fauft das Ding und ruft ibm nach fechs Jahren zu: „Erwache zu einem neuen Leben!” und es geſchah. —
Die fo eben verwichene Öftermeffe war die Zeit feiner Wiedergeburt, feiner Auferftehung. Es trat, mit folgendem Titel verfehen, hervor:
Fuß: Reife nah dem. Broden und über den Harz Ein Wegmeifer für diejenigen, welche den Harz bereifen, Mit einem Kupfer und einer Reife: karte nach dem Broden und Über den Harz Leipzig in der Sommerſchen Buchhandlung 1804
Damit run Febermann die co Gr. welche es £often fol, fparen fann, und den Wechfelbalg nicht für eine neue Erweiterung der Yiteratur des Harzes hält, noch an ihm einen treuen Begleiter auf Harz: Wanderungen zu finden glaubt, fo warne ich davor; denn es find noch ganz die alten „Bemerfungen und Gefühle“ von 1798 her. Nur der Titelbos gen ift umgedruckt fo wie das legte Blatt, von mels em der Buchſtab H fo wie auch die Worte: „m September 1797." meggelaffen find, damit die Prellerei nicht fogleich in die Augen fallen möge. Das Kupfer ftellt wieder den Eingang in die Baus mannshöhle, aber eben nicht viel beffer gezeichnet, vor. Die neu binzugefommene Karte zeigt den Weg von Queerfurt bis auf den Broden und Goslar, Sie it ſchon 1799 berausgefommen, und ihr Titel verräth es, daß fie zu der Reife in ihrer erften Ge— ſtalt, beftimmt war, denn es fteht darauf: „Für die Vemerfungen auf einer Reife über den Harz 1799."
Unter drei verſchiedenen Titeln wird alſo dieſes Machwerk verfauft. Geht es dennoch nicht ab, fo haben die Herrn Verleger das Yhrige gethan, und der Verfaſſer muß fich allein als Urfache anfehen, ©,
Das Uniformerefen für die Civiliften wird im— mer allgemeiner. Auch im Bernburgifchen find juͤngſthin verfehiedene Uniformen für Diener angeordnet worden.
Wenn diefe Neigung zum Uniformifiren fo fort fleigt, fo wird in zehn Jahren ein bürgerlich geflei: deter Civiliſt eine Seltenheit ſeyn. Die Uniformen werben gegen das Uebel, die Mode, das ſeyn, mas die Baccination wider die weniger gefährlichen Pocken find.
In Göttingen vereinigen ſich jegt die Studiren⸗ den jur Tragung von Uniformen; dieſes verdient Unterflüßung; denn, mo iſt der Kieideraufrand größer und zugleich unnöthiger, als auf Univerfitäten,
©. us Halle
Die Anfteflung des Prof. Loder in Halle hat fen fo wehlthaͤtig zur Beförderung des Flers der medicinifchen Fakultät gewirkt, daß jeßt, feit drei Mierteljahren grade noch einmal fo viel Mediciner bier fludiren als vorher. Sichtbar iſt der Fleiß und das Studium reeller Wiffenfhaften allgemeiner und tebhafter geworden: es find unter der großen Zahl der bier Studirenden vorzüglich viel gebildete Juͤng⸗ linge, die mit binreichenden Borfenntniffen verfehn, Wahrheit von blendendem Schein fon zu unter: ſcheiden wiſſen. Naturphiloſophiſche Irrwiſche mer:
ben zwar auch hier eine Zeitlang glänzen; aber, fo lange noch Männer von Gelehrfamfeit und gränbti: her Einficht auf junge Gemuͤther Einfluß Haben, dürfen wir nicht fürdten, daß unfere Sünglinge, durch jene Jenaiſche verleitet, den wahren Zweck ih: res afademifchen Studiums, ſich zu nüplichen Staats: bürgern zu bilden, verfennen werden, Mit befonderm Beifall werden diefen Sommer wirklich folgende Collegla gelefen: 1) Die Chemie vom Profeffor Gilbert, 2) Die Phyſik von eben demfelben, 3) Die Anatomie und Phofiologie der Pflanzen, vom Profeſſor Sprengel 4) Die Elemente und Kritit der Botanik und 5) Die praftifchen Uebungen von eben demfelben, 6) Die Phyſiologie vom Profeſſor Horkel. 7) Die Pathologie vom Profeffor Neil. 8) Die Materia Medica vom Prof. Sprengel. 9) Die Therapie vom Profelfor Keil. 10) Die Elinifhen Uebungen von demfelben. 11) Die Chirurgie vom Profeffor Loder. 12) Die Geburtshülfe vom Profeſſor Meckel. 23) Ueber die Echukpoden lief't Dr. Senff und 14) über die Gall'ſche Schaͤdellehre Prof. Meckel. Man fieht alfo, daß es an gar feinem nothwen⸗ digen Linterricht in irgend einer medicinifhen Difei- plin fehle, * Anekdote.
Der Abt Jerufalem, ein an Herjensgäte und Menfchenliebe reicher Mann, unterflüßte in Braun: ſchweig viele Arme. Unter dieſen befand fih auch eine alte Frau, melde in der drüdendften Armuth lebte, und daher von ihm jede Woche etwas Gewiſſes erhielt, das fie eine lange Zeit regelmäßig von ihm feibft abholte. Mit einemmale blieb fie aus, und de fie auch Miemanden zur Abholung der Almofen fchidte, fo glaubte Jeruſalem ſchon, daß fie geſtorben fey, als er ihr eines Tages auf der Straße begege nıte. Er, die Siebe felbft, redete fie freundlih an, und freute fih, — da fie ganz anders als zuvor und fehr reinlich und mohl gefieidet war, — daß es ihr, dem Aeußern nach, jetzt beifer zu gehen ſcheine als fonft.
„J. ſaͤhn fe Ihr Hochwuͤrden — ermwicderte fie — it Heft do-An littefe B— — leken annelegt, und „bat fägent ufe Herre Gott. * .
Man denfe fi den ehrwuͤrdigen Greis, ben Abt Aerufalem, bei bdiefer Antwort! Unwillig wen: dete er fich von der Kupplerin weg, und ließ fie ver wundert ſtehen.
1804. Nro. 133. ARISTIDES, Der Sreimüthige Donnerſtag, — er —— den 5. July, Ernſt und S a z.
Literariſche Nachrichten aus Breslau.
Mir demfelben Grundfaß, womit ich Ahnen, mein ſchaͤtzbarſter Freund, letzthin literarifhe Nachrichten aus Breslau lieferte, gebe ich Ahnen die zweite Lieſe— rung, als Echluß für jeßo: — nehmlich, der Wahrs beit zum Opfer,
Wieder nur von — Kleinigkeiten kann ih An: jeige machen, und numerire fie wieder; fie ſtehn fo in Parade recht gut da, wer weiß, ob fie wo beffer ſtehen. — Wichtige, große Werle kann ich nicht anzeigen; man liebt — modern — das Kleine auch hier. Doch vielleicht bringen unſere guten Kbpfe bald deſto reichlichere Gaben; die Hoffnung ſcheint mir wenigſtens in nicht gar zu weiter Ferne zu grünen,
Slugblätter — fie entſtehen, vergehen, entſtehen mieder und vegetiren bier fo gut und bunt, mie überall, — follen den Anfang machen, denn feit Neu: jahr zählen wir fon wieder eine Anzahl neue, fo fehr find fie bier Mode; ob zum Nutz und From: men, ift feine Frage. Was geht das die Leute an, wenn’s Zeug nur da iſt, — wenn man's nur auch bat! —
1) Eine Pandora, glänzt in gelben leichtem Moderöfchen aufs neu erwacht ; als Monatfchrift unter unfern Monatsfhriften und zwar pro wense Julii ers. Aber fie ift fhon im Mai erfohienen, um — zu erforfhen, ob fie wagen
dörfe im Monat Julius — zu erifliren. Etwas politifcher Geiſt fcheint darin zu wehen; fie bat übrigens beim erften Eröffnen ihrer Buͤchſe fo wenig eigne Fülle gehabt, daß fie anderswo geborgte Eentenzen nehmen mußte, um fich forpulenter zu machen, bie ſchlechte Auswahl verurfachte aber dennoch Magerfeit und fie ver: fpricht fo wenig, daß fie gar noch vor ihrem Geburtstag — den 1. Julius, — fterben dürfte; — ein fonderbares Schickſal! —
2) Der Beobachter an ber Oder, MWochen: ſchrift. Ohne alle Beobachtung an der Ober. Der Titel zum Anhalt hätte auch: „Für Alle und Keinen, oder Quodlibet” beißen fünnen, fo unbeftimmt ift dieſer. Alte, abgedrofchene, ge: meine, in taufend Journalen verbrauchte Säch: lein, die Feine Seele, wofern fie denkt, weder an der Oder, noh an der — Kaibach in Schleſien, noch am Mäufebach in Schwaben,
noch am — Rhein intereffiren fünnen. — Der Zweck diefer und mehrerer ähnlicher Blätter allhier, fheint zu fein, um das Süd des Erjäb: lers, berfich in Rhode’c Händen wieder aufnimt, zu bublen, oder die jämmerlichen Erbolungen Scalls zu verdrängen: erfleres iſt Gottlob nicht zu realifiren, mit fo ſchwachen Buhlerfräften, und legteres, fo lobenswerth es ift, um fo unmöglicher, als fo ſchwaͤchliche Federn nicht im Stande find, Gemeins heiten, die in Bierfneipen Fuß faßten, zu verdrängen, 3) Das zweite Baͤndchen der erbärmlichen Lügen
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wie gedruckt, das abermals Verleger, Praͤ⸗ numeranten und Leſer fand. Dieſe Luͤgen ſind fe elend, daß man die Wundergeſchichten, welche Trödler verfaufen, noch eher, im Vergleich mit ihnen, loben koͤnnte.
4) Die Aehrenleſe, eine Monatfchrift, bie Quinteffenz, eine Wochenſchrift, leben auch noch, und feken ruͤſtig fort und — ſcheinen ſich zu beſſern. Es gelte denn, muß es feyn, anbdrer Arbeit andern anders wohlfeilen Preifes aufjus tifhen: — Gluͤck mit ihnen! Sie verbreiten doch manche belle Begriffe und Lehren und Kath: ſchlaͤge, und — Käufer giebt's. Schlimm iſt es, daß mancher gute Aufſatz, der, z. B. aus dem Freimuͤthigen geborgt und alfo in Berlin die Cenſur pajfirt war, bier entweder die Een: fur nicht paffirt oder von ihr verſtuͤmmelt wird: eine fonderbare Sache, da die hieſige Cenſur doch diefelbe Inſtruktion bat, wie die Berliner, und unter demfelben Geſetze ſteht. Der Herauss geber der Aehrenleſe ıc. bat in fo fern einen flimmen Stand, — und verdient deshalb wohl Nachſicht. — Patriotiſches Taſchenbuch, von Kapf. Gut gemeint, nicht gut gerathen. — Trockne Sentenzen, ohne neuen Schwung in der Pro— greſſion der Gedanken, langweilen, und tau— gen Überhaupt für Bürger im allgemeinen nicht, finden bei ihnen feinen Eingang, und find, da fie doch diefe Beſtimmung haben, verfehlte, ver lorene Arbeit! —
6) Guido Fioni oder der Kirchhof zu Avila von Luife €, Apun. Ein Roman, der Miß Anne Radeliff nachgeftümpert, obme Haltung, ohne Auszjeihnung — ein Sefchreibfel, behaglich ge ſchmackloſen Sefern, die — Kartoffeln und Ge muͤſe feil haben, oder außer ſchoͤnen Kleidern nichts Intereſſantes fennen.
7) Berftreute Blätter für Damen. Ein liebes Büchlein, werth, auf jeder Toilette zu prangen, als lieblide Blume, aus dem dichten Kaufen Unfraut, nett und rein hervorgefproffen: möge fie blühen für viele Leſer!
8) Nebenfhüffeln, vem Derf. von „Luife, ein Weib, wie ih es wuͤnſche.“ Mebenfhäffeln im wahren Einne, voll faftlofen Obftes aus dem Treibhaufe der Vielſchreiberei, halb fahl, Halb ſchaal, halb gewürzt und halb bitter, — nichts Reelles.
9) Gemaͤlde und Zeichnungen aus der wirklichen Welt, d.h. aus der Welt, die eis nem Auter im Kopfe — verbrannte. Machwerfe,
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dergleichen man Überall haben und nirgend ge niegen kann: — Bakwerk von alter Butter, Überzudert mit jufammen :gefcheuerten Zuder: ſtaub, inwendig fpröb’ und mager.
Und nun genug. „Lauter Kleinigkeiten!” Aber eben deswegen gerägt, Freund; denn ich meine, das Große, Gute befteht und ach: und lebt und webt und fomme fort für und durch ſich felbft, und damit es das deſto beifer könne, fo müßen wir das Schlechte und Mittelmaͤßige und Kleinliche, recht laut und oft rügen.
.»u 0 Gleim und feine Freunde.
(Fragment eines Abſchnittes in „Bleims geben," von Wilhelm Körte.)
(Schluß.)
Wer mag nun über Einen von beiden abfprechen, und genau die Reihen von Mißverftändniffen, und die gegenfeitige Schuld richtig wägen? — Bei Ramler blide offenbar in dem ganzen Briefwechfel ber lektern Zeit vor dem Zwifte, die Laft der Dank: barkeit hervor, die öfter mehr ertragen zu haben glaubte, als der Freundſchaft würdig und gedeihlich ſey; der zu oft wegen Kälte und abnehmenden Uns tfiufiasmus getadelte und genedte Dichter, wollte endlich, bei der eingetretenen Gelegenheit, ein gleis cheres Verhältniß fordern, und einrichten, und mag
freilich nicht die dem Freunde angemeifenfte Art
dabei beobachtet haben. Das ſei Namiers Unrecht !
Gleim hingegen betrieb offenbar den Streit zu lebhaft, und bearbeitete ihn im eigentlichften Mer: ftande, zu feinem Vortheil. Gleim fuchte, feinem Charakter gemäß, die alte Liebe allenthalben, durch den neuen Streit zu Überwältigen, und den Freund von feiner Schuld zu Überjeugen, aller Welt fein Leiden deutlich zu machen, und fein Herz zu retten; Ramler hingegen fuchte den neuen Zwiſt durch die alte Liebe zu befiegen. So gingen beide auf ver fhiedenen Wegen immer weiter auseinander, Gleim fühtte ſich zu hart verfucht, und zu ſchmerzlich ver: mwundet; Ramler fühlte fi zu oft zurüdgefegt, und in dem freien ‚Leben der Freuntfhaft zu fehr die £aft der Dankbarkeit, welche Gleimen ein läftiges Uebergewicht gegen Ramler zu geben fchien; und fo legte Ramler wohl mandpes von Gleim eben fo kuͤnſt⸗ lich und unguͤnſtig aus, als es aus andern Gruͤnden, Gleim gegen Ramler that. So verfolgte fie beide der Argwohn und Mißmuth eines unbehaglichen DVerhältniffes in den gegenfeitigen Anſpruͤchen. In ihren edein Gemuͤthern felbft lag die feindjeelige Nah⸗ rung der Zorn: Flamme. Jeder glaubte ſich feines
fo lange geuͤbten Edelmuths unerachtet, von dem andern verfannt, und beide mißverflanden ſich grade in dem, was beide hätte ungertrennlich vereinen fols len. Jeder glaubte grade das Beſte in ſich verfannt und verſchmaͤht!
Daß nur Wenige fähig waren, Gleim's Eraftvol: lem Gemäthe zu genügen, und es in allen feinen Höhen und Tiefen recht zu würdigen, üft fein Wun— der. Diele der Freunde wurden in feinem Umgange ſchlaff und träge. Sle genoffen ohne weiteres die ewigsrege Liebe des edlen Mannes, und begnügten fih, den Egoismus des eifernden Freundes gedul: dig zu ertragen, und ben heiligen Ernft feiner Liebe und Freundſchaft mit gelegentlichen fentimentalifhen Scheczen zu erwiedern. Manchem muß das Andenken der roftlofen Sorgfalt diefes Freundes, die den Tod der freunde, uud feinen eigenen Üüberdauerte, eine glü: hende Kohle auf dem trägen Herzen ſeyn, wenn «6 im Ctande ift, Gleims Liebe und feine eigene Paf fivität gegeneinander zu würdigen. — Faft mit allen feinen Freunden erlebte Gleim eine traurige ‘Periode, jenfeit welcher ibm nice alle treu zu bleiben vers mochten. Nur das zärtliche Gemürh, wie Kleiſt's, das gern in dem freunde das Lebergewicht fah und ehrte, das ſich gern von dem kraſtvollen Herzen bes hertſchen ließ, und feine Geſetze mit Findlicher Cuts mütbigkeit annahm, mochte ganz die Sehnſucht die: fes Mannes erfüllen, der in feinem feurigen Ebel- mutbe, feinen Frennden alles ſeyn mollte, und mit weiblicher Habfucht und Eiferfucht über fie machen konnte, = Die edle Geftalt mit den freundlich = heftigen Mienen fteht vor mir, uud ich fegne das Andenfen des Mannes, deifen heiße Menfchenliebe keine Ören: jen kannte, obgleich er taufendmal fich getäufcht (ab; der mit dem narben : bededten Herzen der Freund— ſchaft bis an fein Ende getreu blieb, obgleich er in der iehten Hälfte feines Lebens fagen fonnte: „Das ift mein Schidfal, daß ih von Freunden ges foltert werde in dbiefem Leben; die andern Menfhen thaten mir nichts!“ — deifen liebes volle Sorgfalt für die Freunde, ihnfelbft überlebt, obs gleich er ſich oft die furchtbare, aber in feinem fe: ben vielfinnige, Grabſchrift beftimmt hatte: „die Freundſchaft hat ihn umgebradt!” *)
Daß fein brennender Durft, Freunden ein Freund zu feyn, und Verdienſt zuerft mit edlem Stolze
*) Der geehrte Hr. Einfender mag mir vergeihen, dat mir bas bei Sonteneliens Nusivrud über dem Cafe, beifätt: C’est un poisou, certes, maıs bien lent, J’ren prens depuis quatre = vingt ans. — Gleim farb im vier und acsiaften Jahre, De Ro,
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zu erkennen, bis an fein Ende ihm den jugendli— hen Enthufiasmus für feine Freunde wach, und le— bendig erhielt, beweifen unter andern auch die beis den Denfinäler, die er Klopftof und dem Anden: fen der Karſchin, in dem legten Jahre feines Lebens, weihte. Der Quelle bei Halberftadt, an welcher er mit Klopſtock die Waſſerſchlacht lieferte, baute er eine marmerne Pforte mit der goldenen Weberfchrift: „Klopſtock hat aus diefer Quelle getrunken.” *) — Der Kubeflätte der Karfhin mweihte'er einen Mars mor mit ihrem Namen, und den mahnenden Wor— ten: „Wandrer fennft du fie nicht, fo geh und lerne fie kennen.” —
Der Denfmale, die er feiner treuen Liebe in den Herzen edler Menfchen, Unglädlicher und Leis dender, feßte, find unzählige, Wie Edelgefteine ha: ben wir fie bisher in dem Leben biefes herrlichen Mannes fhimmern fehn!
Sein nachgelaffener Briefwechfrl enthält eine lange Reihe von danfbaren Empfangfeinen, und Ausbrüchen der freude und der Kührung über bereitete Freude, Über erhaltene Hälfe und geleiflete Rettung.
Diefe Stelle in Gleims Leben möchte ih als die heiligfte weihen, denn bier fäufeln feinem Andens Een-taufend Segnungen nad. Hier tönen die ſchoͤn⸗ ften Meledieen des Dichters, die heiligjten Freuden des Menfchen, womit er je den Tempel feiner Liebe erfüllte. Ich weihe diefen Abfchnitt zu einer Hieros glyphe, in welcher jeglichen Freundes Herz die ganze Fülle feiner Liebe zu Gleim, und feiner lautejten Regungen für ihn, leife angedeutet finden mag!
Berichtigung einer Donquixotiade.
Kuarzich bat jemand, dem wahrſcheinlich der literä« rifhe Flaum um das Kinn zu fprießen beginnt, auf den Greifen der Eleganz einen ambfanten Ritterzug, doch ohne Lanzenfpige, gemacht, um die Ehre der Mas dame Brentano zu retten, deren „Spaniſche und Ftalienifhe Novellen“ ih in Mir. 118. des Freimäthigen zwar fireng, aber mit warmer Ge: rechtigkeitsliebe, beurtheilt habe, Der arme Denqui— xote bat in der Eil eine Menge Dinge hingeſchwatzt, die gerade für mein Urtheil beweifen, und ic muß Madame Brentano aufrichtig bevauern, daß ſich ein ſolcher Kitter von der traurigen Geſtalt — fülfi- fant genug! — zu ihrem Vertheidiger aufgeworfen
Ich table die Perioden der Madame Bren: ") 6, Klopgets Ode; der Wein und das Mader,
tano wegen ihrer ungebüßrlichen Länge; ihr Ritter kann das Gegentheil nicht bemweifen, und entfehuldigt biefe langen Perioden damit, dab er fügt: fie befän: den ſich in den Spaniſchen Originalen auch. Alſo weil fih im Original etwas, wenigftens im Deutfchen Schlechtes und Verwerfliches, vorfindet, fo muß das auf die Ueberſetzung mit diplomatifher Genauigkeit übertragen werden? Wie abfurd! Jh finde in den Verſen, die ich in meiner Mecenfion augzeichnete, und von derengleichen das Buch wimmelt, Unfinn: — der Defenfor kann das freilich nicht Iäugnen, aber er dructt es glimpflicher aus als ich, indem er fagt: jene Verſe wären nicht Klar und deutlich genug üter: fegt! Alfo giebt er mir abermals Recht, und er will Madame Brentano vertheidigen? Er? vertheis digen? Ei! eil Wie der Kitter der unglädlichen Dichterin in die Wolfen haut, die jeder Schlag trift, der auf mich gemünzt mar! Ueberhaupt fcheint der Mertheidiger der Madame Brentano das Ganze mit fehielenden Bliden anzufehen, weshalb denn auch Alles fo fchief herausgefommen if, Wie ge: fagt! ich bedaure Madame Brentano aufrichtig, daß ein foldhes Männlein ihre Farbe an fid reißen mußte! Hätte ihr Ritter doch nur lieber geſchwiegen, und nah dem Eprüchlein gehandelt: Was Dei: nes Amts nicht ift, da laffe Deinen Bor: wis; dann würde er fi und feine fonft fehr liebens— wuͤrdige Clientin nicht in ein fo laͤcherliches Licht geftellt haben. —
Theater-Nachricht. Leipzig den 28. Juny, 1804.
Imand iſt waͤhrend feines hieſigen Aufenthalts fie benmal aufgetreten; zuerſt in der Rolle des Ans tonius in Kotzebue's Octavia, dann als Hofrath Reinhold in den Hageſtolzen, ferner als Abbe de Verde im Taubftummen, als Obriftlieutenant_(?) von Nalberg in Elife von Valberg, als Yorenz Stark in der Deurfchen Familie, als Herr von Yangfalm im ORirrwarr, und endlich, — als Wallenſtein. Eein Sriumpb waren auf jeden fall die Rollen des Yo ren; Stark und des Abbe te l’Epee. Als Antonius und Wallenſtein bat er nicht fo fehr gefallen, wie in den übrigen Rollen, weil mande glaubten, daß fein Aeuferes Helvenrollen nicht zufage. Als Hof: varh Reinhold hat er fi aber einen deſto größern Kreis von Verehrern erworben; Schade nur, daß er in den beiden letzten Akten fo oft durch Unruhen un: terbrochen wurde. Das biefige Parterre nimmt wirf: lich zu wenig Rüdficht auf Die fpielenden Perſonen. Iffland ſchien es durch Achfeljuden auf der Buͤhne feibjt deutlich genug zu verſtehen zu geben, daß er fi) über das emige Yärmen und Kuberufen ärgere, Eobald aber der Vorhang im Iekten At gefals len war, — rief man den großen Künftlers heraus, wodurch fid unfer Publifum — — — Iffland
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erfehien, wahrſcheinlich des Friedens wegen, danfte für den Antheil, den man an feiner Perfon naͤhme, und — trat wieder ab. Diefes Herausrufen hätte nicht Statt finden follen, da es im biefigen Theater etmas Alltägliches iſt. Wen ruft man bier nicht ber: aus! Mein Plan war eigentlich, noch etwas über Ifflands Epiel zu fagen; da dies aber zu viel Platz ‚einnehmen märde, und in Kuriem eim Büd: Iyein erſcheint, in weldem Dies, ausführlicher abgehandelt wird: fo kann ich es fuͤglich eriparen. Herr Doftor G. W. Beder hat nehmlich eine Reihe von Briefen über Ifflands Spiel in Leipzig gefchrie: ben, und diefe werden in wenig Tagen ans Licht treten. Herr Beder bat bie Güte gebabt, mir die fünf erften Aushaͤngebogen zur Anfıcht zuzuſchicken, und ich habe fie mit wahrem Genuffe gelefen. Ach taube diefe Briefe eines fehr verftändigen Schrift— Acllers, Ahnen und den Leſern unfers Freimuͤthigen, die gern etwas Meiteres über Iſſland hören wollen, Am Voraus empfehlen zu fönnen. Befonders der zweite Brief enthält fehr viel Intereffantes über den Cha: rafter des Antonius, — bn.
"Bemerkung, zu ber hierbei ausgegebe. nen Kupfertafel.
Die fhöne Gartenfunft hat feit act bis zehn Jahren in Deuticland große Fortſchritte gemacht, Das een: Magazin von Profefor Grohmann, welches noch vor jener Periode und während derfels ben herausfam, bat gewiß zur Bildung und Lau: terung des Geſchmacks nicht wenig beigetragen. Beil - biefes been » Magazin für viele zu foftbar ward, und viele Ideen darin einen weiten Umfang jur Aus— führung erfordern, fo befolgte der Verleger die Wün: fhen derer, welche Jdeen, die mit leichtern Koften angefchaft und bdargejtellt werden fönnten, verlang« ten. Das „Fleine Fdeen:Magazin" erfdien und enthält in fechs Folio Heften, mehr als dreihun⸗ dert Ideen zu Öarten: und Luſthaͤuſern, Pavillons, Bruͤden, Gartenftühlen, Eigen, Portalen, VWonus menten, Pracprfegeln, Dolieren, Bienenbäufern, Hüt: ten, Einftedeleien, Tempeln und dergleichen. *) Alle diefe Darftellungen find nur für diefes Magazin bes fonders ausgezeichnet, Fommen in dem größern been: Magazin alfo nicht vor, und Fünnen ohne großen KRoftenaufwand, durch Tiſchler und Zimmerleute, auf befchränften Plaͤtzen und in kleinen Gärten errichtet werden. Keiner wird dieſes Magazin, ohne fein De: därfniß befriedigt zu fehen, aus der Sand legen, Diefes Magazin, woraus wir bier ein Biatt vorle: en, ift in der Baumgärtnerifhen Buchhandlung in Leipzig berauszefommen und bafelbit, und in allen guten Buchhandlungen, für 12 Thlr. oder in Heften
zu 2 Thlr. zu haben. F. Anmert. In den fruͤhern literariſchen Nachrichten aus Breslau im —— — find einige ſchlimme
Drutfebler. Seite 362 Zeile drei von unten In der erfien Epalte
muß „Zwitter,” ſtatt „sweiten,.’” und dareibrt Zeile 14 von unten, Gpalte eind „von W.“ ſtatt „von 9. * — a. —
— — — +, gnie Tert im Framoſiſcher und Deutſcher Spracht.
1804.
Nro, 134. ‚ARISTIDES, Der Sreimütbhbige —n oder — den 6. July.
Freitag,
Ernſt un
d Sherry,
Literatur.
Die Ruinen von Locaſtro. In zwei Theilen, Braunſchweig, bei Fr. Vieweg, 1804.
&, langweiliges Produkt, beffen Handlung der Derfaffer nach Italien verfegt zu haben glaubt, dem man es aber beim erften Blicke anſieht, daß jener Italien nie gefehen babe, Zwar ſucht er durch die detaillirteften Schilderungen uns von feiner Kenntniß Italleniſcher Gegenden, Eitten und Charaftere zu überzeugen: allein um fo mehr fühlt man das Leere und Gehaltlofe des Ganzen. Der Berfafler mag etroa die Heliodora und Erminia gelefen haben ; und fo entffand wahrſcheinlich diefe verunglüdte Machbil: dung, welche alle Fehler der gewöhnlichen Machah— mungen reichlich hat. Einen Begriff von der Darftellungegabe des Derfaffers, giebe ſchon die erfte Eeite, wo es heißt: „Die Liebe hatte wohl eigentlih dieſe Berbins „dung geichloffen; aber Ehrgeiz und Verſchwendung „auf der einen Seite, fo wie auf der andern Weber: „gung, Eiferfucht und getäufchte Hoffnungen, bat: „ten die zarte Pflanze gar bald ze:fnidt, und unter „Ähren welfenden Blättern entſproß Gleichguͤltigkeit „und gegenfeltiger Ueberdruß in unglädticher Uep— „Ppigfeit. ? gie kann ber DVerfaffer das Liebe nennen, was nad Geite 147 nur blinde, zuͤgelloſe Leidenfchaft und Laune war? Wie kann Ueberlegung die zarte
x Pflanze der Liebe jerfniden? Unb = uͤppig bervorfprof:
fende Gleichgältigfeit? Das wäre ja ein Bild, foft wie jener hyperaͤſthetiſche Dichterling in ekftatifcher: „Begeifterung es malte; „Gechmeliner Serien frierembes Licht „Raufchte ill von dem Olhmp heran !ı'r
Wann werten doch unfre Romanenfchreiber ein: fehen lernen, daß zu einer treffenden Schilderung menfchlicher Charaftere, Leidenfchaften und Sands lungsweifen, mehr gehöre, [als verworrene Bilder von Bildern!
Den Tharafteren fehle es durchgängig an Ener gie und Wahrheit; man erblidt lauter mweichliche und weinerliche, oder füßliche Seflalten; und wo man ein Fräftiges Mibderftreben gegen fremde Gewalt erwar: tet hatte, da machen die Helden des Stuͤcks ihren Gegnern fo leichtes Epiel, dag man ſich ärgern oder — gähnen möchte,
Aus jeder Eeite faft, geht es hervor, da der DVerfaffer von der Kunft des Dialogs auch nicht den entfernteften Begriff habe; überdies ermuͤdet er den Lefer unaufhörlih durch laͤſtige Wiederholungen. Auch mwimmelt das Buch von Eprachfehlern aller Art. Ich führe nur einige davon an,
Mehrmals heißt eu: „er, oder fie nahm den Tuch vor die Augen;“ — „Franjesco wiederholte den Geſuchz“ “ Schluchſen, ſchluchſtez“ „du laͤßz“ — bald ſchreibt er „Greiheit,“ bald wiede „Freyheit“ ıc,
Doch genug von einem Büchlein, das man nur befen kann, um dabei einzufchlafen, oder es ſchnell
ju vergeffen. — rd. —
Anſichten aus dem Norden.
Mir ein Eleines Meteor unter großen glänzenden £ufterfcheinungen, verfhmwindet das freundliche Kiel jwar unter den übrigen Staͤdten, aber es verdient dennoch vielleicht die Ehre, dab Lie diefer Skizze einen lab in Ihrem Blatte anweiſen. Voraus— ſchicken will ih nur das, dab es ehemals, wie be Eannt, unter Ruſſiſcher Bothmaͤßigkeit Fand, und ihm durch die Begünftigung der großen Ca:harina, manche bedeutende Vortheile zugewandt wurden. Daber mag es fommen, daß beinahe der fünfte Theil der Eine wohner echt Ruſſiſch denft, und aus biejen Geſin— nungen fo wenig ein Hehl macht, daß er fi laut nach dem Ruſſiſchen Ecepter zuruͤckſehnet.
DieEnpvirons,
find reigender, wie bei den gepriefenften Staͤdten Deutfchlands; — in der That, Kiel bat eine wahr: haft romantifche Lage, Der Zugang ift zwar von allen Seiten durch abmechfelnd hohe und niedrige Hügel verſchanzt, aber taufendfah mwird man für
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Die Stadt
felbſt, iſt gothiſch gebaut, und fängt erſt ſeit menis gen Jahren an, ſich zu verbeſſern. Haͤufige Privat⸗ Anlagen tragen viel zur Verſchoͤnerung bei: fo bat, was Ihnen unglaublich fcheinen wird, ein einziger Mann in vier Jahren zwei und zwanzig Käufer — wie wohl auf Spekulation, — gebauet, und ju bauen angefangen. Die öffentlichen Gebäude find im ans tifen, oft auch, wie j. B. das ehemalige Grofrürt: liche Schloß, in einem geſchmackloſen Stil aufgerührt. Der dabei befindliche Garten, der den Einwohnern der Stadt offen fleht, hat einen ungeheuern flächen: inhalt, und befigt, obgleich jährlich bedeutende Zum: mien, zu feiner Unterhaltung verwandt werden, den: noch nichts Reizendes. Jeden und Zaͤune von Bux— baum und Crataegus Uxyacantla ift alles, was man ſieht, — nicht eine einzige intereſſante Partie giebt es darin. Echböner ift die nahe dabei gelegene fo genannte Waſſer-Allee, die mit den Linden in Berun einige Aehnlichteit hat. Paſſender würde mir die Benennung Pantoffelboͤrſe ſcheinen, denn zu je: der Erunde des Tages ſieht man hier Frauenzimnier und mallende Schleier. Die Ordnung, Die in der Stadt herrſcht, iſt muflerhaft, und die Polizei. hält in Hinſicht der Wachſamkeit, Exactituͤde und & dylaus
beit, die Vergleichung mit der Pariſer aus, fo mie
die ausgeflandenen Muͤhſeeligkeiten der Reife entichäs "
digt, wenn man die Thuͤrme der Stadt zuerſt erblidt,
die fich friedlich in dem einfamen, fait beftändig: mit Rauch umfloffenem Thale erheben, Die Hölzungen und die Fülle der Dörfer, die in einem ziemlich weis ten Umkreiſe umber zerfireut liegen, machen vereint mie dem fehiffeeichen Hafen die Yage der Stadt ſehr intereffant. Beſonders reizend ift der Wald zu Tiüs flernbrof, in deffen Mitte ehemals der berühmte Hirſchfeld feinen Vlufentempel aufgefhlagen hatte, der jegt von Moldenhawer bewohnt wird. Kaum fünfzig Exhritte ſeitwaͤrts waͤlzt ſich die Oftfee, jen: feits welcher die Dörfer Ellerbet und Meumühten, die ganz in der Berne erfcheinen, fih angenehm grups piren. Noch weiterhin ficht mar Holtenau, wo die Schiffe durch den Kanal paffiren, und ganz weit hinaus, wo die Wellen des Meeres ſchon in einem biäulichen Dunft zerfliefen, dämmert dem fchärferen Auge die Citadelle Friedrichs + Orte. Ich bin Über zeugt, daß ein junger Dichter hier die beſte Gelegen⸗ heit hat, ſich zu prüfen: denn wenn ihm bier beim: Anbli der Vereinigung aller möglichen NMaturfchönhei: ten die goldne Dichterader nicht fpringt, fo wird er beffer thun, ſobald er fich von dem göttlichen Wahn: finn infpirire bite, mach Antichra zu fleuern, als Nerfe zu fchmieden,
der Polizeimeifter den Kuhn eines zweiten Zartines bat, und für div Moralitaͤt der Einwohner ſpricht ſchon das, daß jeit fünf und zwanzig Fahren Fein Kriminal: fall eriffirt har. Man herr wohl bieweilen davon, daß Maͤnner mit ıhren Frauen — nicht geizen, allein es wäre unbiliig, darans allgemeine Schluͤſſe zu ziehen,
Die Univerfität
bat berühmte Männer und muſterhafte Inſtitute aufe jumeijen, aber nichts deflo weniger wird fie bald die Eelige heißen, wenn fie nech fuͤnf Jahre fo raſch abnimmt, wie bisher. Bor jehn Jahren waren bier dreihundert Etudirende, jet nimmt man — nach der allzemieinen Sage, — 96 Lis 100 an. Der bes ruͤhmte Weber hat mit unendlichen Fleiße, und jetzt unter Beibälfe feines fo gelehrten als liebenswürdis: gen Sohnes, der fihen im funfjcehnten Jahre den Doktorhut erhieit, einen botaniſchen arten anges legt, der viel verfpricht, und zum Theil ſchon viel leiftet. Auch ein kliniſches Inftitur iſt von dieſem verdienftvollen Mann angelegt, — nur Schade, daß die Fakultät, für die man am meiften thut, — ıben fo viel Studirende als Profeſſoren zähit! Die Mu: fenjohne find im Ganzen geſitiete Wiänner, der Pen⸗ nalismus und aͤhnniche Ueberreſte alter Rehheit find verbannt, aber dennoch wuͤrde ich meinen Sohn
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nicht auf Diefe Univerfität ſchicken, umd wenn er ums
fonft da leben koͤnnte. «in ſogenanntes Ehrengericht foll Duelle verbüten, fie wuͤrden aber bei den fried: liebenden Gefinnungen der meiften ohnehin wohl wegfallen. Zwiſchen den Reichen und Armen, fo mie zwiſchen den Adlichen und Buͤrgerlichen, ift eine ſcharfe Grenzlinie geiogen, die viel Unheil verurfa: chen ſoll. Uebrigens möjfen fie ſich Dinge gefallen laffen, die auf den andern Afademieen ſchwerlich ges duldet würden. Sie murren und braviren auch wohl mitunter, — aber was ift Muth ohne Kraft? Ein Kind, das Soldaten fpielt, — fagt Stepanew.
As Echrififteller bekannte Maͤnner, lebenaußer Reinhold, Hegewiſch und Echrader bier fehr wenige. Ein verfchollner Dicterling, Namens Bielefeld, der fih durch fogenannte lyriſche Gedichte und Helden: gefänge, die er herausgegeben hat, fo binlänglich cha: rofterifirt bat, daß es micht indiskret ift, ihn bier zu nennen, ein Pſeudo-Reimer Julius Erendro, der Aehalichkeit mit dem Magiſter Laufhardt bat, find die einzigen Autoren unter dem Dache, die man bier
kennt. Lächerlich iſt es, mie der letzte in feinem Hournal, das er auf Subſtription druden läßt, und das nur von den Holſteinſchen Bauern gelefen wird, mit den beruͤhmteſten Schriftſtellern anbindet, die feine Invectiven nicht einmal vor Hugen befonimen, Noch neulih war ein bämifcher Auffab gegen des Herrn von Ketzebue merkwuͤrdigſtes Lebensjahr darin, der ihn wuͤrdig macht, fich mit dem Hrn. Epazier zu aſſo⸗ cüren.
Die öffentlichen Beluftigungs orte
find fparfam, und bei der gemijchten Gefellichaft nicht immer angenehm, Obenan verdient Dorfgarten
zu fliehen, das in Hinſicht der Lage, felbft den bes
ruͤhmteſten Kainvillefchen Garten in Altena übertrifft. Eonit erhebt fib die Einrichtung felbft nicht über das Mittelmäßige. Die Ausſicht iſt aber einzig und bat mit der bei Neapel frappante Aebnlichkeit, denn grade wie dort, ſieht man hinter fih Wald, umd im Peripeftive Stadt und Hafen. Mach den Dör: fern Wiburg und Petersburg, wo ehemals die Große fürften im Sommer refidirten, und ihr Menage de Plaisir aufidlugen, — wallfahrtet man felten; — die Etudirenden ziehen, mie ich böre, das etwas soeiter gelegene Preeß vor, wo vie gefälligen Schö— nen viel zur Verihonerung des Ortes beitragen fol: len. In Döjierbrod ift unter der Direktion von fünf Profefforen eine Seebade: Anſtalt im Werke, die in SHinficht der Lage, die berühmte ju Travemünde übertrirft, — obgleich fie ſich fonft freilich nicht mie ihr meffen darf, denn etwas rillantes erwarte man ja nicht in Kiel!
Das Theater:
verdient faum eine Anzeige, fo Anter aller Kritik ift es. Don Innen und Außen gleicht das Schau⸗ ſpielhaus einer Dorfiheune. Im Parterre und Par: quer koͤnnen böchften 300 Menſchen Platz finden, und die fogenannten Logen find ven der Art, daß‘ ich wenigſtens, nie ohne ein heimliches Grauen den Hals zu brechen, in fie treten konnte, Die Cchles: wigſchen Hofſchauſpieler, die hier, indeß nur zu bes flimmten Zeiten im Jahre fpielen, tragen denn auch redlich dazu bei, daß das Ganze barıncnire, In der ganzen Geſellſchaft iſt nicht ein einziges Mitglied, das von hoͤherer Kunft etwas ahnt. Als fie fich an Echillers Marla Eruart wagten, duldete fogar das hieſige leicht zu befriedigende Publifum, das fein Entröegeid nicht gern um Stich läßt, nicht, daß es ausgefpielt wurde. Ein gemilfer Herr Stahl, dem feine wirklich fihone Figur behülflich iſt, und eine Madam KöHt erheben fich freilich in etwas über den Haufen, aber wern man einen Talma, Lais und Iff— land, eine Düchesnois, Weymer geſehen hat, fo ver fhwinden fie freilich wie ein Nebelſtern unser den glänzenden Geſtirnen.
Der Umgang
iſt ziemlich gefellig, und der Ton im Allgemeinen ungezwungen, Fremde finden, mie ich von mir felbft erfahren babe, leicht Aufnahme, und man bemüht fi, — nur Schade, oft nicht aus den lauterften Ab: fihten, — ihren Aufenthalt fo angenehm, wie möglich zu machen. Traurig iſt es, daß grade die hofpital: fien Familien für den Fremden die unerträglichiten find. Da ift Herr &., der fie mit feinem Schwalle von Freundfchaftsverfiherungen, Herr M. der fie mit feinen fchaalen Verſen verfolgt, und unter Allen der ſchlaue Herr 3., der fie auf die ſchlaueſte Weiſe im Spiele rupft und beträgt. Das ſchoͤne Geſchlecht feine hier im Allgemeinen per antiphrasin fo ges nannt zu ſeyn; das Ciciebeat ift fiarf im Gange, und bie Cequetterie ift noch unerträglicher, als in Sachſen. Huͤten Cie fig vor Madame X., denn feit fecbs langen Jahren frebe fie unverdrojfen ihre mannbare Tochter an Dann zu bringen, und ohne ſich fiören zu laſſen, zäble fie alle Eervietten und Dertücher auf, die fie ihr mit zu geben gedenft, Der allen Dingen aber bleiben Sie von Madame B. entiernt, die in ihrem zwei und dreißigffen Sahre glaube, tab ihr Taufſchein fie nothwendig um vier: zehn belegen haben muͤſſe, weil fie gar nicht Begrel: fen kann, wo die heit geblieben, &ie wird Sie verfolgen, um Ihnen zu erzählen, wie viel Körbe fie vor ſechszehn, glüdlichen Jahren ausgeryeili hat
„rechts und Minks,” fie wird Ahnen, Ihrem nieder: trächtigen Geldſtolz gemäß ersählen,; wie hoch fich ihre Ausjteuer und ihre Kapitalien belaufen, und wenn fie nun voll Angft auf den Ruͤckzug benfen, wird fie noch ein Kapital von verbergenen Keijen binten nad ſchicken. Enfin, — c'est tout comme par- tout! " . Der Adel träge den Vorwurf des Stolzes mit Unrecht, obgleich er wohl dazu verleitet werden fünnte, denn mit Nusnahme einiger Wenigen biegt und buͤckt fich alles auf eine michtehrende Weiſe vor ihm. Män: ner, die fich als gebildet anfündigen, werden mit Aus« jeihnung aufgenommen, und wenn man mit dem Adel in Wetzlar iu Konnerionen geftanden bat, und mit dem hiefigen in Verbindung tritt, — glaubt man fih in eine andre Welt verfeßt. Ohne Andisfretion darf ich Ahnen bier die Familien Baudilfin, Stolle, Bernftorf, Hardenberg, Ranzau und Halftein nen: nen, denn obgleich fie das Corps des älteften Adels formiren, fo findet man dennoch in wenigen Etäd: ten Deurfchlands ein folches Entferntſeyn alles Stol⸗ jes, wie bei ihnen, .
Theater -Nahride Hoftheater Wien, den 27. Juny 1804.
Freszentini hat uns in einer zweiten Oper, Alonso e Cora, wieder Proben feiner großen Kunft, und herrlichen Stimme gegeben. Die Oper ift nad der Eonnenjungfrau bearbeitet, nur find die Tharaftere hier gar nicht motivirt; Rolla ift weggelaffen, ein Einfiurg des Tempels und ein feuerfpeyender Berg
Binzugefeßt, u. fe w. Die Mufit von Simon Mayer
gefiel nicht; man findet bier durchgängig zu menig Melodie und Driginalitär in den Werken dieſes Ton: ſetzers.
Seit einiger Zeit trat ein gewiſſer Hut bier mit Fleineren Stuͤcken in einer Gattung auf, melde im Deutichen nech fehr wenig bearbeiten if, — Das war ich! und Hab ich nicht Recht? find Kleir nigfeiten mit einem hoͤchſt einfachen Plane, der nur durch eine giüdliche Wendung der nehmlichen Idee, durch viele Naivetẽ der Iharaftere, durch einen feis nen, leichten und anziehenden Dialog, und durch gluͤckliche Kleine charakteriſtiſche Züge intereffant wer: den Fann, tie ohngefähr Launs Werke größten: theils durch dieſe Cigenfhaften gefallen, Unſtreitig bat Herr Hut viel Talent für diefe leichte Gattung, nur iſt es bier fehr fihmwer, befonders bei mehreren Arbeiten diefer Art, nicht ins Unbedeutende und Schlep⸗ pende zu fallen, da diefe Darficllungs: Gattung fi ihrer Natur nah, nur in engen, leichterfhöpften
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Grenzen halten muß, und das ganze Gebiet der Im trigue und verwistelten Verhaͤltniſſe aueſchließt. Ein ähnliches Stuͤck, Der rechte Weg, if zu gedehne und ermüdend, es erhielt aber auch wenig Beifall, fo gut au Herr und Madam Rooſe ihre Kollen darin ausfuͤhrten.
Herrn von Koßebues Echaufpiele ſcheinen von Dichtern anderer Diationen häufig zu Opern verar: beitet zu werden, wobei denn freilich der” urſpruͤng⸗ liche Erzeuger nicht viel gewinnt, So haben wir bier die Verwieſenen - auf Kamtſchatka, frei von Treitſchke nah dem Franzöfifchen bearbeitet, mit Veufi von Boildieu, gefehen. Die fhönften Charaks tere z. B. der biedere Hettmann find verſchwunden, und andere ganz entjtellt, wie Stefano der am Ende ganz gegen feinen Iharafter, den vor Froft erflarrten Grafen vertet, und ſich mit ihm verföhnt, Der Aus: gang des Stuͤckes ift ganz unbefriedigend: der Gou⸗ verneur wird von den Verſchwornen befiegt, und giebt dem Grafen feinen Degen, feine Burg flammt in Feuer auf, er vergiebt den kiebenden und der Vorhang fällt. Wie erſchuͤtternd has nicht dagegen Kopebue den Schluß zu machen gewußt! — Ob Treitſchke durch feine freie Vearbeitung etwas vers bejfert oder verfchlimmmert habe, fann ich nicht ent: ſcheiden, da ih Düvals Original: Bearbeitung nicht kenne. Die Oper gefiel nicht vorzüglih, obgleich Boildieus Muſik manche Fräftige und charakteriſtiſche Etelle bat, und Herr Demmer jum erjtenmale darın auftrat, der wirklich ein ganz braver Tenor und brauchbarer Schauſpieler if,
Mademoifelle Eigenfag trat cinigemal im Baum der Diana mit dem ungerbeilteften Beifall auf.
Kapellmeifter Kighini gab im Redoutenfaale ſei⸗ nen Alcide in bivio, und batte ein volles Haus, Jeder der ohne Partheilichkeit ureheilt, muß Righini einen fehr ehrenvollen Platz unter den beften Stalienis f&en Komponiften anweifen; Eühn kann er fich einem Salieri und Pär an die Seite ſtellen. Mit Stalienie fer Melodie vereint er Deutſche Kraft der Inſtru— mentirung, und Niefes Studium der Iharafreriftif, Kighinis Dper gefiel, und wuͤrde noch in viel höhe: rem Grade Beifall aefunden haben, wenn bier nicht ein ziemlich großer Zirkel, der fich zu den Kennern zaͤhlt, nur das Abgerifene, Geltfame, Schwerfahz— liche, nur ungewöhnliche Modulartonen, und frap: pante, wenn gleich nicht paſſende und geihmadvelle Uebergänge, mit dem Namen eincs Öeniewerfs zu bezeichnen beliebte, worin denn freilih einige neue Konmponiften alle andern weit Übertreffen. Wade: moijelle Fiſcher fang vortrefflih, und mit dem allge: meinften Beifalle, — i. —
Ueber Lirus.
Ihr konnt den ungeſtimen Applaus Mei Pirus Poſenſpiel wit ermeſſen? — Er futlte politaſch das Oberutzaus Mit ſeinen Glaubigern und Maitreſſen. H— 8.
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1804.
Nro, 135.
ARISTIDES. Der Sreimüthisge
Eonnabend,
E rn f
Theater. Berlin am ten July.
Peach einer lange genährten, oft wenn wir ihre Erfüllung nahe glaubten, wieder vergögerten Hoff: nung, iſt endlich Schillers Wilhelm Tell auf unferer Bühne erfchienen.
Das Stuͤck iſt ſchon laͤngſt auf Meinern Buͤhnen gegeben worden, und es ſind verſchiedene kaltſinnige, zum Theil ſelbſt tadelnde Urtheile daruͤber bekannt geworden. Das konnte nicht anders ſeyn: denn den großen Forderungen die dieſes Stuͤck macht, kann nur auf einer großen Bühne entſprochen werden; Hundert Erſcheinungen, die hier fehr gefielen, müffen auf kleinen Theatern bis zur Lächerlichkeit ärmlich und winzig erfchienen feyn, und einen erhabnen Ge: genfland kleinlich ausführen ſehn, erbittert, je erhab⸗ ner er ift, deſto lebhaſter gegen die Mishandlung deifelben, und endlih — gegen ihn felbft. — Das konnte nicht anders ſeyn, wiederhol' ih: denn Schil⸗ ter felbit bat durch das Genie, mit welcher er bie Merirrungen Übte, an denen er bisher oft Gefallen fand, einen großen Theil des Publifums für dieſel— ben fo fehr beftorben, daß er den Dichter jetzt auf falſchem Wege glaubt, weil er ihm nicht auf dem ge: wohnten erblidt. — Mad meiner Anfiche, ift dies fes Echaufpiel, das vollendetfie Kunftwerf, das Schiller gefhaffen hat: ich brauche alfo nicht hinzu: zuſetzen, daß ich es für etwas fehr Großes halte.
Der Plan ift mit einer Reife der Kunfteinficht,
und
—— den 7. July.
Sher,ı
deren nur das Genie in ſolchem Grade fähig if, an: gelegt und ausgeführt: alles wird darin gut vorberei: tet, alles tritt an feinem Drte auf; alles ſchreitet edel fort und vollendet fich: nirgend eine Luͤcke, aber auch nirgend etwas Weberflüffiges, und gleichwohl überall blühende, üppige Fülle und eine Reihe von Eituationen und Momenten, die fo ſchoͤn, fo Fraft: voll vor die Seele treten, daß man jedes Einzelne faft für das Schoͤnſte des Stuͤckes hält, bis das Folgende heraufglänzt und jenes wieder in Schatten ſtellt. — Die Tharaftere find alle lebendig, energifch, und gleich wohl durch hundert Ruͤancen von einander gefondert, und frei ven Leberfpannung. — Der Dialog if meiftentheile, ein Paar Scenen ausgenommen, rein von den langen, rhetoriſchen Betrachtungen, den bei großer Echöndeit, mäßigen poetifchen Schilderungen, den Inrifchen Auswuͤchſen, die Schillers Srüde vom Don Carlos an, oft fo fonderbar enıftellten, oft alles Feuer derfelben erlöfchen machten. Er bat bier eine Melt wahrer, hochherziger, edler Menfhen vor uns aufs geftellt, — die in ihrer Wahrheit unendlich mehr er: greifen und erheben, als die fublimeften Ideale, — Doch, ih muß freilih, indem ich dieſe Lobeserhe— bungen niederfehreibe , erinnern, daß ich das Zrüd erft einmal ſah, und daß ich im diefem Augenblick noch von dem Enthufiasmus erfüllt bin, den es mir einflößte. Aber ift nicht das ſelbſt ein großer Beweis feiner Vortrefflichfeit, daß es enthufiasmiren konnte? Das vermochte die Braut von Mejfina, Maria tu: art, ſelbſt Wallenftein und Don Carlos nie über
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mich, obgleich mich viele Scenen derſelben erſchuͤtter⸗ ten und entzuͤckten. — Um indeß nichts zu ſagen, was ich einft zuruͤcknehmen müßte, fpare ich das de: taillirte Urtheil Über das Stuͤck und die Darftellung, für die Wiederholung auf, und will mich heute be gnügen, den Lefern nur den Inhalt und Gang def: feiben vorzulegen, —
Weber, der talentvolle Derehrer und Nacheife— rer Gluck's, bat eine Duvertäre componirt, in wel⸗ cher der Geift feines großen Meiſters felbft, zu den Kerpen der laufchenden Verſammlung zu fprechen ſchien. Cie begann in ländlich: einfachem, ruͤhrend⸗ frohem Tone, der das Land und den Charakter dis Volkes verfünbigte, die uns jetzt erfeheinen follten; fie erzählte dann durch fchmeljende Klagen die harte Bedrängniß, die-diefes liebenswuͤrdige Volk erdulde; fie erhob fig mit immer mwachfender Energie, zu dem Eturme der dadurch in feinem männlichen Geifte aufgeregt ward, fie dennerte den Inhalt der legten Akte, — indeß bie immer wiederkehrenden erfien Toͤne an den Üharafter des Ganzer erinnerten; — fie ging endlich in lauten Jubel über und kehrte zu: ruͤck zu dem Tone des Anfangs, um den erjten Aft einzuleiten, Gin allgemeines Applaudijjement dankte dem trefflichen Tondichter, und der Vorhang ging auf.
An feinem Nachen fchwankte ein Fiſcherknabe auf dem Eee und fang:
Es lädjelt der Ere, er ladet zum Tabe, Dre Knabe ſchlier ein am arlinen Geſtade, Da hört er ein Klingen, Wie Flöten fo füh, Wie Stimmen der Engel Im Paradies, und wie er erwachet, im feliger Eu, Da fpüblen die Waſſer ihm um die Bruf, und es ruft aus den Tiefen: Lich Knabe bir mein! ch locke den Echläfer, Ich zieh ibn herein. Ein junger Hirt flieg von den Alpen nieder, und flimmte auf der legten Höhe an: Sr Matten, lebt wohl, Yır fennigen Weiden ! Der Eenne muß ſcheiden Der Eommer if bin.
Wir fahren ju Berg, wir kommen wieder
Wenn der Kutut ruft, wenn erwachen die Lieder,
Wenn mit Blumen die Erde fi feider men,
Wenu die Brünglein Aichen im lieblichen May.
Ahr Matten Icht wohl, Ihr fonnigen Weiden , Der Sonne mh ſcheiden, Der Eommmer if bin.
Auf einer hoben Felfenfpige erhob jegt ein Jaͤ⸗
ger feine maͤnnnliche Etimme: Es donnern die Höhen, es Attert ber Etes, Richt grauet dem Schutzen auf ſchwindlichtem Wes. Er schreitet vermesen, * Uuf Seiderm vom Eis,
Da yranget Fin Frühling,
Da grümer kein Reis. Und unter den Fußen ein meblichtes Dieer, Erkennt er die Etädte der Menſchen nicht mehr,
Durd den Riß nur ber Wolken
Erblickt er Die Weit,
Tief unter den Waſſern
Das griinende Heid,
Ein alter Eciffer tritt aus feiner Hütte, Er fieht den Föhn (Sturm) nahn, und ruft feinen Knaben warnend heim, da flürzt ein Fluͤchtling zu feinen Füßen, und flebt ihn an, ibn Über. den See zu feßen: er wird von Göldnern verfolgt, weil er einen Vogt erſchlug, der fein Weib entehren wollte, Aber der Föhn tobt ſchon im Zee, es iſt faft unver: meidlicher Tod fich ihm’ anzuvertrauen: der Echiffer weigert ſich. Umſonſt fliehen mirleidige Nachbarn, umſonſt fleht auch Tell (Iffland): es kann nicht feyn. Da wirft Tell fich ſelbſt in den Machen und unternimt es, den Unglüdlichen zu retten. Gleich darauf flürmen die Sbldner herbei, und da fie ihre Beute verfehlten, beſchließen fie alles umher zu vers wuͤſten. — Treffliher konnte der Charakter des Volkes, des Zeitalters und vorzüglich Tells, nicht eingeführt werden, als auf diefe Weiſe.
Sept folge eine Reihe von Scenen, welche den Charakter der andern Hauptperfonen entfalten, indem fie zugleich immer newe und fchredlichere Anſichten des Drudes geben. Die lebte Ecene zeigt uns Ars nold von Melchthal (Herrn Mattauſch) in Walter Hürf's Haufe verſteckt, weil der Jüngling fich wider⸗ feßte, als ihm ein Vogt das Zugvieh vom Pfluge fpannte: aber fein alter Vater bedarf der Pflege, er will auf jede Gefahr zu ihm heimfchren. Da erjcheint Stauffacher und unter andern Echredlichkeiten die er erzähle, iſt auch die, daß der Landvogt Arnolds Das ter, um die Aufwallung des Sohnes zu beftrafen, die Augen ausfiechen ließ und feiner ganzen Habe beraubte. Der Juͤngling flürje aus feinem Schlupf: winkel verjweiflungevoll hervor; er reißt die Männer zu feuriger Entſchloſſenheit empor: fie gehn ausein ander den Bund der Nothwehr zu bereiten. — Diefe Ecenen gelangen Herrn Mattauſch unuͤbertrefflich
On, " Im zweiten Akt (ich werde immer nur bie Hauptfceren anführen,) fehn wir ben alten Panner: berrn von Attingshaufen im Zirkel feiner Dienftleute, denen er felbft den Labebecher zutrinft: aber fein Neffe, Ulrih von Rudenz, (Hr, Bethmann) vers ſchmaͤht, ihn aus der Hand eines Hirten anzunebs men. Io glängendem Echmud gebt er, troß den ruͤhrenden DVorfteilungen feines Oheims, fort, fi auf das Schloß des Landvogts zu bezeben. Liebe zu einem Bräulein im Schloſſe des Landvogts, be:
hört ben Yüngling, und läßt ihn das Recht feines Molfes verfennen und verlaffen. — Die Urheber des Bundes verſammlen fi mit ihren ausgewählten Freunden im Kürlie Thal bei Nacht. Es wird mit aller Foͤrmlichkeit getaget, und der Bund der Noth— wehr für angeftammte Freiheit, gefchloffen. Diefe Ecene bat fehr fchöne Reden und treffende Charaf: teräußerungen des Volkes. Cie wurden gut geipro: chen und ziemlich gut gefpielt: aber felbft auf diejem großen. Theater hatte man ihr nicht genug Feier: liches und Großes zu geben vermochte. — Chöre, wie eine Machricht vor einigen Monaten fagte, bat diefe Scene nicht: man müßte denn das dafür an: ſehn wollen, daß die DVerfammleren im Aufmwallen ihrer Entſchloſſenheit, die vorgetragenen Beſchluͤſſe, zum Zeichen ihrer Beiſtimmung, ein Paarmal laut nachſprechen.
Im dritten Akt ſehen wir Tell im Zirkel ſeiner liebenswuͤrdigen Familie. Sein aͤlteſter Knabe ſingt:
Mit dem Pfeil, dem Bozen Dur Gebirg und Thal Kommt der SEchutz gejogen Grub am Morgenſtrahl.
Wie im Reich der Lüfte, König if der Seih, Durch Gebirg und Kuüfte Herrſcht der SEchutze Tre.
Ihm gehört das Weite! Was fein Pfeil erreicht, Das fit jeine Beute, Was da kreucht umd Heuat,
Ungeachtet der Warnungen feiner Gattin ( Mome. Ungelmann) wandert Tell nah Altorff, und fein fröhticher Knabe begleitet ihn. — U rih von Rudenz thut feiner Geliebten Bertha (Mdme Fleck) auf der Jagd in einer eine famen Gegend das Geftändniß feiner Liebe. ie, felbft eine edle Schweizerin, erflärt ihm, fie fonne ihn nur veradten, fo lange er die Sache feines Moifes verläßt: ihre Hand iſt der Preis für die Rettung des Landes, — Auf dem Markte zu Altorff ſteht Geßlers Hut aufgerichtet. Tell und fein Knabe gehen voräber in traulichem Geſpraͤche. Sie werden angehalten; das Volk ftrömt herbei, fie zu befreien, aber auch Geßler und eine große Zahl bewaffneter Soͤldner erfheint, Mit verbifnem Grimme hört er Tell's Entfhuldigung an, bdiftirt ibm die Strafe, und befteht troß allen DVorbitten darauf. — Weg mit allen Derfüchen, Affland's Spiel in diefen ce men zu befchreiben: feine Derimeiflung, feine Ent: fehioffenheit, die Ruͤhrung, die ibn wieder übermei: ſtert — Endlih, — indeß Rudenz mit dem Yanb- vogte jcheltend rechtet, gefchieht der Schuß. Lauter Aubel, Aber Geßler fiehe den zweiten Pfeil: neuer
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Kampf des faſt erſchbpften Tell mit ſich felbft: doch er geſteht feine Beftimmung, und wird zum ewigen Gefaͤngniß abgeführt.
Dierter Akt. Die erfle Scene bes erfien Akts. Eturm im See; das Schiff des Landvogts im Sturm. Pidglich flürge Tell hinter den Felſen hervor und ſinkt betend zu Boden. Er erzählt dem alten Echiffer feine Rettung, und der Sohn deifel: ben füher ihn auf den Fürzeften Weg nah Kußnach. — Um den ftecbenden Attinghaufen find Fürft, rauf facher und andre’ Freunde verfammiet, Tells Gate tin eilt herein, und fordert ihren Gatten von ihnen. Attinghaufen erfährt den gefchloffenen Bund, und ftiebe, ihn fegnend. Rudenz erfcheint zu frät, feinen. Dbeim von feiner Einnesänderung zu Überzeugen; aber auch er iſt gefränfe: der kandoogt bat ihm Bertha geraubt, und er, den Fein Volksbeſchiuß zum Bögern verbindet, eilt zur Made; die Eidgenofjen mit ihm. — Tell allein im Hoblmege, durch den Geßler kommen muf. Er prüft feinen Vorſatz vor feinem Gemiffen, und findet ihn gerecht. Ein rrober ländlicher Hechzeitezug wallt vorüber; ein wehkla⸗ endes Weib mit ihren Kindern erjcbeint, um von Vesiern die freiheit ihres Gatten zu erflehen. Der Landvogt zu Pferde; er weil’: die frau mit Härte zurüd, droht fie, die ihm knieend den Weg dverfperrt, nieder zu reiten, Tell's Pfeil trifft ibn. Er finft vom Pferde, Der Hochzeitszug ehrt zus
ck. Niemand will dem E&terbenden beifpringen. Eine Moͤnchsproceſſion verwellt bei der Leiche, und fingt eine ernjte. erhaben : ernfte Todes + Betrachtung.
Fünfter Akt. Froblodende Verſammlung des Volks. Die Niederbrehung der Schloͤſſer. Die Nachricht der Ermordung des Kaifer Albrecht, die ohne Bedauern, aber auch ohne freude aufgenoms men wird, — Tells Gattin und ihre Kinder in ih— rem Haufe. Der Kaifermörder, Johann von Schwa⸗ ben ſucht Schuß in der Wohnung: alles bebt vor feiner bleihen Verbrechergeftalt zuruͤck. Tell felbft erfcheint; er will feine einfhaft mit dem le:
enden, zeigt die Verſchiedenheit pwiſchen ihren baren: aber ertheilt ihm Rath und läßt ihm La: bung reichen. — Tell unter dem jubeinden Volk.
Einige Bemerkungen Über das Stuͤck und die Ausführung, ferner das Lied der Mönde, und die Compofition des Hirtenliedes, im naͤchſten Blatt,
G. M. Ueber Grabmale und Grabfchriften.
pricht der Geiſt der Zeiten aus einer Gattung von Denkmalen aufrichtig ju uns, fo ift es aus Graͤbma⸗ len und Grabſchriften. Andre Runftwerke gehören nicht dem wahren Zeitgeift, fondern dem deal. von DVolltommenheit, zu dem fi der kleine beſſere Theil der Mation erhoben hatte, und das von je ber nur wenig mit der NWirflichfeit verwandt war. Die Grabſchriften find zu gering, um erfünftelt zu werden, % heilig, um nicht treu den Glauben darzulegen, er bie Bruſt des Eterbenden belebte,
Ach wandle im Geiſt durch die milden Fluren von Griechenland, Ueberall in Kam Wiefen, aus dunfeln Echattengängen, an der belebten Ztraße, wie
von freundlichen Höhen herab, ragen in buntem Ge:
mifch die Male derer, die ehedem ſich an diefen Stellen des Lebens freueten: blumige Hügel, oo, von Üüberhangendem Gras ummoben, ſchoͤngeflochtne Körbchen mit Opfergaben für die Geifter der Ely⸗ fiumsbemwohner flehn, deren Afche bier die Urne um: 63 ſinnvolle Gebilde, wo der Tod, ein trauernder Aüngling, die Fackel fenkt, oder Pfoche nach den Syeimatbfluren auffhaut; ragende Säulen, die den Damen eines großen Mannes nennen, oder Kunde eben von der treuen Liebe des Gatten, von der früh: verblühten Jungfrau, von den Myriaden der Helden, die hier den Tod fürs Vaterland geftorben, wo, in den einfachen Marmor gegraben, den fliehenden Geift, ein fühner Gedanke in die Aetherflut, oder ein froms mer Ceufier in die ftillen Gefilde der Schattenwelt begleitet. Die ganze Flur umher iſt ein beiliger Tem: pel der Vergangenbeit, deren Bilder uns in freund« lien Phantafieen umſchweben; andächtige Wandrer roallen zu diefen heiligen Altären, und fiehn opfernd die Manen ihrer Geliebten an, ihnen auch in Ely⸗ fium hold zu feyn. Griechiſche Grabſchriften. Wanderer! Nabe der Statte mit Ehrſurcht? Unter den Hügel b Haben bie Mufen den Freund, Gophokles, miebergelegt, Der kleine Marmor, theure Kleobule, Tem Das Dentmal unirer langen Piebe. Immerdar Werd' ih Dich ſuchen. O fo denfe meiner dech und ſchorſe nicht im Schattenreiche Lethes Fluth. Schickſal, und Du o Hofnung, lebet wohl, Ich bin nun in dem Hafen angekommen. Hierher legte die Urne der Braut ein trauernder Jungling. Harre Du meiner am Strom, ber die Erinnerung tilgt. Steige binan im den Schoos der Erzeugung, dem Du entgangen, "ein aus der ſammenden Gluth ſchwinge sum Werber Dich aufs Aber zurüd in den Schoos der Verweſung finte die Aſche, Wis der belebende Weir wieder zum Leben fir wuit, *) Eremdiing ! bringe die Kunde den Latedämoniern, Fern vom ber Heimath, treu ihren Ermahnungen, ruhn wir,
Welch ein hoher Geift, welch edle Einfalt fpricht uns in diefen Tönen der Vergangenheit an!
Aber mein Traum ift verfhwunden und ich gebe in einem ummauerten düfterm Bezirk, voll bemoster Eteine, die ihre dunfein Geftalten über die Gräber: fyaaren heben, vol umzaͤunter Hügel, verftümmel: ter Kreuze: denn bier hält Feine religidfe Scheu die Hand des Frevlers gefeſſelt. Wie eng iſt mir die Brust geworden. — Aber mas iſt das?! Graben: odem gebt aus den Gruͤften hervor, die jeittwärts in den Hallen mich angähnen: ich trete auf moderndes Menihengebein. — seilige Reſte der Verfiorbenen ! in eurer Naͤhe mollte ich mich der Ruhe und Weh— muth überlaffen; dach ein Todeeſchauer ergreift mich in feld" einer Grabeoflur, unter den gräßlichen Furchtgerippen, die dräuend ihre Senſen erheben,
*, Soft midıt ewig zu leben, fonderm im der unendlich fich voirderergeugenden Weſenreihe als ein anderer Körper eine ans dere Gere zu empfangen Mund eim, neues Leben zu beginnen. Die ſoatern Vearife von Wiederdelebung dei Staubes waren dieſen Griechen jremd.
Zwar wohnt auch hier, wie bei den heitern Griechen der Glaube unter den Gräbern; aber bie frommeg Spruͤchlein, vol Hoffnung, daß der Staub fi wie: der fammeln und zu ſchoͤnern Körpern bilden werde, fanımt den ungeflalten Engelfnaben, die über dem brogelnden Geftein ihre Trompeten erheben und jur Auferfiepung blafen: fie vermehren nur das brüdende Gefühl, das unfer Herz verengt und traurig eilen wir hinweg aus der Verweſung Flur, wo jo Ems pfindungtödtende Gebilde uns bedrängen und Moders büfte ung anmwehn, — Schoͤne Zeit! wohin bift du geihwunden, boldes Blüthenalter der Matur! Deutſche Grabſchrift.
Her litt vergren Hans Heukerlink
Dor fa bin op fin Föde gint.
D Herr mat em de Schlnken lik
und helb em in din Himmelrif,
Du nimms Dit jo der Lemer am
So Lat dot of din Buck metgan.
Hier liegt begraben Hans Hinkerling,
Der fo ſchief auf felnen Guhen ging.
O Herr, mach ihm die Schenkel gleich
und mimm ibn in Dein Himmelreich.
Du nimm Did ja der Lammer an,
So laß do auch den Bock mit gahn.
Zürne oder lache nicht über mich, lieber Leſer, daß ich in meinem Unmuth Dir gerade dieſe grajfe Grabſchrift vorlege. Ein wenig Einfalt des treuherzie gen Miederfachien abgerechnet, möchte fie weht fo siemlich einen Driginaltypus für unfere gewöhnlichen Grabſchriften abgeben. — Doch ich will auch bier das Erbabene treu berichten, wo ich es fand:
Wir fliegen an einem ſchoͤnen Maitage mit fin Fender Eonne den heben Petersberg binauf, der fih einfam aus der ebenen Flur emporhebt und ſchon in großer Ferne dem Wanderer fein Haupt tief in Wolken zeigt. Ich freute mich, wie rings die uns endliche Erde fih Immer weiter eröffnete. Seht was ren wir über Felsgetrömmer durch das Dorf bie an die Kuinen eines Klofters auf den Gipfel binange langt und frei lag nun die große Erdenfheibe ausge: frannt, allmählig in blauen Duft zerfließend, der am Horijont wie in Bellen aan den Himmel an: fhlug. Schon begannen die Diebel der Tiefe fih zu entreinden und der Mond ſchien heller hinab. ch ging die Abendgluth in Werten zu begrüßen und bog um das thürmende Gemaͤuer. Schneil durchfuhr mich ein heiliger Schauer, denn ich trat in einen Gortesader, Die hoͤchſt überrafchende Erſchelnung der Graͤber an diefem Ort, unter den Trümmern der Bergangenbeit, die hohen Leichenſteine, die in der Abend: fonne fchimmerten, und die tiefe Stille ergriffen mich wunderbar. Ich ſtand vor einem Srabmape und las:
„Fremdling! der du heraufgefommen biſt, „die fchöne Natur gu ſchauen, erwache über „den Sräbern aus deinem Schlummier, und er: mbebe Dich zw dem Gedanken der Unjterblich: „keit.“ — rſch. Harpagon. Als nach des Wucherſebens Endung um Harpagon die Höllenflamme ſchlus, Mief er: o teufliſche Verſchwendung! Ein Drittheil heinte ſchon genug.
Driginal.
Weberfetung.
1304.
No. 156.
‚ARISTIDES. Der Freimuͤthige
Montag,
ern ft
und
ben 9. July,
She r
Literatur
Polyxena. Ein Trauerfpiel im fnf Ubtheilungen ; von Eollin, Berlin, bei Unger, 1804.
User den Inhalt dieſes Stuͤcks, und fein nicht gluͤckliches Schidfal auf der Wiener: Bühne, iſt ſchon im vorigen Yahrgange, ſowohl von Ernft und Scherz, als vom Freimäthigen, gefprochen worden. Jetzt alfo nur Weniges darüber, etwa nur fo viel, als hin: reicht, jenes Schickſal zu erflären.
Das Stuͤck beginnt damit, daß Polyrena auf dem Grabe des Achill ein Todtenopfer bringt, und ihn anruft, fie mit fih durch den Tod zu vereinigen, Fin Donner verfpriht ihr Gewährung: und ihr Loos iſt unabänderlich geworfen. Achill erfcheint for fort dem Wahrfager Kaldas im Traume und fürs dert, dab Polgrena durch Meoptolemos geopfert werden foll; er erfcheint diefem ſelbſt, Agamemnon und Odoſſeus wachend, indem Kalchas ihnen feinen raum erzählt. Umſonſt bereut Polyrena ihr Gebet, weil ihr Tod ihre Mutter ganz zu Boden fchlagen muß; umfonft wehklagt Hefabe; umſonſt haben alle Griechen Mitleid mit Pelgrenen; ja, umfenft wuͤtet Meoptolem, den eine heftige Liebe zu ihr ergreift, mider die Griechen und die Götter: die Furien ers feinen ihm und zwingen ihn, die Geliebte zu ers morden.
Mit Bedauern gefteh’ ich, ich babe in meinem Leben kein untauglicheres Suͤjet zu einem Trauer
fpiel gelefen, als dieſe Fabel if, Es iſt wahr, es ift Herrn Collin trefflich geglüdt, aus ihr felbft, das antike Schickſal hervorzurufen, und es in feiner ganz jen gräßlichen Geftalt hinzuftellen: aber eben dadurch bat er auch die Untauglichkeit deffelben für unfre Bühne unumſtoͤßlich bewieſen. Das feheußlihe Ge: ſpenſt ſteht unverhällter da, als in irgend einem als ten, ober neuem Dichterwerfe, da fein Ausfpruch durch nichts verfchuldet wird, und in dem ganzen Stuͤck auch nicht eine Perſon iſt, die es nicht fchmerjte, daß man geborchen muß, befonders aber dadurch, daß der Vollſtrecker nur durch die Fackeln der Burien zum Gehorſam gezwungen werden kann: doch wie konnte Kollin es überfehen, dag nun auch unauebleiblich alle feine Helden und Heldinnen in erbärmliche Eflayen verwandelt werden mufiten, die fih unter einander nur dadurch unterf&eiden, daß die einen mit größerm, die andern mit gerins germ Widermwillen gehorchen; feines erjten Helden, Meoptolem’s, Eträuben muß gar durch Züchtigungen gebeuge werden. Man hat das Stuck in Wien nur Falt aufgenommen. Mich wundert, daß nicht lauter Widermillen ausgebrochen if,
So ungtädlih wie in der Wahl der Fabel, iſt der Dichter auch in den Charafteren gewefen, Kein einziger hat Kraft, Fein einziger, Polyrena ſelbſt ausgenommen, flößt einiges Intereſſe ein, und auch fie, die bald zu fterben, bald wieder zu leben wuͤnſcht, wird lanamweilig, und erfcheint am Ende nur als ein folgfames Kind, das freilich der Strafe, die es em=
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pfangen ſoll, gern uͤberhoben wäre, aber ſſch ihr gleichwohl unterwirft, weil es weiß, daß Papa und Mama es lieb haben, und daß es — die Taſſe nicht hätte zerbrechen fellen. Umſonſt wendet der Dichter alle Kraft feines wirklich ſehr großen Talents auf, die einzelnen Momente, die einzelnen Regungen ſchoͤn auszudräden: nichts erhebt feine Charaktere über die Winzigkeit, zu der fie das Schickſal berab: druͤckt. Sobald der Knecht Ruprecht aufgetreten if, fo it alles, was vor ihm zu Winkel Friecht, Kind, fol’ «8 auch einen Bart haben,
Doch genug des Tadels. Ich fühle, dab ich, bloß aus DVerdruß darüber, Herrn Collin fein Tas tent fo mifbrauchen zu fehen, bitter werde. Kein Wort alfo mehr Äber die Fehler des Stuͤks: jetzt von feinen Vorzuͤgen, deren es in Ruͤcſicht auf das Detail ſehr viel hat,
Es bat mehrere Momente, die vortreff ich, bald erſchuͤtternd, bald fehr rährend, find. Dahin gehört zum Beifplel jener, in welchem Kalchas feinen Traum, erzählt, und fich diefer vor den Augen der Hören: den realifirt; dahin die Scene, in welcher Polnrena dem vor Liebe giähenden Neoptolem erklärt, fie liebe nur feinen Vater; er werde, felbit wenn er fie zwinge, feine Gattin zu werden, noch im Glyfium fie nur jenen allein lieben fehn, ihr in weiter Ent fernung durch die Yufkgefilde folgen; dabin gehört ferner die Scene, in wekher Kaſſandra fie zum Tode bereitet.
Auch iſt die Wallung der Gefühle vorzuͤglich im Gemäthe Polnrena’s und Kaſſandra's, binreißend zart und ſchoͤn ausgedrädft. In diefer Rüdfiche ſteht Collin keinem andern unfrer Dichter nach, — nur Schade, daß durchaus im Stuͤcke nur Wallun: gen, nicht wirffame Ausbruͤche und Etürme der kei: denfhaft Statt finden fonnten.
Die Diftion iſt durchaus rein, edel, micht ſel— ten erhaben; — das Fortſtroͤmen der Merfe, vorzüg« lich in den lyriſchen Reden Kaffandra's, voll beiaus bernden Weobhlflanaes, und der Gang der Gedanfen echt lyriſch. Doech alle diefe Schoͤnheiten eignen das Werk mehr zum Lefen, als zum Aufführen. Zu dem erften empfehl! ich es mit Wärme; — auf der Bühne kann es fein Gluͤct machen, denn es hat nur für die Phantafie Leben, nicht für die Dar: ftellung.
Die Form des Ganıen ift Schiller's Nachah— mung der Alten nachgeäahmt. Auch Kollin läkt in den meiften Scenen die Rede aus dem jambiſchen Maafe in lyriſche Veremaaße übergehen, Auch be fließt er jeden Akt (die Benennung: Abtheilung,
ift eine &pielerei,) mit Choͤren, *) die, ohne daß der Vorhang finft, am Echiuffe jedes Aftes geſun⸗ gen werden fallen. Dieſe dee (fie wurde auch fhon im Freimürhigen, wo ich nicht irre, von Hrn, Schreibern, aufgefiellt,) ſcheint mir gluͤcklich für Erüde dierer Art, in denen im Grunde feine Hands tung ift, und die für uns ins Keich der Wundermährs hen gehören: ſenſt aber möcht’ es wohl beſſer ſeyn, ſo oft ein Ruhepunkt in der Handlung eintritt, die idea lifche Welt, Die wir vor uns in Handlung fehn, durch das Niederfinfen des Vorhanges ganz verfchiwinden, als in derjeiben etwas vorgehen zu laſſen, daß mit dem Uebrigen beinah eten fo wenig jujammenbhängt, als diefe Welt felbft mie der unjrigen, G. M.
Der moraliſche Krämer, Eine wahre Geſchichte.
err Falſing ein ehemals ſehr beruͤhmter Kauf— mann und Spekulant in 3, war durch verfchiedene Unglädsfälle ganz beruntergefommen. Indeß, es leben die guten Köpfe! — Sie bahnen fich allenthal— ben, und unter allen Umſtänden neue Wege! Herr Falſing hatte in feinem Yaden nur noch einen unbe trächtlichen Ueberreſt alter, labımer Scheeren, verrojteter Degen, und Biegeleiien, Haarnadeln, Schachteln, Doſen, u. f w. Einſt, als er erübfelig zwiſchen al« len diefen Daritäten Rand, fuhr er auf einmal wie begeiftert auf. „Ha! rief der pbiloforbifche Handels: mann: — ift nicht die Welt ein großes Puppenfpiel? Lauter Poffen, zehnmal unbedeutender wie dieſe um mich ber, werden gefucht, geicbätt, — anzebetet; — alles dreht fich zur Poſſe, und ſelbſt die ernſthafteſte Sache von der Welt wird dazu gemacht. Wohlan, — ich will diefen Poſſen⸗ Geiſt des Zeitalters benußen, — ich will ein geſchmackvoller Moraliſt werden, und in Eurjer Zeit die ganze elegante Welt vor meinen Las den zaubern!“ —
Sefagt, gethan! Wald ward Herr Falſing unter dem Damen des moralifcben Krämers das Gerede der ganjen Stadt. Ein Fremder, der nicht in Falk finge Bude gewefen war, wurde dem gleich gehalten, der nicht in Nom dem Pabjt die Eoblenfpige gefüßt
*, Edrilier rügt im feiner Vorrede jur Bram von Mei fina better, dag man bei der Tragodie von Choren ſoreche, u... Jemand hat im Freimuthagen aurmerniam gemacht, tan Schiuler ich ſalbt dieſes Ausdrucks bedient babe. Das war eigentiedh mberdnd). Schilers Ruge bewies mar, Bi — Nager in ſeiner Seele jew. daher ſchulen Dertemige, ae gen den fie eigentlich geriet war. Der Chor iſt die ideau⸗ sche Perren der alten Trayddır, der Todte, den Eiller wer gebens verudre wand.in zu machen „Die Eupre,” ut wie Breite und ward Beuennung der Reden, melde die Als thatungen des Chors wechſela.
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und in Weimar Wieland nicht aus dem Fenfter hatte
gucken ſehn. — Reißend gingen feine Echnurpfeifereyn ab, denn bei jeder Kleinigkeit ergoß fich feine fatiri-
fe Laune, und allem wußte er durch fie einen ganz
eignen Werth beizulegen. Man bezahlte ihn zehn: fach, nur um einen luſtigen Zug mehr von ihm in Affemtbieen und binter Kartentiſchen naderzählen zu fünnen, und fo ward er auf dem Wege eines ſatiri— fhen Eittenpredigers ein geborgner Mann, Hier einige feiner Unterredungen:
Herr M’ tra ein. — „Haben ie hͤbſche
kleine Schachteln?“ — Allerdings mein Herr, — hier zum Exempel iſt eine allerliebſte, die die ausge: fuchteften Cigenſchaften bat. In diefem Schächtel: chen, mein Herr, fann ein Hoffmann feine ganze Ehr: lichfeit, ein Advefat fein Gewiſſen, und ein Dichter fein ganzes Haab und Gut verwahren, und das mit Gemaͤchlichkeit.“ — — Herr M. der ein Advokat war, lächelte und bezahlte die Schachtel weit über den Werth. Mad. X. „Haben Sie feine Ferngläfer?" — Aufzuwarten Madame! die fhönften von der Melt, „zeigen Cie mir eins" — — Hier iſt ein fehr kurio— fes wie noch in England Feins gemacht if. Es bat fondertare Vorzüge! „Und die wären?" — Sehn Eier, Madam! — Wenn fie durch das eine Ende bier hierein jeben, fo erjeheint jeder Gegenſtand ganz nabe, vergrößert, und in dem glämzenditen Lichte, Aber drehn Sie co um, gleich ericheint alles ganz entfernt, in Mebel gehuͤllt, verkleinert, verichrumpft und unbedeutend. Durch dieſes Ende fiebt man zweierlei. Erſtlich: feine eignen Fehler, und anderer Leute Vorzuͤge. Weide zeigen fich uns darin Elein, roinzig und unbedeutend. Wollen wir aber unfere eigne Größe, oder anderer Fehler dadurch betrachten, ſchnell kehren wir das Ding um, und fiche da, — wir erjheinen als Tugendhelden, Rieſen der Groß: muth und Vortrefflichkeit. Die Schwaͤchen anderer dehnen fich darin zu Todſuͤnden aus, und ihre Zplit- ter zu Balken! — Madame X. jog bedaͤchtuch ihre Voͤrſe, und nahm das Fernrohr mit ſich. — Matame L. „Haben Eie Masten?" Mein! „Mein Gert keine Masken?“ Keine Maske! „In aller Weit, wie gebt das zu?" — „ehr natüır lich Diadame! denn da heut zu Tage alles in der Welt Maske ift, fo kann man die aus Pappe nicht an Mann bringen. erröthenten Wange, Unterdruͤdung mastirt fich mit dem Dramen der Gerechtigkeit, und SHinterlift mit dem € chleier der Weieheit Darren thun geiekt und Heuchler herzlich. Schmeichler hängen die Freund: ſchaſteſahne aus, und wer heute an eurem Vuſen in Zaͤrtlichkeit zerfliege, ficht euch morgen kaltbluͤtig
Coquetterie verbirge ſich unter der
hängen, wenn er euch auch mit einem Speciesthaler löfen kͤnnte. Die ganze Welt ift Maske, — und natürliche Gefichter ſieht man nur im Schlaf und im Sarg.“ — Mamfell 8, empfahl fih mit etwas Unmillen, wie das Geſpraͤch ſich auf Geſichter lenkte, denn fie war fo arg gefchminft, — wie Madame GE... d in — — mürde ich fagen, wenn ich die Achnlichfeiten liebte. —
Her W. — „Mein Herr haben ie feine feltenen Alterthumsſtuͤkfe?“ — In Menge, mein Herr, aus jedem Zeitalter, von jedem Volk, feit der Ers ſchaffung der Well. Hier z. B. iſt Eins der feltens fien Eröde, Eine Heine Kupferplatte, worauf der Heirathsantrag geäjt ift, den Adam feiner Eva machte, Die Züge find ganz geichwunden, aber das it eben das Antife. Das Remarquabelſte dabei iſt dies, daß Evas Reden immer dreimal fo lang find, mie Adams, und voll Verfiherungen von Zärtlid: keit und Trene. Auch ift hier das Horn eines Böd- feins, welches die Mauern vor Jericho niedertroms peten half, Mteichfalls eine Lodfe von Simſens Haas ren, aufgewidelt auf einen Sappen von Joſephs Mantel. — „Was ift das für eine Flöte?” Die nebmliche, womit Orpheus dem Teufel das Herz meich machte, um fein Weib aus der Hölle zu löfen. Hier iſt ein ſtattliches Hirfchgeweih, von einem Sechs⸗ jebn: Ender, den Hannibal im dreißigjährigen Kriege zur Kurzweil bei Capua erlegte, wo er fo viel trank, daß er miche vor Kom konnte. Erken Zie es fich auf ven Kopf, und es wird Ahnen fiehen, wie die Hörner des Mondes, auf den Kopf eins — — der eine hübfche Frau hat. Hier endlich iſt eine der feltenften Piecen, die ich befike, und die ich die Pruͤ⸗ fungsröhre zu nennen pflege: damit lajfen fich gar feltene Erperimente machen, Wenn Eie fie ans Ohr feßen, fo werden Sie erflaunen, Nichts dringt durch dielelte, als Wahrheit und Weieheit; — Aibernbeit, falſcher Wie, Abſurditaͤt und Zoten geben fo wenig dadurch, wie ein Kameel durch ein Nadeloͤhr. Mit diejer Köhre am Ohre babe ich oft Stunden lang in den glaͤnzendſten Geſellſchaſten, runden lang in Kaffsefiuben gejeifen, wo der Mund der Frau Muh— men und Baaſen, wie ein Windmühlenflägel ging, — aber ih — hörte nichts. An den verjogenen Ge: fiptern, den geweiteten Nafenlöchern, und den plap: pernden Mäulern, ſah ich zwar wohl, daß etwas vorgeben muͤſſe, aber für mich war alles Marionet: tenipiel. a, mein Herr, ich verfihere Sie, — oft hate ih mit diefem Infirument dem feierlichften Got:
teo dienſt beigemohnt, ich legte es ans Ohr, — und
Gott fol mir beiten! — ich hörte nichts!" — Herr W. war, ein Gandidat, — er faufte die Pruͤ—
— 24 —
fimgsrößre und ging, — und hörte nie etwas das durch
Herr M. „Haben Cie Wagſchaalen mein Herr?" „Extrafeine, mein Beſter. Hier ift eine fuperbe, — das wahre Einnbild der Gerechtigkeit, — ein Haar bringt fie aus dem Gleichgewicht.” Genau, fo möchte ich be haben, denn ich bin millens einige flatijche Erperimente damit zu machen! „Dazu: find die mei: nigen fehr geſchickt. Diefe bier, — rine meiner fein: 5 babe ich felbft verfucht, und frefflich gefunden. &o
abe ich einmal die Verſprechungen eines Minifters
in bie eine, und den Flügel einer Muͤcke in die ans dere Schaale gelegt, — und fiehe das Bünglein blieb ſtehn. Ach habe die MBeisheit eines Stuhers und den Wik eines Pedanten gegen einander gewogen, und beide nahmen fich nichts, — ich habe gefunden, daf Stolz und Citelfeit mit der Dummheit im ges naueften Gleichgewicht ſtehe, und daß ein Fingerhut voll Zufriedenheit, unendlich mehr wiegt, als eine Tonne Gold!“
„Aber, lieber Falſing, fragte ihn einſt ein ver frauter Freund, wo erlangteft Du dieſe feltene ers tigkeit, Lappallen durch noch ärgere Yappalien fo aufs ——— — Du haft vergeſſen, antwortete er, daß
eh’ ih Kaufmann wurde, —— ſtudirte.
Miscellem
Forise erzählt in feinen gedrudten Vorlefungen über Dekiamation, er babe einit in einer Dorfidpenfe eir nen Capuziner und eine ganze Schaar von Zuhbrern dejjelben, in der Macht dadurch verfügt, daß er jenen ducch ein Loch in der Zimmerdede zwei Verſe zuge: rufen; die Leute batten geglaubt, den Teufel zu bb: ren. — Er eriäblt ferner, ein Kupferftecher habe einen Eleinen boshaften Affen, der bie Yeute zu beifien pflegte, durch einen ernfhaften Blick zuruͤck⸗ geihredt, — „Das wollen Eie uns doch wohl nicht für Merkwürdigkeiten geben?“ Ah? Nein! Aber das it merkwuͤrdig, dab Larive dergleichen als Bemelfe „tür die erfebhtternde Wirkſamkeit der menfch: lichen Organe“ anführt, und daß viele Scurnaliften fie ihm mit eben fo wichtiger Mine nacherjäblen, Man könnte eben fo gut von der großen Kraft der Xodsbärte fprechen, da der Knecht Ruprecht mit dergleihen die Kinder fihredt, oder der Hundszaͤhne, die ein Bullenbeißer nur zu zeigen braudt, um den Wanderer in Furcht zu feßen, Wenigftens find diefe Geichichrchen ein Beweis, daß auch Kerr Larive das neidenswerthe Talent beſitzt, Etwas aus — nichts zu machen.
Wie Pariſer Zeitungen berichten, haben ſich bei der verfuchten Luftfahrt des Heren Prof. Bourquet zu Berlin, über bunderttaufend Menſchen verfamms ler; auch hätte er obme Zweifel da der Verfuch fehl: fehlug, fein Leben eingebüßt, wenn nie Se Majes
.
ftät der König ibm des Prinzen Louis Königl. Ho⸗
heit an der Epige eines Huſaren- Kegiments zu Hülfe geſchickt hätten. re doch alles, ſelbſt eine Volks: Unrube, in Berlin betrieben wird! Hier weiß man Fein Wort davon, R
Der Abbe Seoffrot if: feitdem bie andern Zei⸗ tungen nicht mehr mit ihm janfen, fo dürftig an Materlalien, dak er in mehrern Blättern hintereins ander lange Auszüge aus Kampe'ns Befchieibung ber „Entdedung von Amerifa für Kinder * giebt,
Buverläßigen Nachrichten zufolge iſt am erſten Januar 1904. ein jonderbares nd didium zur Melt gekommen, F ſchon vor ſeiner Geburt behauptet, zwanzig Jahr alt zu ſeyn, gewaltig gelaͤrmt und mangerlei ſehr zmweideutige Dinge verjucht, hat fünf Veonat nach feiner Geburt gewaltig altflug ges ſprochen, ift aber im jechsten Monat ſchon wieder vor Alter Eindifch geworden, .
Eiche Itum, 142. der Jenaifchen Lit. Zeitung,
Der Geift des Menſchen.
Mi tuhnem Adlerſluge bringt Des Menſchen Grit ind Reich der Steruc, Zahlt ihre Zahl, miht ihre Ferne, Berechuet ibre Bahn, und ſchwingt Sich dentend zu des Weltalis Granzen Wo tauſend Seharenkreiſe glanzen.
Er ſorſcht, wie ſchnell das Sonnenlicht Zur Erde drimat; er ſieht im Keime Des Apfelterns die tunftgen Baume Mit Blut' und Frucht; ſelbſt das Gewicht Son Seuerlammen um» von Winden Wagt ar mit Scharfünn zu erarkmden,
Mas Meer und Errom, was Thal und Flur Bewohnt, werß alles er um Mensen:
Sich ſubſt nur kann er nicht erfenmen ı Erin Uriprung, Weſen, Kraſt, Kater und Zweck, find ihm, Trog feinen Sorgen Sie iu durchſchauen, tief verborgen.
Er imeifelt ſelbſt an feinem Sein, Graat: „Bin ih nur aus Staub geboren?
u Tod und Untergang erfohren ?
in ich vielleicht ein bioüze Schein?
Ein Flammchen, bas der Korper nahret, Das ihn umd ſich zugleich verzehrtet? —“
„Bin ich vieleicht ein bloies Vild,
Nur ein verworrmes Bild von Budern? — Wie fol ich mir mein Daſeyn ſchildern? Welch umerflariih Dunkel fullt
Mein Junres: Wir kaum ichs erzründen? Wo ſoll ich Licht, wo Wahrheit finden? — Hl
So zroeifele er, und wankt und irrt; Our ungewiiem Boden ſchreitet Er vor« und ruckwarts; viters oleitet Er aus; von ZIweifeln ringe umwirrt, Minge fein Verdand um onſt mach Wahrheit: Er giebt fie miche in ihrer Klarheit,
Da tönes in feinem Immera laut: „Du fol vorkommen, heilig werden! „Das Mana Du nicht auf dieſer Erden, „De der, der fie und Di gebaut, „Der beitig if, und feinen Willen „Ins Herz Dir ſchreidt, thn zu erfütlen:“
Der kann und wird, — dran weiſte nit! — „Dein ernſtes ruheloſes Etteben „Rad Watzrheit, Hetligteit und Leben, „Wenn Deines Korpers Bau zerbticht, „In einem beſſern Daſeun flilen,
„Und Dich und Sich Dir gam enthüllen,” A. Burdach.
1504. Nro. 137. Der Freimüthige Dienftag, — 0 — — den to, July, Gr rıff und © et.
Literatur
Briefe ber Jfflands Spiel in Leipzig, zu Ende des Junius 1804. (In fieben Ei Leipzig, im Comptoir für Xiteratur,
8 iſt eine eigne Sache mit den betaillirten Ent: widelungen der theatralifhen Darftellung einer Rolle, , Der Künftler — der wahre nehmlich, — fucht den Charafter, den er darzuftellen bat, gang aufjufajfen, fih ein beftimmtes Bild deifelben vor die Seele zu rufen; er überlegt die Weife, mie die Hauptmomente —* Reden ausgedrüdt, durch welches Mienenſpiel ie unterſtuͤtzt werden muͤſſen; er waͤhlt paffende An: fündigungen des Charakters in Kieidung, ang, Benehmen: kann er noch mehr thun? Sch glaube nicht. Das weitere Detail der Nusführung, die klei⸗ neren Momente u. f. w. müjfen durchaus der augen: biidiihen Stimmung (fie wird die richtige fern, wenn der Künftler wirklich mit ‘ganzer Seele bei feinem Kunftgeichäfte ift,) Überlaffen bleiben. Wer altes vorher überlegen, einüben weilte, würde leicht zur lebendigen Marionette werden. Nun treten aber die Beobachter her, und heben taufend Kieinigkeiten heraus, bewundern, erflären, verfündigen fie, als Diefultate des tiefften Nachdenkens, — indeß der Schauſpieler ſich vielleicht ihrer nicht einmal deutlich bewußt ift, und morgen in derfeiben Rolle auch nicht eine einzige bderfelben mr anbringt: — denn, die erwähnten Hauptpunfte abgerechnet, laͤßt fih Zchil: lers berühmter Klage über das augenblidliche, fpurlofe DMergeben des mimilchen Kunftiverks, recht gut die Des merkung entgegen fegen, daß es auch nur Produft des Augenblids, und für den Augenblick berechnet ift. och, indem ich die Klippe bejeichne, an mel: cher die Verichterflatter Über einzelne Darftellungen
— ſcheltern, muß ih dem Verfaſſer dieſer
riefe das Zeugniß geben, daß er ſie meiſtentheils
(nicht uͤberall) vermieden hat. Seine Bemerkungen treffen vorzüglich die Weiſe, wie Iffland die Charak— tere im Ganzen nahm, und eignen ſich daher recht ſehr dazu, vorzüglih von Schauſpielern felbft, mit Mugen geleſen ju werden, Schade, daß fie offenbar mit zu grober Tile gefchrieben wurden: der Stil iſt auferft vernachläffigt, =;
Hundert Hmperbein auf Herrn Wahls große Nafe, in erbauliche hochdeutſche Reime gebracht, von Fr. Hophthalmos. ( Stuttgart.)
Ya, ja! Irdiſche Größe iſt miche immer ein Städt! Das beweiſt das Schickſal der armen Heldin diefes Buͤchelchens. Ein ganzer Schwarm von Wefpen bat ſich an fie gehängt, dach — was bemerkt zu werden verdient, — chne zu flechen: fie ſummen nur und jeigen den Stachel. Moher fie kommen? — Wahrſchemnlich hat Haug fie gefender: denn ich weiß unter den jekt lebenden witzigen Köpfen niemand, der eine ſoiche Ueppigkeit des Wiges an Einen Ge genftand zu verwenden hätte,
unabwendbar. Wer ungeſehm, mer ungeſcheut Sid argern will, mein Pieter, Eurfernt ſich beimlich meilenmeit und alcht dir Naſenſiner. Ubentbeuer Yünafibin lieh ich die wudhtende Na auf dem Strius ausruhm, is ein Bewohner des Sterns kuͤhnlich herapiubr an ibr, Doch in der Mitte erblih er vom Hunger aetodtet, Und in mein Antlig ach! ſturzt, ein vermoderter Peib!
Das glaubt man vielleicht, Fann nicht überboten mer den? D ja! Teer muthwillige Dichter fließt mit einer Abbitte an Herrn Baht.
Vergleb mir — Du bi von atrechtem G&men
Ob meinen Naiempasquilien dırrchdramaeit z
Denn was ih Duperbein nanır im Eden,
Das find in Wahrheit — Vertleinerungen
— 26 —
Hirtenlied aus dem Echillerfchen Schauſpiel Willhelm Tell.
Andantino. von Bd. U. Weber, I —— — —* — — | —
— Se) E ers —
Ihr Mat » tem Ictt wohl, ihre fon ’ ni: gen
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ad ibn ritenuto. tempo, m — en o — — — Sara — —— — — EN — — den, der Sen⸗ne * ſchei den, der Som⸗mer iſt bin, | NN ne et BIN — —— — — — — Zn, — — * ze = 7 — — ER. Eee = — 8 Erz — — — —— — un Dee com moto. — — 2 —— —— = == ===
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der, wennmit Blasmen die Er s de fich Hei, bet nen,
— —
4
ueber Schillers Wilhelm Tell.
(Fortſehung.) Mean wiederholte am 6. Jullus dieſes Trauerfpiel: ih bin alfo im Etande, eine nähere Beurtheilung deffelben fehnell nachzuliefern.
Huch nach diefer wiederholten Fälteren Anſicht des Stuͤckes, find’ ich nicht Urſache von dem Lobe viel zuruͤkzunehmen. Der Plan ift in der That meis fterhaft, nehmlich fo meit das Stuͤck gebt, das heißt, bis zum Ende tes vierten Aktes: Feine Ecene ließe
ſich entbehren, ohne daß eine Lüde in der Handlung
(dieſe ift aber, wohl zu merken, nicht Tell's Ge: f&hichte, fondern die Befreiung der Echmweij) eneftünde, und für die Hauprfcenen hat der Derfaf: fer alles wortrefflich berechnet, was ihren dichterifchen Werth erhöhen konnte. Im diefer Ruͤckſicht iſt der Schluß des vierten Aftes vorzäglich meifterhaft. Ich kenne wenig fo fehöne auf der Bühne ausgeführte een, als der Kontraft zwiſchen Tell, der in dem Hohlwege, in der Eraltation verjweifelter Entfchlof: fenheit, dem Augenblick entgegenfieht, eine That zu begehen, die das entſcheidende Loos Über fein Echid: fal, das Schickſal feiner Familie und feines Vater: landes werfen foll, — und dem frohen Hochzeitsjuge, der an ihm voräber wallt; ferner zwiſchen dem Weh— flagen von Geßlers Begleiter neben der Leiche, dem fiummen, frohen Erftaunen ber befreiten Landleute, und dem erhabenen Todtengefange der Moͤnche. Der Effekt, den dies Alles zu machen fähig ift, gehört zu dem Höchften, was ſich durch poetifche Öruppirung leiften läßt. — Der fünfte Akt hingegen aus dem nur ein Paar Erenen dem Ganzen nothwendig find, ift, wie der von Kotzebue's Huffiten, ein, in kuͤnſtleri— ſcher Hinficht, nachtheiliger Zufag, der die Wirfung des Ganzen fehr beeinträchtigt, und den Aufchauer abgefühlt entläßt. Da er aber wirklich fehr große dichterifche Schönheiten befigt, (3. B. die fehauervolle Eituation, in welcher der Kaifermörder erfcheint, und die Befchreibung von dem Wege nach italien, u. a.) befonders aber da die, durch Johanns Erfheinung herbeigeführte Erdrterung, warum feine That Selbſt⸗ rache, ein Verbrechen, — Tell's That hingegen,als abs gedrungene DVertheidigung feiner Familie und Be freiung des gedrädten DVaterlandes, verdienſtlich ift, — da diefe Erörterung fage ich, obgleich nicht dem Süd, doch vielen Aufchauern eine nothwendige Zugabe ift, fo betrachte man diefen Aft als ein Nachfpiel, und — fehe es nit, wenn man die MWirfung des Stüdes ſeibſt ungeſchwaͤcht mit fich hinwegnehmen will,
In Küdficht der Charaktere verdient bemerkt zu werden, dab Schiller feinen einzigen Äber die Na:
*
turwahrheit hinaufgetrieben, innerhalb der Graͤnzen derſelben, aber fie aͤußerſt kraftvoll und ſchoͤn ausge: führt Hat. Es iſt fein einziger unter allen, der zu feinen Handlungen, wie in den Altern Schillerſchen Erlen bloß durch philofophifch: gefühivolle Sentie ments und Anfichten beftimmt wird, fondern jeder wird durch Motive die aus dem Drange des Lebens felbft genommen find, zum Handeln getrieben. Nicht durch Eophismen, dur Thaten und durch Peiden: ſchaften werden bier die Thaten erzeugt,
Am vorzöglichften ift ihm der Charakter des Tell felbft ag Tell iſt ein feuriger Mann in der Blüthe feiner Kraft, der noch immer mehr durch rafches Gefühl als durch langes Nachdenfen beſtimmt wird: aber doch ſchon fo reifen Geiſtes iſt, Die Ge— fahr der Uebereitung zu erfennen und zu vermeiden, So nahm ihn Iffland, fo bielt er ihn im. Eturm der Gefühle: überall zeigte er, den Kampf der prüfens den Vernunft mit dem aufbraufenden Herien, — und durch taufend charafteriflifche Zuͤge bezeichnete er den Aufthauern, mas ihn aufden Weg trieb, den er endlich, wifchen beiden bin, mit Entfchioffenheit betrat. —
teben ihm ließ Herr Mattaufh, als Arnold Melch— thal, in den leidenfchaftlichen Ecenen faft überall fehr ſchoͤn den Juͤngling ſehn, der in wenig Jahren ein foicher Mann feon wird, als Tell jetzt if. Auch Herrn Bethmann, als Ulrich von Rudenz, Herrn Keinhardt als Stauffacher — und der Ausführung vers ſchiedener Eleinerer Rollen, gebührte lebhafter Bei— fall: — im Ganzen aber ſchien die Darjtellung nicht gehörig vorbereitet. Selbſt bei der zweiten Auffüb: rung noch, mußte der Gouffleur oft fo laut werden, daß er in mancher Ecene allen Effekt vernichtete.
Der geliebte Hund Grabſchrift.
Dicben ein Lowe, Galanen ein Lamm, War er ein Liebling von Herr und Madam.
Ebhbefreuden. Fwei Freuden find's, womit die Eh’ das Herz erfüllt: Ein Weib in's Rraut⸗ umd Eterbe: Hemd gehültt. OÖ ſuer Etand, im dem bie legte Stunde, Co ſchwarz fie auch vel quast niederſteigt, Der erſten an Eritzucken gieicht!
Flach und Tief.
Once ſchrieb mir ihrem Hirtenſt abe In den Sand: Mein ganjıs Herz if deim! Jar ſchnitt im die Eiche: „Pig zum Orabe Eon dies treue Herz dein eigen Fan, — Ad da blies der Weſt! O Jammerklage, Ihre Liebe Ara von Flur iu Kur, Mit dem amd, auf welchem fie mir ſchwur — Ad: und meine wachſt mir jedem Tage.
Als kfirus droßte. Senn mich, ob meiner Kritit und Lehre, In feine komtſchen Charaktere Der Puftfoielmader aus Grolle miſcht: — Entiepliche Rache: — Bei meiner Ehre ! Dann werd’ ich wom Publikum ausgeliſcht.
29.
1804.
Nro. 138.
ARSTIDES, Der Treimütbisge
Donnerflag,
Ernf
— ter ——
und
den 12. July,
Sdher,
Sranzöfifche Literatur.
Mes souvenirs de vingt ans de sejour & Ber- lin, ou Frederic le Grand, par D. Thie- bault. En V WVmes,
HD. Merfaffer war von d' Olivet und D’Alembert Friedrich dem Einzigen zum Profeffer an der Ecole militaire empfohlen worden. Er fam im Jahr 1765. nach Berlin und verließ es folglich, wie fih aus dem Titel ſchließen laͤßt, kurz vor oder nach dem Tode des großen Könige, — Arie drich fprah ihn wenig Tage nah feiner Ankunft, und ber verftändige, Fenntnißreiche, aber dabei, wie es ſcheint, ſchlichte Mann hatte das Gluͤck dem er: habnen Menfchenfenner zu gefallen, Friedrich ließ ibn, wenn er in Berlin war, oder wenn Thiebault nach Potsdam Fam, fehr oft zu fich rufen, um fich mit ihm zu unterhalten, oder fi von ihm etwas vorlefen zu laſſen. Thicbault erhielt fich diefe Huld durch fein immer abgemejfenes, ehrfurchtsvolles und zugleich männliches Betragen,
Er war das erftemal, als er vor dem Monar: hen erfchien, nicht Friechend demüthig, (er weigerte fi 5. B. gegen feinen Begleiter, fih dem Gebrauch des Rockkuͤſſens zu unterwerfen,) aber er war auch nach vielen Jahren nicht Fühner und zutraulicher in feinem Betragen, als an dem erfien Tage, Männer der Art machen eigentlich faſt nie eine Garriere, aber fie verlieren eben fo felten eine Fußbreite des Bo:
dens; fie zeichnen ſich nie aus, aber fie büßen auch nie von der Achtung ein, die fie einmal genießen. An diefer ruhigen, feſten Lage verlebte Herr Thie— bau't zwanzig Jahr zu Berlin, fah und erfuhr eine Menge von Sachen, die zum Theil gar nicht, zum Theil fehr entftellt ins Publifum famen; beobachtete den größten Mann des verfloffenen Jahrhunderts in der Mähe, lernte alle Ausgezeichnete, die ihn auf längere oder kuͤrzere Zeit umgaben, kennen; fah den Gang der Geſchaͤfte und — legt in biefem Werke die Sammlung der Merkwuͤrdigkeiten vor, bie er fih aufjeichnete,
„Ohne Zweifel alfo ein fehr wichtiges Werk!“ rufen bier wahrſcheinlich die meiften Leſer aus, aber fie irren fich: es iſt nur ein unterhaltender, Zwar, der erſte Band hat den engern Titel: Frederic le Grand; der greeite: Frederic et sa Fämille; der dritte: Frederic, sa Cour, les Voyageurs et les Ministres etrangers ; der vierte: Frederic et son Gouvernement civil et militaire; der fünfte: Frederic, son Acad&mie, ses écoles et s=s Amis literateurs et Philosophes, — aber Über alle diefe Gegenftände findet man nichts als Anekdoten und wieder Anekdoten, von denen noch dazu manche fehr den Anfchein zu forgles und leichtgläubig angehörter Klärfchereien haben, Diefelbe Nüchternbeit des Gleis ſtes, die den DVerfaffer im Zirkel der Gefchäfte und des Lebens vor großen Feblgriffen ficheree, machte ihn auch unfähig, irgend eine hohe philofephifche Anficht zu nehmen; aus dem was er ſah und erfuhr,
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wichtige Reſultate zu ziehn, oder ſeine Materialien auch nur einigermaaßen ſchoͤn zu verarbeiten. Mein! Der gute alte Mann erzähle mit der unermuͤdeteſten Diedfeligfeit, aber zugleich fo bequem und nadläßig als möglich, alles was er weiß, das beißt, zehnmal mehr als die Leſer zu willen verlangen, (So gar das vergißt er nicht, daß fein fiebenjähriger Sohn, als er einft eine Reife mit ihm nah Frankreich gemacht, auf einer Terraffe zu Berfailles gefallen ift, daß er ihm darauf einige Plaifanterieen gefagt bat, bie er für geiftvol zu halten fcheine, und daß darauf — man benfe! — einige Umftchende gefragt haben: wer er ſey? —) Eein Buch ift daher mohl ein rei: ches Magazin voll Materialien zu wichtigen Schrif⸗—
ten, felbft aber nichts als ein naives Geſchwaͤtz. Ein
alter Dann erjäßlt bier, was er als ein junger hörte: beifer wär’s, hätt’ ein junger Mann gefagt, was ein alter dachte.
Ueber die Richtigkeit oder Unrichtigfeit der er: zählten Facta Fann ich, felbit ein Fremder in Deutſch⸗ -Sand, nicht urtheilen: aber hoffentlich thut es bald der ehrwuͤrdige Senior der Preufifihen Gelehrten, der in fo vielfacher Ruͤckſicht fo hochverdiente Greis, Micolate Ich muß mich begnügen, meinen Lefern gelegentlich einige der Thiebauleichen Anekdoten wie der zu erzählen.
G. M.
Auszug eines Schreibens aus Rom. (Bon einem Kenner.)
Herr Schick ift mit feinem Gemälde, welches den vor dem König Saul fpielenden David vor ſtellt, fertig.
Sch habe mich, da er Parifer Geſchmack mit brachte, in ihm fehr getäufcht, denn feine Malerei übertrifft alle meine Erwartung, und erhält allge: meinen Beifall, befonders von den beiten Stalienk ſchen Künfttern, Ich bemerfe diefes ‚weil die Beur: theilung in Kunftfachen bier meit richtiger umd billiger ift, als irgend fonft, wo man nicht mit an: dern in Mergleihung gefeßt werden kann. &o bald bier in diefem Sitze der Monumente und Kunftwerke aller Gattung, einer Arbeit das Urtheil geſprochen wird, fo kann man fich zuverläßig auf deren Werth und Gehalt, ſowohl für, als wider, verlaffen. Denn bier fann die Mode niemals fo ganz ihren.bespotifhen Scepter fhwingen. Wenn bier bisweilen unwuͤrdige Künftler durch Antriguen und Cabalen ſich auf den Thron des Ruhms erhe: ben, fo ift nit die gefunde, Öffentliche Meinung und Beurtheilung an ihrem Triumpfe, über den gus ten Geſchmack Schuld. ie werden hoͤchſtens von
reichen, reifenden Ultramontanern, beren materieller Sefhmad nichts, als Mode ift, auspofaunt. Die: fes Bild des Herrn Schi ift im Geift der Maler des funfjehnten Jahrhunderts, von gutem Stil, ſchoͤ⸗ nem, fraftvollem Ausdrud, befonders in den Kb: pfen, in der Bekleidung groß, und in dem Colorit vortrefflich. Aus diefen Eigenfchaften ſchließe ich mit Zuverficht, ‚daß fein zweites Werk noch beffer wer: ben wird, Er wird feine Kenntniffe, die unfere Kunſt erfordert, noch mehr erweitern, feine Arbeit wird mehr Gewißheit befommen. Außer Carſtens und Wächter, fenne ich feinen Deutfchen Kuͤnſtler, der fo etwas zu machen im Stande wäre, Im Colorit übertrifft er fie beide weit, und ich glaube, daß er bier nur Einen Mebenbubler in diefer legten Partie bat, den Landi. Eeine Farbe beträgt ſich völlig mie dem großem til, den die höhere, den bublerifchen Reiz nicht duldende Malerei verlangt.
Naͤchſte Woche gehe ih nach Toscana, u, f. w.
Theater » Nachricht aus Wien.
ine elende Beärbeitung eines ſchlechten alten Stuͤckes: Der junge Herr von Merovig, miß⸗ fiel wie billig; Vogel hat in feinem: Bräutigam in der Irre, den nehmlichen Stoff ohne Vergleich beffer behandelt, Blos die Kolle eines geihwäßigen Notar gefiel anfangs, wurde aber in ber Länge widerlich. Beſſer wurde eine Operette: die Scheidewand aufgenommen; die Muſik ift von einem Herrn Fiſcher,
"der Anlagen zeigt, und bei fortgefektem Eifer und
Etudium feiner Kunft, vielleicht einmal etwas Gutes leiten dürfte, nur könnte man ihm rathen, fich lie: ber die Itallener und Deutſchen, als wie er es zu thun ſcheint, die Franzofen zum Muſter zu nehmen. Eine neue Oper Seyfriede: Die Ehmänner nad der Mode, theilte das traurige Schickſal nicht zu gefallen, mit allen ihren frühern Schweſtern. Verge— bens wird diefer Komponift durd feinen Fleiß, Feuer, Kraft, Melodie und Originalicät zu erringen fuchen; feine Wünfchelruthe vermag an einem Orte Gold zu entdeden, mo es die Natur nicht erjeugte, Aber auch der Stoff von dem Dichter ( 72 Seyfried nach einem Franzdfifchen Luftfpiele bearbeitet; daß nehm— lich zwei Männer die wechfelmeife in ihre Weiber verliebt find, von dieſen bintergangen werden, und jeder an dem Beftellungsorte feine Frau findet, — auch diefer Stoff ift ſchon oft mie viel mehr Laune und fomifcher Kraft aufs Theater gebracht worden, — Schlenkerts Bergenappen von Freyburg kamen viel zu fpät, Die ſchlechten Ritterſtuͤce find fehon fo lange und fo fehr aus der Mode gefommen, daß fie felbit eine illuminirte Stadt nicht mehr zu heben vermag.
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Amſterdam, den 23. April 1504. Am Haag iſt aus dem Palais "des Prinzen von Meilburg ein großes Motional: Theater, aber leider! nur auf Privat: Eubfeription, gemacht worden, Es ward mit dem Trauerfpiele Semiramis (durch Herrn Pieter VYypers uͤberſetzt) eingeweiht. Madame Ziesenis (geb. Wattier) fpielt dieſe Rolle nıeie fterhaft. Ich bewunderte diefe große Frau in ihrer ganzen Majeftät, und befonders in der trefflichen Ecene, wo fie mit der erhabenften Würde vom Throne herab ſpricht. Sie wird nach dem Zeugniffe der biefigen Engländer, von der berühmten Miſtriß, Seid dons in Fonden, welcher alles Aeußere fehlt, nie erreicht werben. — |) Etuttgardt, den 26. Juny 1801. Unter trefflicher Schauſpieler Vohs iſt gefährlich krank. Seine Darſtellungen des Regulus, des Nathan, werden uns unvergehlich ſeyn.
Miscellen aus Rußland.
Die Petersburger Akademie der Wiſſenſchaften bat, auf den Vorfchlag ihres wärdigen Präfiventen, des Ge— heimenraths Nomofilzow, der Wittwe des berühms ten Akademikers Euler, die bisher nur eine Penfion von 500 Rubeln genoß, noch 500 Rubel jährlich zugelegt.
Der Hofrat Emwers, der unlängft aus Jakuzk zurücgefommen ift, bat der Petersburger Afademie der Wiſſenſchaſten verfchiedene Seltenheiten aus den dortigen Gegenden mitgebracht, unter andern einige fehr ſchoͤne und feltne Fuchsbaͤlge, mehrere hölzerne Gefäße, die mit Schnigarbeit verziert find und von den akuten blos mit dem Meffer gearbeitet werden u ſ. w.
"Herr Adam, der den Grafen Muſſin-Puſchkin auf feiner Reife durch den Caucaſus begleitet, ift von da zurüdgefommen -und hat fowohl für den Garten der Raiferin Mutter ju Pawlowsk, als auch für den betanischen Garten der Akademie, verſchledene Pflan: jen und Saͤmereien vom Kaufafus uͤberbracht. Bei diefer Gelegenheit ift Herr Adam einftimmig von der Akademie zum Ehren: Mitgliede erwäbhlt worden. Diefer junge Mann, ein Zögling der mosfauifchen Univerfität, verfpricht im Face der Naturgefchichte viel für die Zufunft. Er reifet jeßt nach Konftanti: nopel und von da längs den Hüften Anatotiens über Mingrelien und Immertien, nach Gruſien oder Geors gien, wo er ſich wieder mit dem Grafen Muffins Pufchfin vereinigen wird; Eine furze und vorläufige Deichreibung der neuen Pflanzen und Inſekten, die der Graf auf feiner Reiſe entdeckt bat, wird durch die Afademie befannt gemacht werden,
Kerr Eewergin wird nächftens einen zweiten Theil feiner, im fünften Hefte der Ruff Misch
Len: angezeigten, Reife in die weftliden Pro: vinzen Rußlands heräusgeben, welcher eine Ber fhreibung des Souvernements Nomogrod, Pſkow oder Pleskau, Witebst und Mohilew, die er als Bifitator der Schulen bereifet hat, enthalten wird.
Der vor furzem nah Eharfom als Profeffor der Naturgeſchichte abgegangene D. Willi ift am 20. Februar diefes M bald nach ſeiner Ankunft daſelbſt, geſtorben. Er war von Geburt ein Deutfcher, hatte ſich aber lange in England aufgehalten und war vorzuͤglich durch feine Englifche Ueberfegung von Pal⸗ las Neife in die füdlichen Provinzen Rußlands, befannt,
Das Bad zu Baldohnen in Lurland, ift von dem Afademifer Comwiz und dem D. Vabler unterfucht worden. ie fanden in einem Pfunde Waſſer folgende Beftandtheile:
Harzige Subſtan — — — 75 Iran, Salfaure Bittererde — — 35 — Bitter — — — — * — Sauber) — — — — u — EiſenſaͤͤureU — — — 5 — Kohlenſauren Kalt — — 5 — Selenit — — — 13 — Kieflede — -— — — 5 — Thoͤnerde — — — — 5 —
Kohlenſaures Gas — — 3 Kubikzoll. Hieraus erhellt, daß dieſe Quelle viel Aehnlich— feit mit einigen, wegen ihrer Heilkraͤſte eben nicht fehr berühmten, Mineralquellen des nordlichen Deutſch⸗
lands bat. (Die Fortſetzung folgt.)
Das Bad zu Lauchftede. Im Junius.
8 uchftede liegt in einer zwar fruchtbaren, doch für das Auge des Beobachters nichts weniger, als fch
nen und reigenden Gegend. Cine große Flaͤche von allen &eiten, bietet dem Auge überall nur wogende Kornfelder dar, und nur ungern vermißt man Ab: wechfelung, diefen böchften Reiz ber ländlichen Das tur. Ueberhaupt bat die Matur Lauchjtede etwas fiefmütterlich ausgeftattet, vorzuͤglich, wenn man «8 mit Pyrmont, und andern Bädern vergleicht ; indeh bat die Kunft manches für feine Schoͤnheit ges than. Die Umgebungen der Quelle find ziemlich ars tig. Eine große, breite Kaftanienallee iſt der Sam: melplaß aller Badegäfte, Überhaupt derer, die das bier mächtig ermachende Beduͤrfniß des Epayierens fühlen. Zur Rechten ift ein flehendes ſſer, welches aber ſehr rein und nett gehalten wird, und fo dem Auge einen artigen Anblick gewährt; zur Yin: ren eine ganze Reihe von recht niedlich deforirten Buden mit Galanterie = und andern Waaren, bie man bier zu den unumgänglich nethiwendigen Bes: dürfnigfen rechnet. Auf diefe Reihe von Boutiquen, auf welchen das Auge mit Vergnügen weilt, folgt ein
Pavillon kann die Quelle felbft, hinter welcher, in
einem mäßigen Bwifchenraume, der Tanzfaal it, der fih wirklich gan vorn auszeichnet, und in wel⸗ chem Mittags und Abends fehr gut, doch auch fehr 3 geſpeiſt wird. Zur andern Seite der Quelle ift die ganz vortrefflich eingerichtete Badeanſtalt, .die,
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nach dem Urthelle kompetenter Richter, eine der bes fien Deutſchlands iſt, und ganz am Ende der Allee ift der den Spielern eingeräumte Pavillon, der aber dies Jahr wohl allein den Tabacksrauchern offen ſtehen wird, da das Hazardfpiel bei 100 Thaler, oder Zuchthaus Strafe verboten iſt. Auf der andern Seite, jenfeit des Waſſers, wo das Churfuͤrſtliche Schlo liegt, — bietet der Schloßgarten, zumal, wenn es windig iſt, einen recht angenehmen Spaziergang bar, der aber wenig benußt wird, indem alles ſich in die Allee drängt. Die Anzahl der Badegäfte iſt in dies fein Jahre noch nicht ſehr ſtark, woran aber bie Asitterung, und die Maumburger Meſſe Schuld find, Erſt in der Mitte des Julius wird es recht brillant, Die meiften, die das Dad befuchen, find wohl aus Leipzig. und den umliegenden Sächſiſchen Gegenden, aus Halle, und auch aus Magdeburg, und zuwel— len aus Berlin. Die Theurung ift mit der in ans dern Bädern gar nicht ju vergleichen; nur uͤr eine amilie, deren jeßt, wie Einfender weiß,“achtjig da In. ift es mit vielen Unkoſten verfnüpft, ent: meder zur Wiederherftellung der Geſundhelt das Dad u gebrauchen, oder fih bios zur Verſcheuchung bb: er Grillen bier, mo diefe gar nicht geduldet werden, aufzuhalten. Das Wajler felbft, von welchem viele, aber mit Unrecht glauben, daß es bios zur Taufe aut fen, iſt fehr falpeterreich, und hat einen völlig Dinteäbnlichen Geſchmack. Es wird wenig getrun ten, aber defto häufiger zum Caffee, deifen Wohigelbinad es ſehr bebt, und noch mehr zu Bädern gebraucht. Diefe find ganz vorzüglich zur Heilung ſolcher Perſo— nen tauglich, die mir gichtiſchen Anfällen, Glieder: ſchmerzen, und andern ähnlichen Uebeln behaftet find. Uebrigens ift die Quelle, wie bei allen Badedrtern, für die Einwohner eine Quelle des Segens; denn Yauchftedt an und für fich felbft, iſt ein jämmerliher Sieden, der bios Aderbau treibt, und allein dem Dade einen gerilfen Wohlftand zu verdanfen hat. Die Einwohner fommen mir hier und in allen Bader Ärtern, wie die Tagfliegen ver, die, nad einem Fur: zen Leben, von ungefähr drittehalb Monaten, wieder in ihr Nichts, in eine- todte Leere yerfinfen, Das Theater ift, den 23. Junius mit Wilhelm Tell von Schiller eröffnet worden. So fehr dieles Stuͤck Ak ler Erwartungen gem hatte, fo fehr ſcheint es, dem Urtheile des Einfenders zufolge, bie der mehr: ften getaͤuſcht an haben. — Die Weimarfhe Ge fellfepaft debütirte in diefem Jahre fehr ſchlecht. Das Erüd- wurde fo lau, fo Falt geipielt, daß man wohl fah, die Zuchtruthe des Meijters fehlte, die allein in manche todte, Eunftabgeftorbene Serien Leben zu bringen vermag.. Here Haide, ein Helde in Tha⸗ liene göttlicher Kunſt, fpielie den Tel fo — huper: ſtheniſch, daß er in eine Aſthenie verfiel, — in eben dem Grade die Übrigen. Am Eonntage, den 24 Yunius, gab man die niedliche Operette: Je toller, je beffer, wie in Weimar alle Opern, und Üperets Käme doch mehr Leben und Feuer in Thaliens Jünger, mehr Trieb, auch ohne Am © wünfcht mit allen anmwefenden infender, der vielleicht öfter Mach: richten von feinem Aufenthalt zu Lauchſtedt Du q 9
Anefdbote
— hatte durch ſein Norum Organon ſeinen Ruhm als tiefer Denker und großer Gelehrter ent: ſchieden. Er war Direkteur der Akademie zu Wlüns chen geworden, aber mannigfaltige Kränfungen be wogen ihn, diefen Poſten aufjugeben und nah Ruf: land zu gehn, Er nahm feinen Weg durch Berlin, Hier fabte Sulzer juerft den Gedanken, daß man diefen berühmten Mann nicht müffe weiter geben laſſen. Mehrere Gelehrten ſtimmten ihm bald bet, und es wurde ein Plan verabredet, den König zu bewegen, daß er ihm eine Erelle in der Akademie ebe. D'Argens, Lekatt, Guichard Üübernabmen es. Ariedrich willigte bald ein, aber er verlangte Yams bert vorher zu ſehen. Das war ein Donnerſchlag für feine Freunde, denn das Aeußere und das De: nehmen Lamberts war nicht dazu geeignet, dem Kö: nige zu gefallen. Wan machte Entfhuldigungen ; man. geftand endlih die Wahrheit, doch Friedrich lachte und that den Vorſchlag, Lambert im Dun: feln zu fpreden: man mußte alfo wohl nachgeben und die Vorſtellung geſchah.
Der König redete ihn an. Guten Abend, Lambert. Sagen Sie mir doch, welche Wiſſenſchaft haben Sie vorzuͤglich ſtudirt? — „Alle, Sire.“ — Sie ſind alſo auch ein tiefdenfender Mathematiker? — „Da, Sire.“ — Unter mem haben Sie Mathe— motit ſtudirt? — „Unter meiner eignen Anleitung." — Sie find alſo ein zweiter Pascal? — „Ya, Sire.“ — Hier Eehrte der König ihm den Ruͤcken iu, ging la: end in fein Cabinet, und erzählte, man babe ihn bereden wollen, den es Tölpel, den er jemals gefeben habe, zum Mitgliede feiner Akademie zu ers nennen. Es dauerte lange, ehe man ihm bewies, daß diefer Tölpel ein Wann von großem Genie fey, und ihn beweg, ihm mit einer Penfion anzuftellen,
Indeß man noch daran arbeitete, wollte einer von Lamberts Areunden ibm Muth einfprechen, und verficherte ihn, der König würde ibn gewiß endlich zum Akademicien ernennen. „Darüber bin ich gar nicht beforgt, antwortete er; des Königs eigne Ehre Iren intereifirt. Es wäre ein leden in feiner
efchichte, wenn er mich nicht ernennete, “
Eines Tages fragte man ihn, wie er die leben: den großen Mathematiker ihrem Werthe nad) ſchaͤtze? „Der erfte, fagte er, ift Euler und D’Xlembert, oder D Alembert und Euler, denn beide find fich jo gleich an Werth, dab ich fie nur für eine Perſon anjebe. Der zweite ift jeßt La Orange; ich fage jeßt, benn ich zweifle nicht daran, daß er die erften beiden bald errreichen werde, Der britte bin ih. Die übrigen verdienen gar nicht angeführt zu werden.“
Nimmt man diefe Aeußerungen iufammen, fo fommt man in Verfuchung, Lambert für einen hoch⸗ ug Thor zu halten: aber das war er nicht. Sie find nur naive Aeußerungen feines richtigen Gelbtgefühls, und Beweiſe, daß er nicht eine foge: nannte feine Erjlehung erhalten hatte, Wenn on eine folche gelehrt hätte, feine Meinung zu verfteden, die-Diaste der Demuth vorzulegen: ob er deshalb wohl fhäßbarer gewefen wäre? — Hoͤchſtens — an: genehmer.
1804
Nro. 139.
Der Treimütbige
Freitag,
Ernſt um
ben 13. July,
d SS der,
Literatur
Gallerie hiftorifcher Gemälde aus dem achtzehnten Jahrhundert. Ein Handbuch für jeden Tag bes Jahre. 2 Bde; von Sam. Baur, Prediger zu Göttingen, bei Um, Hof bei Grau, 1804.
D. Nee einer ſolchen hiſtoriſchen Gallerie, hat ſchon der vor kurzem zu Tuͤbingen verſtorbene Pro: feſſor Seybold, vor mehr als zwanzig Jahren mit vielem Beifall auegeführt. eine hiſtoriſchen Ka: lender, wovon, wenn ich nicht irre, zwei bis drei Jahrgänge erfchienen find, waren dem Wefen nach, von dem geaenmwärtigen Werfe nur dadurch verfchie: den, daß darin auf jeden Tag im Jahr, eine an dem: felben erfolgte merkwuͤrdige Begebenheit aus der Ge: fchichte erzaͤhlt wurde, bier hingegen auf jeden Tag, ein Abriß der Pebens: Gefchichte eines an demfelben, entweder gebornen oder geftorbenen berühmten Dans nes, des verfloffenen Jahrhunderts in gedrängter Kürze mitgetheilt wird. Der Gedanke, durch eine ſolche hiſtoriſche Gallerie die biographifchen Kennt: niffe von den merfwärdigften Menſchen des achtiehn: gen Jahrhunderts zu verbreiten, und fie befonders den Yünglingen durch eine gefällige Darftellung ans ziehend zu miachen, iſt in der That fehr gluͤcklich, und verdiente von einem Manne ausgeführt zu wer: den, der fchon durch andere biographifche Schriften fein Talent, hiſtoriſche Gemälde aufjuftellen, bemie: fen hat. Die in diefer Gallerie enthaltenen 365 Les
bens: Beſchreibungen der merkwuͤrdigſten Regenten, Helden, Staatsmaͤnner, Gelehrten, Kuͤnſtler und Abentheurer des achtjehnten Jahrhunderts, fo viel bis jegt davon erſchienen Äft, find mit biftorifcher Treue und Unparteilidfeit entworfen, und gewähren jeder Klaffe von Lefern eine eben fo nüßlihe und beleh— rende, als angenehme Unterhaltung. Freilich ift auch, wie fich nicht anders erwarten läßt, vieles darin dem Kenner der Geſchichte ſchon längft bekannt, allein da der Verfaſſer aus manderlei echten Quellen ge: fehöpft zu haben f&eint, fo kommen doch auch faſt in jeder Biographie einzelne Umftände und Anefdo: ten vor, die zuvor noch ziemlich unbefannt waren. Außer den angenehmen Erinnerungen aber, die auf jeden Fall in dem Gedaͤchtniß des Kenners dadurch geweckt werden, gewährt es auch ein eigenes Der: gnügen, den ganzen Lebensgang mandes Menſchen, der auf dem Schauplatze menfchliger Thätigfeit eine ausgezeichnete Rolle gefpielt bat, mit Einem Blide überfehen zu koͤnnen.
Diefe Hiftorifhe Gallerie fol in vier Bänden geliefert werden, wovon bie zwei frhon gegenwärtig erfchienenen, allerdings die fchnelle Vollendung des Ganzen wuͤnſchenswerth machen. Um meinen Le— fern wenigftens einigen. Begriff von dem Inhalte bes Werfes zu geben, will ich einige kurze Stellen aus den Biographien des Marfchalls von Catinat, der Ninon von lEncles, und des Abbie des Fontal; nes zur Probe mittheilen.
Nicol, von Catinat ward am 1. Febr. 1637. ge:
boren. Diefer Held Frankreichs, in den die Armeen, weil er feine Entwörfe immer mit der aͤußerſten Eorgfalt und Klugheit ausarbeitete, das böchfte Ver: trauen fejte, und den fie nur le pöre de la pensde
zu nennen pflegte, flößte felbft den Feinden, gegen -
die er zu fechten hatte, Ehrfurcht und Bewunderung ein. Beim Ausbruche des Epanifchen Eucceffions: Krieges 1702 war anfänglich der Franzoͤſiſche Hof unſchluͤſſig, welchem General, ob Villeroi, Vendeme oder Catinat? er das Commandd in Stalien gegen den Prinzen Eugen übertragen follte, Als hiervon im Kaiferlichen Cabinette die Mede war, fagte Eur gen: „Kommandirt Dilleroi, fo fihlage ich ibn; commandirt Vendome, fo fihlagen wir uns; wenn aber Catinat an der Epiße ſteht, fo ziehe ich den Kürzern.” — Diefe Prophezeihung ging jedoch nicht in Erfüllung ; Catinat wurde bei Ehiari verwundet, mufte fich zurädzichen, und verlohr das Ober: Come mando. Groß auch im Ungluͤck, ertrug er diefe Des müthigung als Mann, und fuchte feinem Baterlande auch in einer fubalternen Etelle zu nuͤtzen. — Gek ten erfchien er bei Hofe, und als ihn Ludwig XIV, einft fragte: was er für Geſchaͤfte hätte, daß er fich fo felten bei Hofe fehen ließe? gab er zur Antwort: Keine Geſchaͤfte, aber es find da der Leute fo viele, und ich möchte nicht gern einem andern den Platz verſperren. — Mach der Schlacht bei Stoffard, war es feine erfie Sorge, die Verwundeten zu befuchen, und ihnen für ihre geleiteten Dienfte zu banken. Die Regimenter rudten bei feiner Ankunft aus den Belten, und empfingen ihn mit freuden : Gefchrei; bei einem darunter, das am meiften zum Siege beis getragen hatte, flieg er vom Pferde, und umarmte den Dberfien. Die Eolvaten, die eben vor ihrer Linie Kegel fpielten, verließen ihr Epiel; als ihnen aber Catinat fagte, fie follten nur fortfahren, fo ſchlug ihm einer von ihnen vor: er möchte mit von der Partie ſeyn. Gatinat nahm die Einladung an, und fpielte mit ihnen. Ein anmefender General äußerte feine Verwunderung darüber, daß ein Feld: herr mit feinen Soldaten nach einer gewennenen Schlacht, Kegel fpiele. „Nach einer verlornen Schlacht wär" es merfwürdiger, antwortete Catinat.“ — Er ift es, der zuerft das fo oft wiederholte Mort fagte: Man muß ein fehr großer Held feyn, um von feinem Kammerdiener überhaupt für einen angefehen ju merden,
Die berühmte Ninon von l’Enclos war am 15, May 1616 geboren. Ahr Vater war ein fehr ge bildeter Mann, aberdabei der vollendetefte Epifurder, In den letzten Stunden feines Lebens, fagte er zu ihr: das Leben iſt nur ein Augenblick, mein Kind! Ge
nieße es gang, genieße fo viele Freuden, als du fannjt, und ſey nur vorfichtig in ihrer Wahl! — Diefe Worte waren die Kegel für das ganze Leben der ſchoͤnen Ninen: fie wellte durchaus ſich nie ver: heurathen; in ihrem Haufe herrſchte die anftändigite Freude, die zrwanglofefte Heiterkeit; es war ein Auf: enthalt der Liebe, ein Tempel der Muſen, eine rel: ftätte der Freundſchaft. Ste verfammelte um fich ber, die beſte Geſellſchaft: Die feinften Köpfe ihrer . Zeit, und die vornehmften Damen beſtrebten fich um ihre Freundfchaft. In ihrem zwei und zwanzig: ften Jahre verfiel fie in eine tödliche Krankheit; ihre Freunde jammerten, daß fie in der Blüte ihres Al: ters der Welt entriffen werden follte; ah, fagte fie zu ihnen, ich laffe ja nur Eterbende zuruͤck! — Bol: taire ſah fie noch in feinem zehnten Jahre; Ninon bemerkte fon damals den Fünftigen großen Mann in dem Knaben, und hinterließ ibm zu einem Buͤ— cherankauf ein Vermaͤchtnig. Alle ihre Freunde biie: ben ihr treu bis in den Tod, ihre Liebhaber wurden ihre Freunde, und in dem hoͤchſten Alter hatte fie no Anbeter, Sie farb 1706 in ihrem neunzigften Jahre, und wurde allgemein befiagt, Der ewige Frühling iſt geftorben, fagte einer bei der Machricht von ihrem Tode, Dein, fagte ein anderer, der größte Dann und das ſchoͤnſte Weib find in Ninon ge: ſtorben!
Der als Kritiker und Bellettriſt bekannte Abbee Desfontaines wurde am 2. Jun. 1685 geboren. Er hatte ſich durch feine Observations sur les ou- vrages nouveaux, einen furchtbaren Richterſtuhl an: gemaaßt, wo er, unter feinem eigenen Damen, über alte neuen Schriften ein gewöhnlich mit dem bei: fendften Salze gewuͤrztes Urtheil füllte, Der Lite: ratur feiner Zeit leiftete er dadurch allerdings wer ſentliche Dienfte, allein oft haben auch Erbitterung und Leidenfchaft feine Feder geführt, und fein bei: Gender Srott ſchonte auch der berühmteften und mit Net geachtetſten Männer nicht, Als der Abbee Pre: voſt ine lieberfekung von Cicero's Briefen heraus: gab, ſchickte er dem Abbee Desfontaines ein Erem: plar davon zu, und dieſer fchrieb ihm Hierauf: „Ah ſchaͤtze Ihre Arbeit hoch, und werde, mie „ſichs gebührt, einen Auszug daraus machen; einige „kritiſche Anmerkungen darüber werden Sie mir „aber erlauben, Die Algierer muͤſten Hungers fler: „ben, wenn fie mit aller Welt in Frieden lebten.“ — Diefe Worte des Franzöfifhen Kritikers fcheinen nur zu fehr noch heut zu Tage der Grundſatz unje rer literarifhen Richter zu feyn!
d.
Merfwürbige Ueufierungen Kauts von einem feiner Zifhgenoffen, Johann Gottfried Hafie.
Hätte der Verfaſſer nicht oft von feinen Schrif— ten gefprechen, fo würden wahrſcheinlich die meijten Leſer diefer Brochuͤre geglaubt haben, fie rühre von Kants Köchin oder Bedienten ber; eine fo erbärms liche Kleinigkeitskraͤmerei herrſcht darin, und fo ſchlecht ift fie gefchrieben. Man erfährt, wie viel Pillen Kant täglich genommen, in welcher Ordnung er die Kieider aus: und angejegen wie er dieſes oder jenes Wort auegefprochen, mas für Meublen er gehabt habe u. dgl. mehr, Merkwuͤrdig habe ich in dem Buche nichts gefunden, als daß der große Denker, auch ehe ihn das Alter Findifch gemacht hatte, fo wenig efel in der Wahl feiner Tifhgenoffen war, daß er einen fo unerträglich flachen Muͤckenſeiger, als der Verfaſſer feii.t, unter diefelben aufnahm. — In einer Art von Vorerinnerung ſagt er: er wolle durch dieſe Brochäre nur feinem „Danferfülltem Herze Luft machen.” Es wäre dankbarer gewefen, wenn er dem großen Kant nicht feine Tiſchgenoſſenſchaft nachgeſagt hätte, R. L.
Miscellen aus Rußland. Fortſehung.)
Der Kaufmann Haidufom zu Wäsma, im Emolenstiiden Gouvernement, bat fig anheiſchig gemacht, ein Krankenhaus für Arme zu errichten, wozu er die Summe von 8000 Kubeln beflimmt bat. Kür diefes menſchenfreundliche Erbieten hat ihm ber Kaifer eine goldne Medaille Überfchidt, die er am Bande des MWladimirerdens um den Hals tragen darf. Auch hat ihm der Miniſter des Innern, Graf Kotſchubey, bei diefer Gelegenheit in einem befondern Briefe das MWohlgefallen des Kaifers mit feinem Vorhaben bezeugt. '
Der Werth aller, theils einheimifchen, theils fremden Waaren, die vom 1. Jenner bis zum 1. December des vergangenen Jahres, aus den Viagas zinen von Kjächta, an die. Chinefen verfauicht worden find, beträgt 1,762,93ı Rubel, worunter fi) ‚ für 1,137,068 Rubel ausländifhe Waaren, größten: theils Tuch, befanden.
Die Einfuhr in Orenburg, wohin die Karava— nen der Bucharen, Chiweſen, (Bewohner von Chi: wa) Kirgisfaifaten, und andrer Aſiatiſchen Dölfer des Handels wegen fommen, hat im verflojjenen Sabre 1,756,682 Rubel betragen, die Ausfuhr hingegen 1,817,598 Rubel, Die wichtigſten Einfuhrartikel find; rohe und gefponnene Baumwolle, baummollene
Zeuge, Bucharifche Kattune, Pelzwerk, befonders Buchariſche und Kirgififhe Lämmerfälle, Ahabarbar, Pferde, Ochſen, Schaafe, Ziegen. Die Ausfuhrar: tifel, worunter die meiften Tranfitionwaren find, beftehen in Gemwürznelfen, Naͤhenadein, anfing, Glasperlen, Korallen, Kochenille, vergoldetem und verfülbertem Bleche, Biber: und Geeotterfellen, Epie: gelglas, Zuder, Tuch, Grüße verfchiedener Art, Juchten, feidene Tücher, Atlas und Halbpluͤſchen.
Was Peter der Große in Rüdficht der Haupt: ſtaͤdte that, daß er nehmlich fremde Handwerker und Kuͤnſtler dur Beguͤnſtigungen und Vortheile dahin lodte, das that Catharina die Große in Anfe hung der Gouvernements: und Kreisftädte. Allein noch immer gab es mehrere Erädte im Innern bes Reichs, denen es an den nothwendigſten Handwer— fern faft gänzlich fehlte, Der Ruſſiſche Adel in den Provinzen hat bekanntlich unter feinen Yeibeigenen viele Handwerker, doch arbeiteu diefe felten für An⸗ dere, Bei der Einrichtung der Univerfität in Chars kow zeigte fich denn auch ein großer Mangel an den, für das menfchliche Leben fat unentbehrlichen, Ge werben, und deswegen traf die Kegierung Veran: flaitungen, ausländifche Handwerker dahin zu ſchicken. Bis jetzt find dahin abgegangen, ein Buchbinder, ein Glasfchleifer, zwei Tifchler, ein Schloͤſſer, ein Kupferfchmide, ein Klempner, ein Zinngießer, ein Biechichläger, ein Meſſerſchmidt, ein Töpfer, ein Strumpfiwürker, ein Keinweber, zwei Stellmacher, ein Dergolder, zwei Huthmacher, zwei Saͤgeſchmiede, zwei Sattler, ein Echneider, ein Lobgerber, ein Weißgerber, ein Tapezierer, zwei Schuhmacher und ein Beder. Diefe Leute, wovon die meiften Deut: fe find, erhalten einen jaͤhrlichen Gehalt, wofür fie einige Lehrlinge unterrichten müffen. Uebrigens iſt der Örtrag ihrer Arbeit einzig und allein für fie. Auch haben fie Keifegeld bis an den Ort ihrer Ber flimmung erhalten. Merkwuͤrdig ift dabei der Um: ftand, daß dergleichen Leute jeßt nicht mehr aus dem Auslande verfehrieben werden dürfen, fondern daß ſchon die Hauprfiädte fo überflüffig damit verfehen find, daß fie die Provinzialjiädte damit verforgen fönnen, denn die erwähnten Handwerker find groß: tentheils ans Petersburg dahin geichidt worden, Gewiß iſt die Gattung von Auffiärung, welche durch diefe Ausländer im Innern von Rußland vers breitet werden kann, für’d erfte nicht minder wohl thätig, als die, welche die dahin berufenen auslän: diſchen Profefforen zu verbreiten beſtimmt find, und deswegen wäre es zu wünfchen, daß mehrere Provins ziallädte mit dergleichen Meiftern der nothigſten und populärften Künfte verforgt würden,
Einige®&tellenausbem merfwärbdigen Ukas an den Generalgouverneur von Sibi— rien, den Geheimenrath Gelifontew: „Der Gelft des Haders und der Verlaͤumdung
hat fih in Sibirien fo verbreitet, daß mehrere Epi:
livte unter ſich gleichfam ein Bündniß errichter ha: ben, um Denunciatlonen zu machen, wodurch nur die Beamten in Verlegenheit gefeßt, und die gericht: lichen Unterſuchungen endlos werden, ohne daß da durch etwas erdrtert wird, Diefes Uebel muß durch die firengfle Anwendung der Geſetze, die gegen leere
Denunciationen gerichtet find, ausgerottet werden.”
„Es iſt befannt, daß die sinsbaren Völkerfchaf: ten Eibiriens, durch ihre Meigung zum Trunke oft in Armuth und Elend gerathen. Zur Abmwendung diefes Uebels beftcht das Verbot, ihnen geiftige Ge: tränfe zuzuführen. Sollte diefe Verordnung durch bie Zeit, oder aus andern Urfachen ihre Kraft ver: toren haben, fo müjfen Eie diefelbe wieder in gebb rige Kraft und Wirfung feßen. *
„Dur mehere Ufafen und Verordnungen iſt befohlen worden, diefe Voͤlkerſchaften bei ihren ur fprünglichen Rechten und Gebraͤuchen zu laffen, nach welchen fie unbedeutende Lachen und Prozeffe felbft unter fih abmachen, ohne vor Gericht gezogen, und durch die gerichtichen Formen lange aufgehalten zu erden, &o lange darüber feine andre beflimmte Verordnung erfolgt, müffen Sie wiederholt befehlen, daß fih durchaus niemand in bergleihen Sachen mifcht, Doc find davon Kriminalſachen und andre ſehr wichtige Fälle ausgenommen, wo nad) den all gemeinen Keichsgefegen verfahren werden muß.“
„Außer diefen vorläufigen Verbefferungen ſteht Ihnen (dem Generalgouverneur) noch ein großes Werk bevor, welches ihrer ganzen Aufmerffamfeit werth und der größte Dienft iſt, den ein patriorifche gefinnter Staatsbuͤrger feinem Vaterlande leiften kann, nehmlich die Gründung der Ruhe und Mopk: fahrt Eibiriens auf eine feite und unerſchuͤtterliche Grundlage, Sibiriens, das durch feinen Einfluß auf das Wohl und die Macht des ganzen Reichs fo ausge: zeichnet iſt. Da indejfen die neue Organifation Ei: biriens in mehrere Theile zerfällt, fo werden fie die Pläne dazu nach und nach, fo wie fie beendige find, jur Ausführung erhalten.” u. f. w.
Miscellen aus Frauzbſiſchen Blättern,
Die fechste Nr. der Archives litteraires ertheilt unter andern eine fehr interefjante Nachricht über einige noch nicht benußte Manuſtripte ‚von Montes⸗
quleu. Sie beſtehen aus kleinen Auffäßen und Ab⸗ bandlungen, die anfangs für den Esprit des loix beftimmt waren, aber nicht eingeruͤckt werden konn— ten; einem kleinen philoſophiſchen Xeman: Le Metempsicosiste und, aus drei diden Quart: Baͤn⸗ den, mit dem Titel Mes pensees. Diefe legtern vorzügtich, enthalten fehr viel treffliche Faden, un: ter andern ein langes Fragment Über Ludwig den Eilften, das man als das vorzäglicfte ruͤhmt, was Montee quieu geichrieben hat. In Nuͤchſicht der Ge banfen wird angemerkt: die unbedeutendften Werke bie Montesguieu las, pflegten bei ihm bie trefflich: fen Gedanken zu veranlaffen ;— eine Erfiheinung, — die ſich pſychologiſch leicht erklärt,
Unerfchütterliche Gewiffenhaftigfeit,
Bur Zeit der Fronde näherte ſich ein Haufen Eoldaten einem Monnenkloſter zu Patay. Die Non: nen bereiteten fi zur Flucht, nur eine, die Schweſter Urſula, wollte durchaus das Kloſter nicht verlaßen. „Aber man wird Sie berauben, Ihnen Gewalt thun — „Wie Gott will, antwortete fie mit gefaltnen Händen, ich habenicht das Gelübde gethan, mir feire Gewalt anthun zu laffen, wohl aber, nicht aus dem Klofter zu gehn.“ und fie blieb und duldete die Schickungen
Gottes, doch, ohne dafuͤr hellig geſprochen zu werden, —
Diefe ehrwuͤrdige Urfula war übrigens eine Groß: Tante von Voltaire, und er foll fie in feiner Pucelle d’Orlcans porträtirt haben,
Das wehbevolle Herj.
Ein Scottifches Volkslied,
Grwänn ein Prbender mein Her, Sreund, jo gewännft eg du; Allein im duntein Grabe fand's Buf ewig deine Nuß, Tief ruht mein wehvotl Her; bei ihm, Drei Her fe mich nur jchlug. Und welch ein Herz was ich verlor! — Kein Leid erzählt genug,
Gott rufe mid, die Flehende, Noch heute anadig ab! Obanz werthlos If mein Leben ja; Denn Wilhelm ruht im Grab. O ſchaut: — Da ſchwett fein teurer Geif, Und zeigt mir meine Tab! Sein Auge fraat: „Roc immer Her?" Und blickt mic mwundernd an,
» Ic temm', ich Pomme, trauter Wilm! „Und o wie ſreudig: Gich! „Ich folge bir, wohin du wink; „Zum Bören winkt du nie." — J Sit ſorads. Den irommen Blick umhüllt Des Todes Duntfciheit. Stiu ſteht ihr mwebevoltes Hera Datin in all ihr Leid,
98.
1804.
Nro. 140.
ARISTIDES.
‚Der greimütbige
Eonnabend,
Erınf
und
den 14. July,
Sſcherz.
Mu fi
a) Duvertäre und Gefänge aus der Oper: Der Portugiefiihe Gajthof, von Cherus bini. Clavier: Auszug,
ie Duvertüre hat den einzigen Fehler, daß fie zu lang ift, und fich zu oft in einzelnen Eäßen wieder: hole. Sie nimmt beinah die Hälfte des ganzen Hef— tes ein. Den Anfang macht ein fugirtes Larghetto, worauf ein Allegro folgt, das ununterbrochen bis zu Ende der Duvertäre fortdauert, Die Geſaͤnge find, wie die meiften Operngefänge, — gereimte und in Muſik geiekte Profa. Cherubini's genialifhe Dar: ftellung ift befannt. Doch bat er gewiſſe Lieblings» Ideen, die er gern wicderbringt. Die ſchoͤnſte unter den bier mitgetheilten Arien ift: „Nach dir nur geht
mein Sehnen.” Sie würde gewonnen haben, wenn
der Gefang in einzelnen Etellen mehr gejogen
märe.
b) Clara, Hexzogin von Britanien, Oper von Breßner, mit Diufit ven Bierey.
Eine der vorzüglicheren Opern, die, einige Epis foden abgerechnet, ganz den Charakter Deutſcher Muſik trägt; das heißt, fie vereinigt Lieblichkeit mit ernftem Ausdruck, Zartheit mit Gravitaͤt, die aber leicht, wie bier einigemal gefchehen ift, in Echwers fälligfeit ausartet. "Warum mitten in das Allegro fpirituofo der Ouvertüre ohne vorhergegangenen Ruhe: punft oder andere Vorbereitung, — 14 Takte Andante
eingewebt find, ift nicht einzufehen. Der rafche Fluß der Mufif wird auf einmal unterbrochen, man weiß und fühlt nicht, warum? Solche Heine Inkonſequen— zen laßt ſich der fonft treffliche Componiſt mehrmals zu Edulden fommen, die aber bier unmöglich ans geführt werden fünnen, eben weil «8 Kleinigkeiten find. Zuweilen ift auch der Tert nicht richtig beban: deit. (Freilich iſt es eine eigene Aufgabe, unfere gewöhnlichen Opernterte gut zu behandeln, die felbft ein Muſter der Schlechtigkeit find.) So arcentuirt er flatt: zärtlich im Adagio — zärtlich im Adagio; und ©. 49., mo ein ganzes Kegifter von Frauen: Charakteren angeführt wird, die Muntern, die Eprb: den, die Blonden, Brünerten u. ſ. w. — fließt durch die Schuld des Componiſten, der nicht gehörige Bioifchenpaufen machte, alles ineinander, fo daß der Zuhörer nun von — blonden Brünetten, und fanf: ten Sproͤden hört. Das Chor im erften Alt: Seyd gegrüßt in Florens Hainen, üft vorzüglich ſchoͤn, und auch von Eeiten des Textes erträglich.
Sachen von Mozart. (Meuherausgelommen bei Breitkopf und Haͤrtel.)
c) Mr. 1. Arie. Mia speranza adorata ete.
Mozart hat außer feinen Meifterwerken auch viele Kleinigkeiten gefchrieben, aber beinab nie eine ſchlechte. Die Erfcheinung ift nicht fo gewöhnlich, Die Genialität der größten Köpfe bleibt ſich nicht immer gleich; bei diefem Meiſter der Tonfunft ift fie es faft immer geblieben. Er mar nicht blos merk:
wuͤrdlg in der muſikaliſchen Literatur, er war einzig. Der Genius rubte auf ihm, Die Mannigfaltigfeit feiner genialifhen Kraft war unendlich, — Kleinere Produkte, wie dag vorliegende, muß man nur als ſolche betrachten, die er ohne kuͤnſtleriſche Anflren: gung in Etunden der Erholung ſchrieb. Doc tragen fie alle das Gepräge des Öenics,
d) Nr. 2. Hymne Preis dir Gottheit ıc (mit dem Xateinifchen Driginaltert: splendente te deus) für 4 Gingftimmen, mit Begleitung des Orcheſters.
Eine Hymne voll Kraft und Erhabenheit, und immer ſich gleich bleibenden heiligen Enthufiacmus, Sie beginnt mit einem Unifonns aller Inſtrumente, in welchen nad) einigen Taften fogleich die ing: ffimmen einfallen, — und gebt in demfelben Tempo bis zu Ende fort, Die eingefireuten Eolefäße find vortrefflih, und die legten Worte: „Erfchallet, ihr Lie der, von Pol zu Pol,“ die vom ganzen Chor gefun: gen werden, lajfen einen tiefen Cindrud im Gemüthe zuruͤck. Die ganze Hymne iſt im ernften feierlichen Kirchenfit gefchrieben, und der Charakter derfeiben fpielt nie ins Opernhafte hinüber, woran fo manche neuere Compenijien in diefem Kuche fiheitern. — Der Tert zu diefer Hymne if eigentlich Lateiniſch, aber auch der untergelegte Deutſche ift gut, Nur in der Gtelle: discussa tristis est nox, bie M. vortrefflih ausgedrüdt hat, und wo im Deuts: {hen die Worte: durch alle Himmel tönt dein Ruhm — untergelegt find, macht die Muſik mit dem Deutfchen Tert einen — Mieverftand,
e) Mr. 3. Motette, für 4 Singſtimmen, mit Begleitung des Orcheſters.
Eie ift nicht fo vorzüglich, wie Die eben ange: zeigte Hymne, aber doch voll Ausdrud und Kraft, Der Anfang in d moll: „Ob furdtbar tobend fich Stuͤrme erheben, “ iſt befonders erhaben.
f) Sefänge fürdie Öuitarre. Bon X. Harder,
Manche Lieder verherrlicht die Compofition, und wir fingen fie gern, wenn wir fie auch nicht gern leſen. Hier ift beides gut, Tert und Mufif, und einiges iſt verzuͤglich, wie unter andern das letzte Lied, die Epinnerin, das ganz die liebliche Schalk⸗ baftigfeit ausdräcdt mit der der Dichter das Maͤd— den, als ein unbefannter Juͤngling fie kuͤßte, fagen läßt:
Sagt Schweſtern, ſaget felter an, Wars mozlich, dal ich weiter pann?
Weniger gelungen iſt die Compoſition der Bal— lade: ErlEönig von Goͤthe. Dies Gedicht iR an fi ſelbſt fo mufifalifh, daß der Compeniſt die ſchoͤ— nen Laute nur jart haſchen und nachbilden muß,
um die Mufif der Eprache nicht zu zerſtoͤren. Die hier mitgerheilte Compeſition entſpricht nicht ganz diefer Forderung, So wird die zweite Strophe ganz nach der erjlen gefungen, und in der zweiten [price doch der Nater mit dem Sohn, während in der ers fien der Dichter blos erzählt. Dieß iſt ein Uebel⸗ fand, der dadurch noch miehr berausgehoben wird, daß der Erlkoͤnig (und mit Recht) immer in einem von der erjählenden Strophe ganz verfchiedenem Tempo fpricht, Einzelne Stellen find recht gut aus—
“ gedrödt, unter andern, wo das Kind zu dem Vater
aufichreit: ach Vater, ach Vater, jeht faßt er mich an, Erifönig bat mir ein Yeid’s geiban: ıc. Den Tert zu den übrigen Liedern gaben Schiller, Hoͤlty ıc, g) Monatsfrüdte für Klavier und Gefang Sechs Hefte Auf dem Titelfupfer des erften Heſts befränzt eine weibliche Geſtalt den Apoll, oder einen Eohn des Apolls, während dieſer die Eaiten feiner Leier berührt. Eoll dies den Kranz des Beifalls bedeuten, fo verdienen ihn in der That die Eänger diefer Eammlung auch von dilen ſchoͤnen Seelen und Sreunden des Geſanges, denen diefe Monatefrächte gewidmet find, Reichardt hat einige treffliche Lieder dazu gegeben. Himmels lieblihe Mufe — wer fennt fie nicht ? Einige Lieder von Hurka find Aufßerft zart und gefällig, — und mehrere Clavierſtuͤcke von Guͤr⸗
" Üh und W. Wach verdienen von allen Mufikliebs
babern, die nicht an ſchwerere Speiſen gewöhnt find, gekannt zu ſeyn. Auch der Tert ift, zwar nicht immer, aber doch Im Ganzen — gut gewählt und intereffant. Die Eerlenwanderung der Blumen von R. Werk: meifter, iſt recht artig erfunden — aber der Kuß von ebendemfelben (erftes Heft &. 20.) ift wenig ftens nicht poetiſch. Mer lieſ't ſolche Verſe gern:
Was nieht Piefentrant dem Schwachen,
Was fan Dichteratat Anrachen?
Ad, ein Kur! adı ein KAujt
Die Sammlung wird fortgefeßt, Möchten fie alle Mufitfreunde unterflägen.
h) Fantaisie et Fugue pour le F. F. par J. L. Dussek.
Man bat Variationen von Beethoven, die — genialifh genug, aber fo genialifch ſchwer find, daß man fie beinahe nur im Kopfe fpielen fann. Dies lektere ift num hier nicht der Kall, doch mill beides Phantaſie und Fuge, recht einftudirt feyn, um «6 gehörig vorzutragen. Dies zur Machriche für die, welche eine Elegie fuchen, und einen Dithyramben fine den. Daß der Dirborambe Übrigens ſchoͤn fei, läßt fih von einem Duſſek fon ermarten,
(Die Fortſehung folgt.)
Fragmente aus meinem Journal, auf einer Meife von Frankfurt nach Würzburg 1804.
&; war ein berrliher Morgen am 15. May, als wir von Frankfurt abreif'ten, Die Gegend, fo frucht: bar und angenehm, die Vlillionen Sonnen, welche uns aus den Thautröpfchen auf dem Getraide und den Aepfelbluͤthen anftralten, machten es auch hell in unfern Gemuͤthern. Wir bemunderten die ſchoͤ— nen neuen Objlanlagen bei Frankfurt und Hanau, welche ohne Prämien und andere kuͤnſtliche Treibs mittel entfiehn, weil die induftrieufen Bewohner von ihrem reelien Nuhen überzeugt find. Alles ging gut, bis nah Hanau! — Da machten uns de wahrlich die Leute aus den Fenftern fo tuͤckiſche, finftere Ge— fichter, als wenn fie alle noch nicht ausgefchlafen hätten. Haͤtte nicht WB... s Tochter uns noch einen freundlichen Gruß zugenidt, ich waͤre auf die Ders muthuny gerathen, daß fein Hanauer freundlich fegn, daß feiner lachen fonne, Doch ich will nicht zu vor: eilig urıheilen! — Nur drei viertel Stunden ließ ung der Here Poftmeifter Herla Zeit, die Straßen zu durchwandeln, da hatten wir ſchon, troß alles rotes fiirens, vor unferer leichten Neifechaife vier Pferde; wir waren mit zweien gekemmen. — Dieſer ver: armte Deder wird ſchwerlich als Poſtmeiſter verar— men, wenn er alle Pajfagiere fo behandelt wie ung, Die zwei Fleinen Meilen Wegs bis nah dem Dorſe Bernbach, reihnete er für 14 Etationen, und ließ "ung, meit über die Pofttare, 10 fl. 36 fr. (etwa ſechs Thaler fühl.) dafür bezahlen. — Schwerlich weiß der firenggerechte Churfürft von Heſſen, mas diefer Herr Herla für ein Dogel if, font würde ihm, über den ſchon viele Keifende geflagt haben, das Handmwerf gelegt werden. B
Wir reiftten nun durch die Graffhaft Hanau, auf ein hehes mwaltiges Gebirg zu, welches zwiſchen denn Mogelsberg und dem Epejfart liegt; man nennt es den Birkenhahyner Wald, (Nota bene nur bis an den Fuß deffelben brachten uns Herla’s theuer bezahlten Pferde), — Ein fehlechter Weg führt über daffelbe hin, und doch begegneten uns viele Fracht: mwägen, welche aus Franfen famen. ‘Der Meg hier durch, aus Mürnberg nah Hanau und Frankfurt (ven den Fuhrleuten, die ſtark hier durch von Nürn: berg nach Frankfurt fahren, die Birkenhayner Etraße genannt) iſt weit kürzer als über den Speſſart ; und der Thurfürft, durch deffen Übrige Provinzen fchon vortreffiihe Straßen gehn, wird auch, wie man fagt, bier eine Chauffee anlegen, und dadurch für das Beſte der Anwohner forgen, den Waarentranfport in fein Yand ziehen und aufs neue feinen ſchon längft
begründeten Ruhm als einfichtsvoller, vortrefflicher Staatsbkonom, bemähren,
Wir gingen über die hoͤchſten Punkte des Bir fenbauner Waldgebirges zu Fuß. Links zeigt fich praͤchtig dus alte Gelnhauſen, welches jetzt auch anfgebört hat, eine Reichsſtadt zu ſeyn. Ein Halbe jirkel von Bergen umgiebt fie und die alte zerfallene Durg, welche eink Friedrich Barbaroffa oft beher— berate, und welche ein merfmürdiges, viel zu wenig bekanntes Denfmal Alt: Deutfcher Art und Kunft ift, Dies iſt aber auch die einzige Burg, welche man in der ganzen Gegend erblidt! Ein Beweis, daß bie rauhe Gegend im Mittelalter kaum noch bewohnt, und ſelbſt den Fultivirenden Benedictinern, und den frattlichen Felſenbewohnern, die vom Etegreif lebten, ju raub waren, —
Die Kahler:- Hütte
Außer Wald und Wild glaubt man faft nicht, daß in diefen Gebirgen etwas erifliren könne, und doch fie ich bier in einem niedlichen, wohl eingerich- teten Haufe, und bringe bier angenehme und Iehr: reiche Tage zu. — In bdiefem NBiefenthälchen, am Fuße des Speſſart, auf gräflid Schoͤnburgiſchem Gebiete, bat der brave und thärige B... feit jehn Jahren eine Glashütte etablirt, melde jegt ſchon eine der vorzüglichften in Deutfchland ift. —
Vorder war's bier wuͤſte und leer; B... fom und ſchuf ein kleines Dertchen, Eultivirte die nächiten Umgebungen zu Aeckern, Wiefen, Gemüfe: und Dbftgärten, und flößte den Menfchen, welche er hier verfammelte, (aus ranfreih, Böhmen, Eachfen, Schwaben ꝛc.) einen Geiſt der Ordnung, Thätigfeit und Froͤhlichkeit ein, welcher das Ganze belebt. Die meiften Slaswaaren, (nur nicht Epiegel, Lüfres und Gtasflüffe,) werden hier vorzüglich gut verfer: tigt. Dan findet Mühlenwerke, eine Gtasfchleiferet und eine Ölaefchneiderei, eine Schweizerei und an: dere treffliche öfenomifdhe Anftalten, ein nmiedliches Wirthshaus ıc, hier, im dieſem verlaffenen Winkel— chen. — Und mie munderte id mich Über die Ber mohner der armen und rauhen Gegend, Ach hatte mir milde, rohe Halbmenfhen gedacht, und fand fehr manierliche Leute, — Wie Übel find doch die armen Geographen daran! In ihren Büchern florict noch immer die Glashütte bei Lohr (im Mainzifchen, jetzt Erzkanzleriſchen) welche dep gar nicht mehr eriftirt; und von meiner jegigen Reſidenz wiffen Sie nichts! — Natuͤrlich ärgert mich das!
Ein Gedanke befhäftige mich irkt flark: mel: her Unterfchied wird das feyn, wenn ich ven B., von dieſem vaftlos = thätigen Manne, diefem argen
— 4a —
Empirifer weg, grade nah DB... komme, wo das Licht der neueſten Philoſophie glänzt, welche aller Em:
pirie fpinnefeind if! — Der Contraft muß groß ſeyn! —
Ach gehe mit großen Erwartungen nah März: burg, und hoffentlich werde ich mich nicht betruͤgen; aber es ift doch mirflich febr die Frage, ob den Fran: fiihen Provinzen ein Dußend ſolcher Empirifer, oder ein Dutzend Syſtemphiloſophen zuträglicher wäre, Tiefe zanken fih nur, und das folgende Aahrhun: dert lache Über fie und ihre Zeitgenoffen; jene fchaf: fen Leben, IThärigfeit und Wohlſtand, und dadurch Kultur und Sittlichkeit, meiche fo und nicht durch E pfieme gedeiht. — DB... ift mir ein fehr ehrwuͤr— diger Mann! Er hat zwei Ölashätten, eine Cifens huͤtte und eine Handlung, faft alles ſelbſt gefchaffen ; giebt dadurch einigen hundert Menſchen Brod, und bat ſchon manchen Unglüdtichen dem Elende entrif: fen, Denfe Dir diefen Mann, etwa Hrn. Profef: for Ed. — — gegenüber: mit welcher Erhabenbeit wuͤrde diefer auf jenen hberabbliden! ©... bat nur fehr ausgebreiteten Nutzen geftiftet, und der große ed. — — hat — das Identitaͤts Syſtem geheckt. —
Derfenne mich nicht, ich ehre hoch eine gefunde Philoſophie, und das den lieben Alten fo theure Philosophari: — aber mich edelt vor der jetzigen Envftemfucht, vor dem pedantifhen Sophiſtiſiren, das aber nicht begriffen wird, und vor dem Servum Pecus, meiches fo andächtig hinter den Echreiern drein trabt! — Bald mehr von Deinem €,
(Die Hortfehung folgt.)
Theater-Nachricht. Breslau, den 8. July 1804.
Her und Madame Kofe, aus Wien, ein wuͤrdi— ges Künftierpaar, haben uns in der vorigen Woche mit den erften Gaftrollen erfreut, Mad. Rofe trat, als Dftavia zum erften, zum zweiten Mal als Fady Athol in Eduard von Schottland ‚auf, und erhielt raufchenden Beifall, und verdiente Beifall. ie fpiette frei, herzlich und wahr, und zeigte in den Haupts momenten eine ſchoͤnwuͤrkende Kraft. Ihr bolder Anftend, ihr reizendes Maturell und die Nichtver— läugnung deſſelben durch allzu hervorſtechende Kuͤnſte⸗ lei, — ein Fehler, den man fo häufig finde, — ihre reine Deflamation, das füße Moll ihrer Stimme, die Überrafchend wahre Mohulation ihres Organs entzüdten, Vorzüglich hat fie mir als Lady Athol gefallen, vielleicht, weil wir fo gut gefpielt hier diefe Holle noch nicht gefeben, und als Oftavia ſchon eine brave Echaufpielerin harten. — Kerr Roſe gab im Mann von Wort den Maring. — Leicht, frei, feft
in der Haltung biefes Charafters, verdient auch er dos laute Lob, das man ihm gar oft ertheilte. Es ift wahr, diefer Kuͤnſtler Hat feine Kunft zu Natur veredelt und zeigt gebildete Kraft, aber — fchade iſts, daß folch raufhender Beifall die — gewiß auch wiirdi« gen — Bemühungen anderer Künfiler in chatten ftellt. Gerade bei folchen Anlaͤſſen follte das Publi— fum Gerechtigkeit zeigen, wenn es Anpruh auf Kumanität und Geſchmack machen, wenn e8 dankbar fein will. Auch neben den fremden Künfilern ge bührte den Cinheimiſchen Fob: unferm Schwarz, Veltheim, Scholz, Julius, unſerer Gepl: haar und Malchen Schaffner, und zwar un fo mehr, da ſie — trotz des Schattens, den man auf fie warf, — mit Fleiß und Wuͤrde und Brapvheit, follegialifch beitrugen, das Licht noch fhöner zu flel- len, das auf bie Gäfte leuchtete. — Noch in ſechs Saftrollen werden wir die willfemmnen Fremden ſehen, und dann ein Mehreres und ausführlicher, — ”
Anekdote.
Fladrich der Einzige fand vorzüglich viel Vergnuͤ⸗ gen daran, Über die Unſterblichkeit der Seele zu ſprechen. Diefer Gegenſtand war einer von denen, auf die er gern die Rede brachte, wenn er etwa ei— nen Gelehrten, der ihm vorgejtellt wurde, prüfen mollte. Es war indeß gefährlich, hierüber andrer Meinung zu ſeyn, als er, und fie weitiäuftig zu uns terftügen. Er verlor bald die Geduld, und wußte dann feine Gegner kurz und gut durch einen Über: rafchenden, nicht immer verbindlichen Einfall nieder: zufchlagen. Einft führte ihm ein Afademicien eine large Reihe von Gruͤnden für die Fortdauer der Seele an, aber — „Mie, rief Friedrid, Cie wol— len unfterblih feyn? Was haben ie denn gethan, das ju verdienen ?* —
Mollyp. „Slieht Amorn! Er betrügt er quält ehrt Moin, — Gut und jcdhemt Nur darf, wer diefe behre wähle, Die Lehrerin nicht ſehn.
An Moliy
In der Poetik wild dir Unterricht? Gefalten it die Kun, die alle Kunfe meiſtert! DO! Wer zu Verſen fo, wie du, begeiſtert, Bedarı der Babe, fie zu machen, nicht. An Nigra aus einer Heiligen wird miensals bein gedacht;
Doch Inf Du deinen Dann zum Martyrer gemacht. 5.
1804.
Nro. 141
Der Sreimütbige
Montag,
Ernſt un
den 16, July,
ı S der
Literatur der Kunſt. Gallerie Alt» Deutfcher Trachten. Heft eind und zwei, im Leipziger Induſtrie-Comptoir; beide Hefte mit 24 illuminirten Kupfern. (Hierbei ein illuminirtes Kupfer. )
eben den vielen Bemühungen der Antiquare, feit länger als Einem Jahrhundert, die Trachtender Grie: hen und Römer uns durh Sammlung aller darauf ſich bezlehenden Nachrichten und Abbildungen zu ver: gegenmärtigen, ift in neuerer Zeit durch diefe Galle— rie ein Anfang gemacht worden, den Liebhaber der Deutfchen Vorzeit anfhaulih mit dem Leben und eben derer befannt zu machen, die vor uns auf diefem Boden mwandelten, und an die wir noch durch fo viele Bande geknüpft find. Das Publifum, das jüngft wieder fo vielen Antheil an der Nitterzeit und der ältern Geſchichte Deutſchlands nahm, hat ein Necht zu fragen: „Was befigen wir, neben je: nen Chreniken und Gefchichten, die uns fo wunder: bar anziehen, nun noch in gleichzeitigem Bildwerk, an treuen Darftellungen des täglichen Lebens aus je: ner Welt? Wir wollen nicht wiffen, wie denkt fich dies ein neuer Zeichner und Maler, der jene Ge: ſchichten mit verfinnlihenden Scenen begleitet, fon: dern, mie ftellte der Maler jener verfloffenen Jahr— hunderte felbft, feine Zeitgenoffen dar? Wie trugen fie fich wirklich? Was hatten fie, ftatt der unfrigen, für Geräthe und Beduͤrfniſſe? Laßt uns alles aufs
fammeln, was wir won ſolchen treuen Bildern noch haben! Wie würden wir es fhäßen, wenn es Grie— hen oder Römer beträfe! und mir follten gleichguͤl⸗ tig ſeyn, weil es die thatenreihe Zeit, Kaifers Karl des V. und Luthers gilt?“ —
Daher ift denn ber erſte Heft biefer Gallerie, der vor einigen Jahren erſchien, mit allgemeinem Beifall aufgenommen worden. Dan bat es erfannt, daß diefes Unternehmen zweckmaͤßig geleitet werde, das Geſchmack und Gelehrſamkeit fich die Hand ges boten haben, den Lefer mit verborgenen Deutfchen Alterthuͤmern befannt gu machen, fie auf Eine Etelle jufammen zu bringen, dadurch die Vergleihung zu erleichtern, und manche Erzählung und Erinnerung aus jener Zeit dadurch zu beleben und zu verfinnlichen, Die für eine Unternehmung diefer Art außerordent: lich gefälligen und angenehm ins Auge fallenden Kupfer, mit ihrer treuen Allumination, die bier we: fentlich ift, erhöhen den Werth derjelben. Das line terfcheidende dieſer Gallerie von Ähnlichen Trachten: büchern ift, daß nur gleichzeitige, treue Ab: bildungen, nichts Erfonnenes und Erbdichtetes, bier geliefert wird; immer foll nachgewiefen werden, mo die Originale ſich finden, So gab der erfte Heft neun Abbildungen, die eine Folge der Trachten Eich: ſiſcher Thurfürften und Herzoge, von 1518 bis 1580 enthalten, und die ſich in einer hoͤchſtmerkwuͤrdigen Sammlung von Gemälden und Handzeichnungen auf der Herzoglichen Bibliothek zu Gotha befinden, Daran ſchloſſen ſich drei weibliche Kleidungen von
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Fürftinnen- aus jenem Jahrhundert, nach gleichzei- gen Driginalgemälden. — Die jwölf Kupfer des zweiten Heftes geben, erftlich, noch die Übrigen zwoͤlf Trachten der Saͤchſiſchen Fuͤrſten, auf drei Kupfer— tapfeln, immer vier Figuren auf einem Blatt; (Hier⸗ mit iſt jenes ſeltne Buch der Gothaiſchen Bibliothek ganz in Kopieen geliefert; der Kommentar enthält die Beiſchriften im Original und viele anziehende Bemerkungen über jene Zeitgefchichte, und Über alte Deutihe Eprade.) — ferner, auf den andern neun Kupfern des weiten Heftes wird der Anfang jenes berühmten Trachtenbuchs geliefert, das fich als eine große Eeltenheit in dem Muſeum zu Braunfchmeig befindet. Ein Augsburger angefehener Handelsmann und Elegant feiner Zeit, Matthäus Schwarz, bat auf 140 Blättern feine Trachten vom Jahr 1500 bis 1560 freu und nett abmalen laffen, und je dem Bilde erflärende, zum Theil recht naive Rand: gloſſen beigefeßt. Diefe Gallerie giebt nun die auf fallendfien jener Trachten, in farbigten, niedlichen Nachbildungen, mit jener Mettigkeit, wie man fie von dem Baumgärtnerifchen Verlag gewohnt iff; von allen aber liefert fie der Reihe nach, die Beiſchrif— ten, mit inftruftiven Anmerkungen durchwebt. Es ift leicht zu denken, welchen Genuß diefe verfinn: lichende Darftellung des Lebens und des Luxus eis nes damaligen Modemannes gewährt! Man begleis tet ihn mit imner fleigendem Intereſſe, von der Wiege durch alle Nuͤancen feines Lebens hindurch, und if mit bei feinen Aufjügen, Hochzeitgelagen, Schlitten⸗ fahrten, Scheibenſchleßen. — Das hier beigefügte Kupfer, (das lebte im zweiten Heft der Gallerie, ) ift eine Kopie des 66 Blattes des Driginalbuches , und mag zur Probe von der Art der Ausführung dienen. Es fiellt den galanten Schwarz vor, als einen jungen Dann von 27 Jahren, als einen Freund der Mufif und namentlich. der Laut, Die Bei: fhrift im Original heißt: „ız. May 1524. dife ſchlap mit guldi ſtofft ift gmöft Horzochs von maylant — od’ Düc de barti, fünft ak les wie dba flebt. Da lert ih auf d'lau— ten.” — Der Tert der Gallerie ſetzt weiter dazu: „Wirklich eine ungemein gefällige Kleidung, fo mie die ganze Figur voll füdlicher Lieblidfeit und Ans muth! Es ift, als fähe man einen provenzaliſchen Trou— badour! Auf die Muͤtze legt er felbft in der Beifchrift einen großen Werth. Es hatte fie der Herjog von Mapland (nah maylant it im Original ein Kaum gelajien, fo daß er den Namen des Herzogs noch hineinſchreiben wollte,) eder ein Niederländifcher Düc getragen, und fie war nur durch die dritte Hand an ihn gekommen — Schlap, Schleppe, beißt
in einigen Gegenden jeßt noch eine Art von Ropfs bedefung der Frauen, es kommt von ſchlaff ber, und ficht dem fieifen Hute entgegen. Dieſe ſchoͤne Schlappe bier, war mit guldi flo ff, mit goldner Etiderei und folden Schnüren geihmädt. Auf der Bruft hängt ihm ein vieredigter, goldner Puß, vielleicht ein Eleines Gemälde, Am rechten Echen: kel trägt er eine kleine grüne Taſche von fehr bes fimmter Form. Bielleicht ſtect ein Stimmhammer oder Dämpfer, der zu feiner Laute gehört, darin, da mir diefe kleine Tafche nur gerade bier fehen, wo er als Lautenſpieler vorgeftelle if. — deren bat er oben ſchon einmal für lernen gebraucht, So ſcheint es alfo ein altes Schidfal diefer beiden Woͤrter zu feyn, immer falfch gebraucht zu werden." — Richtig fügt der Kommentar bier am Schluß des zweiten Heftes noch im Allgemeinen bei: „Die Ber: gleihung diefer Echmwarzifhen Trachten mit den obi— gen der Saͤchſiſchen Fuͤrſten, bietet manche Kefultate bar, So wie aus feiner Sprache und Orthographie, fo auch aus feiner Kleidung, fieht überall der Diann hervor, der näher an Italien wohnt, und es feibft befucht bat, Dort, bei dem Morddeurfchen, iſt ernſt⸗ hafte, ſchwere Kleidung, bier überall leichtere, bun: tere, gefälligere. Ueberall erfennt man bier den reis chen, vergnügungsfüchrigen Mann, den Bürger ei: ner Stadt, die damals, ehe der Handel ins Mor: genland durch den Meg um das Borgebürge der guten Heffnung, einen veränderten Gang nahm, ein Hauptplatz für den Aſiatiſchen Handel war, Der übergroße Reichtfum und Lurus eines der erſten Kaufmannshäufer jener Zeit, des Fuggerifhen, zeigt fih auch in den Leuten feines Cemtoirs, fo wie das leichtere Blut, das der füdliche Deutſche vor feinem nordligen Nachbar voraus hat." —
Kommt Fein Hinderniß dazwifchen, fo liefert uns der dritte, und eine Folge von Heften, die übrigen Klei⸗ dungen bes Augsburger Schwarz, und dann andere ähnliche authentifche aus jener Zeit. Mer follte nicht wuͤnſchen, daß diefe wohlangelegte Gallerie im: mer mehr bie allgemeine Aufmerkjanikeit erregen, und zum Gammelplag der jeiftveuten vwaterländifchen Alterthuͤmer biefer Art, durch Beiträge von allen Eeiten gemacht werden möchte!
Fragmente aus meinem Keifejournal ıc. Fortfegumg. Eines Morgens in der Frühe verließen wir die gu— ten und induſtrieuſen Bewohner der Glashütte, de:
ren Welt und Wuͤnſche dur den Speſſart begrenzt werden, und reif'ten durch diefes Waldgebirge gegen
Franken hin. Ein Dorfpann mußte uns über bie fehlechten Wege helfen, und ein Bauer neben ber geben, um ben Wagen zu halten, wenn er umjus fallen drohte. — Eine Dienge im Walde zerftreut liegender, halb oder ganz vermoderter Cichen und Bus den, bezeichneten uns das Jahrhundert, welches diefem Fledchen von Deutfcpland, diefer Schreckens⸗ gegend noch fertdaure, und Fontraftirte fonderbar mit dem aufjtrebenden Leben in der neuen Kolonie, welche wir eben verließen.
Nachdem wir an dem verfallenen Barthelſtein mieder einmal die dürftigen Ruinen eines Dienfchen: werks gefehen hatten, fing die Gegend an, fich auf: zuflären. Bei Barthelſtein konnte man böchitens fagen, hier Hatten Menjchen gewohnt; aber indem wir ung Lohr näherten, konnten wir freudig ausrus fen: hier wohnen Menfchen! Diefe Grenz— fladt des Fränkifhen Kreifes hat eine ſchoͤne Umge— bung, und Arder, DObflgärten, Weinberge, bereich nen die Grenze diefer reichen Provinz Deutſchlands.
Lohr ift eine Churerzkanzleriſche Stadt, — (der Reichs deputationsſchluß hat mir einen fchlechten Ge: fatten durch die Erſchaffung dirfes ſeche ſylbigen Wor⸗ tes gethan; ich geranhe in Verzweiflung, fo oft ich es jchreiben muß,) — fie liegt am Vain, und war ſonſt biühender, als die fehr anfehnliche Epiegelmas nufaftur noch im Gange war, welche jest fehr dar: nieder liegt. — Wir bejahen das große Gebäude, wo diefe Werkzeuge der Selbſtbeſchauung fabricirt werden; es ift viel zu groß für den jekigen Vorrath, und die jeßigen Arbeiter, Der Verwalter, welder uns die Anftalt zeigte, rühmte die Wahrheit der Lohrer Epiegel, da hingegen die Franzöfijchen und auch viele Deutfchen immer mehr oder weniger ſchmei⸗ cheln. In dieſem Vorzuge liegt vielleicht mit der Grund des Verfalls der Fabrik, — vestigia terrent,— denn nicht alle Freunde des befchaulichen Lebens find auch Freunde der Wahrheit, — Wir mußten unshier gefallen layfen, daß fi ein doppeltes Triumvirat uns fers Magens bemädtigte, Drei Viierhpferde nahmen wir bis zu dem Wuͤrzburgiſchen & rädtchen Car.ftadt; fie gehörten drei verfchiedenen Eigenthuͤmern, weiche vereint den Kutfcher vorftellten; der premier Cocher beftieg das Sattelpferd und peitichte darauf los, die beiden andern faßen als bloße Figuranten auf dem Bol, So gings über einen Bergrüden, und dann wieder durch eine herrliche, große fruchtbare &bene, über den Main, nach Carlſtadt, wo das Triumvis rat einem Pferdemonarchen wich, welcher uns ſchnell und raſch noch denfelben Abend um 11 Uhr nach Würzburg brachte,
Wärzburg.
Ich habe manches geſehen, gehoͤrt, erfahren, in dieſer, dem Deutſchen Patrioten jetzt fo merkwuͤrdi— gen Stadt. Aber es iſt mir zu viel Guͤte, zu viel Freundſchaft daſelbſt zu Theil geworden, als daß nicht Lob mich in den Verdacht der Parteilichkeit, Tadel in den der Undankbarkeit bringen ſollte. — Da: ber Hieräber nur weniges, und das Wenige doppelt: ftreng und unparteiifch geprüft. — Wie ließe fich der gute und reine Willen der Regierung verfennen, die neugefchaffene Univerfität zu einem Eike hoher Kultur und tiefer Selehrfamfeit *) zu machen ; mie koͤnnte man verfennen, wie viel ſchon geſchehen ift, wer wird billiger Weife in der fehr kurzen Zeit, wo man wirft, fon alles verlangen. Der Geift und die Kenntniffe, die Humanität und Liberalität des Präfidenten der Landesdireftion buͤrgt dafür, daß man nicht fille ftehen, daß man etwaige Mißgriffe mit rubiger Leberlegung verbejfern, noch vorhandene Luͤcken bald ausfüllen werde. —— Es find etwa 700 Etudenten (oder, wie man bier fpricht, Akademiker) bier; ein gewiſſer Ton feine ſich noch nicht recht unter ihnen firirt zu haben; das Aeußere der meiften Fündigt gefittete, feine Leute an, und fie feinen mir am meiften den Söttingifchen Muſenſoͤhnen ähnlich, — Unter den ehemaligen Jenaiſchen Studenten, welche zahlreich ihren Lehrern hierher gefolgt find, lernte ich einige gute Köpfe kennen. Sie fonnten ihr lie: bes Jena nicht vergeffen über dem theuern Wuͤrz burg, welches ihnen zu viel Zerffreuungen barbietet, von melchen man unmillführlich bingeriffen wird. — Acht und funfjig Profefforen follen hier ſeyn ; Deutſch⸗ land meiß, was für vorzüglihe Männer unter ihnen find; GCoflegialirät foll zum Theil noch fehlen: ich denfe, die wird ſich auch noch finden. Daß Mäns ner, wie Paulus und Hufeland bierin Ausnahmen machen, verfteht ſich von felbfl. Man weiß ja fon, wie das auf Liniverfitäten iſt; nicht jeder hat die Kraft und innere Euperiorität, um fich nicht zuwei⸗ im am Kleinen zu floßen. — Von ber andern Seite gefiel es mir aber fehr wohl, daß felbft Pro: fefforen und andere Gelehrte diejenigen DVorlefungen ihrer Collegen befuchen, in melden fie noch etwas ju lernen boffen: eine befcheidene Eitte, welche ich auf Feiner andern Univerfität bemerkt habe.
Soll ich denn auch von der „philofophifchen Ten: denz diejes erneuerten Diufenfiges fprehen ? — Nun, warum nit? eine individuelle Anficht darftellen, darf ja auch wohl der Beſcheidenſte, das beißt ja nicht: ein Urtheit fällen. — Ich babe mich bemüpt,
"Anm. des Med. Der Grgenfap AM geifreier, als er beim erften Anblick ſcheint.
fo viel mir bie Zeit erlaubte, die Dorlefungen, bie Schriften und den perfönlichen Umgang der Männer zu benußen, welche befonders in Betracht kommen. — Profefor Mep zeigt innige Vertrautheit mit dem Syſteme der Eritifchen Schule, welches er gut vor: trägt, nur nicht in der beften Sprache; Profeffer Berg lieſ't, fo viel ich weiß, Feine philoſophiſche Collegien, fondern Kirchengefhichte, (welche er der Sache nah vortrefflih, aber in einem unangenebs men und unpaffendem Predigerton vorträgt); er iſt aber als feharffinniger und firenglogifcher Gegner Schellings, Lefonders durch feinen Sextus befannt, und gedenft bald mit einem neuen und eigenem Ey: fieme aufjutreten, — Der wichtigfte Gegner Schel— lings ift unffreitig Wagner, weil er mit gleichen
Waffen mit ihm kaͤmpſt. Er war anfangs ein eifris '
ger Anhänger deffeiben, äußere und innere Differen: zen bewogen ihn aber bald, feinen eigenen Weg zu wandeln, Er ift im Beariffe, fein eignes Syſtem in Ecriften nnd Vorträgen darzuſtellen. — Mir erfchien er als ausgezeichneter Kopf, voll Gradheit und Eifer für das Wahre und Gute, der vieleicht das Gute, welches das Schellingſche Syſtem hat, von dem Unhaltbaren fondern und retten wird, — Schelling feibft gefüllt mir beffer als fein Sy— fiem. Der Umfang feiner Kenntniffe, fein tiefdrins gender philefephifcher Seift, eine hehe Phantaſie, feine gefellige Tugenden find nicht zu verfennen. — Sein Syſtem darf ich nicht beurteilen, weil ich es nicht gefaßt habe, — Du weißt, wie viel von meis ner Zeit und felbft meiner Gefundheit, ih dem Stu⸗ dium der Philofophie gewidmet habe; wie eifrig er— geben ich den damals modernen Syſtemen war, bis mich nähere Belanntſchaft mit der Geſchichte der Philofephie, von dem Joch der Syſteme befreite, Philoſophiſches Etudium war mir daher nicht fremd; aber jener fechfte Einn fehlte mir, der dazu zu ges bören fheint, um Schellings Syſtem zu fallen, Ihn felbft verfiand ich am wenigfien; einigen feiner Schüler, befonders dem wadern Profeſſor Döllinz ger, danke ich das meifte von dem, was mir flar wurde. Noch immer erfcheint mir daher das Ganze als eine Vernunftfhwärmerei, welche mehr ergreift als begriffen wird, bei welder die Imagination auf eine fehädliche Art ehätig ift, und die daher vorzüglich junge Leute fo fehr hinreißt. Unter feinen zahlreichen Schuͤlern find übrigens un: ftreitig viele gute Köpfe, treffliche Jünglinge und Männer; die Bekanntſchaft mancher berfelben war angenehm und lehrreich. Daß das sequentium P.. auch nicht fehle, verſteht fih von felbft; daß dies
mit eben der Andacht nachfchreiben und nachbeten würde; wenn es etwa Cchellingen belieben follte, einmal zum Scherz gerade das Gegentheil von dem zu behaupten, was er bisher gelehrt bat, iſt ganz natürlich. — Wenn es Anhänger Schellings war ren, — was meines Wiſſens jedoch noch nicht er wieſen ift, — melde ein Pasquil auf feinen Geg⸗ ner, Verg, an das ſchwarze Bret anſchlugen, und welche Profeſſor KR... die Fenſter einwarfen, fo find es ſolche — Aner, folder philoſophiſcher Troß, deren — — fireihe man Schellingen hoffentlich nicht zurechnen wird, Genug und zuviel hiervon,
(Die Fortſetzung im folgenden Stud, )
Gedanke,
De Nachtviole entfaltet ſich erſt nach Verlauf des ge: raͤuſchvollen Tages in naͤchtlicher Stille, einſam, unbe⸗ merkt, und ihre Wohlgeruͤche verduften meiſtenthells un⸗ genoſſen. So gehn manche Menſchen mit einem Her: jen reich an liche, fühig einer energifchen, warmen, treuen Freundfchaft, verfannt von Andern durch das Leben; nur in der Einfamkeit eröffnet ſich ihr Herz, unausfprechliche Sehnſucht erfüllt es, und fie finfen dann, — wenn fie Dichter find, — dem Ideale in die Arme, Sie tragen ihre Liebe, die fie fo gern gegen Einzelne Aufßerten, und nicht äußern können, auf die Gattung über: — fo bildeten fich die Rouſt feaus und mancher jener liebenswärdigen Schwaͤr— mer, die in älteren Zeiten neue Keligionsfekten flifs
teten, — ; — bt
Das getroffene Portrait, A. Wie gleicht doch das Portrait der jungen Eugenie! B. O ja, — eh if gefühllos wie Bir!
Unſchuld im Kerker.
Died Gemaͤuer, wo Verzweidung bruͤtlt, Dieſe Bilde, — dieſe Gitterſtangen — Farben todtenbleich dis Unholde Wangen, Maten ibm der Höhe ſchwarzes Bild, Dod dem Unſchuldrolen, dod den Weiſen Sind fie nichts als: „Steine, Holz und Eiſen.“
Dihterbefcheidenbeit.
Herr Wafermann verfidert, er habe Kur änfierd wenig Dichter gabe. Er jagt es wohl, doch glaubt er's michtz Ja giaup’ es wohl, doch ſag' ich's micht,
u
1804
Nro. 142.
ARSIIDES, Der Freimüthige
Dienfiag, Ern ft
Phantafie an einem Sommertage
Etropdbe
J der Fruhling entſlohn? Der Radıtigalien Meles verhauut? Miche unter Blumen wandelt Slora mehr, und im Erofalienen Grotten ſchweigt De Rajade, und fein Nektar fehdumt in den Bluthenkelchen: Doch die Vlüthe wird Fracht! In neue Saaten aut: der ſproſſende Keim; auf goldnen Halmen wiegt ſich
die Achre.
In der Frubhling entſtohn? — Sein Aug' war Schimmer, Roſenduft fein göttlicder Hauchz auf feinen Waugen glühte der Jugend Kraft, auf jeimen Bippen Die Lieber —
Gegenſtrophe. Schon iſt der Eommer! und von Seegen träuft er! Sp fein himmtiſcher Sud Gimmandeit, reift die Eirogente Saat, und es Arömt um ihn des Lebens Äinpigfte Gitter ME vom Himmel er niederſant, fein aöttlich Bich’n durch alle Naturen ſich ergoien, Ward das Leben Gehalt, es ſchwott dei Sorößling⸗ zartet Gemweb’ auf! Eich! Entixitet im Farb enſchmuck der Jugend Biegt das reihe Geñldz won Honig Aeuüt der Augenftraiende Hier, von Gilberichmeis tie Blüthe ded Moßnes.
Strophe.
Sel und, ſtralender Sommer, Du Naͤhrer der Erde, Mehrenbetringter,
und
den 17. July. S her,
Ehraenivondender Yüngling, Sei uns gegrüft!
Gegenſtrophe. Willkommen, im Fruchtgewande, wiisfgmmen ! — Eon ſchatft ſich Die mahende Gicbel, * Bald ſchallet der Hügel vom Eribtegefang,
Strophe
und hört Du nicht tönen der Genfen Klang? und firbft Du micht bligen dem schimmmerbden Stal, Gerötbet vom purpurnen Mergenfirai ? Ach! entt lattert Sintt die Blume, und weitt und flirbtt So fintt die Bluthe Der fräftigen Jugend, So welten die Sreuden Des Debend dahin!
Segenfiropße Aber erquickt vom atheriſchen Than, Grümet vom meuem die blumige Au. Im Wechſel iR Dauer, und ewig erichaft ich der Naturen Gimmfische Kraft, Die Biurbe sreitt, und die Frucht muß jallen : Doch wahrt das unendliche Leben im allen,
Strophe. Heiß vom Getirz ſtralt jetzt die Glut der Sonne, Mit den Flammen Des Sonnenlichts gegurtet
Steigt der Mittag herab, — und jdmachtend türen Thäler und Auen.
Segenffropbe Tier im Schatten dis Haind, wo fühle Dämmrung Aus verfbränttem Gezweige ſintt, und holder Schlummer, NRuht der fingende Hirt; — bie Hrerd' umirrt das ſteſle Gchirge.
Stropdbe Mie der Halm fich meist, und der Wipfel Krone! — Wie die Erd’ auſdamoft in des Mittags Hige! und dns Schattengeweb' unwitlig weicht dem feindlichen Lichte!
Gegenftropbe . Send’ uns Kühlung Gerab, aus Deinen Höhen, Milder Aether; emtichleuf des Regens Befte, Laf Erauichung uns träufeln aus dem Schooe dunkler Gewaͤſſer.
EeE tro rbb eo Deded Echweigen - Feiert umtbıer! Aus h:igen Stuten Hebt fein glühendes Haupt Der Bott der Stroͤme: Der Runwhen Urnen Stehn vertroctnet, In der Kiürte NRacht Stischtet die Oread· hinabt
Gegenſtrophee.
und rauchtud wält
um Saum der Gebirge
Die Wetterwolke ſich daher! —
Horſt Du das irre Sauſeln,
Das Schauern der Ihrer —
Seine Voten ſendet
Der Donnerer!
und ſchwarz wie Die Macht,
Süd ſich des Aethere Dome
Der Eonne Glauz vertoſcht,
uUnd alle Goͤtter des Digmps
Nereiten den Zug aus
Der ſchwangeren Wollen,
Und öfucn den Schoos
Der dunklen Gewaͤſſer!
Chor. Da firgen die Regen, da brauſen die Stürme, Aufthurmend den Etaub der erihütterten Flurz Es regt ſich lebendig im Straub das Gewurme, Von donnernden Echlägen erhebt Die Natur! Wie firömen die Urnen der Wotten: wie ſtiegen Die ſſammenden Elige durchs duſtere Gran! Es trinten die Zaaten die Flut, es wiesen Erquicher die Aetzren den goldenen Thau:
Chriſtian Schreiber. Fragmente aus meinem Reiſejournal ꝛc.
( Bortfehung. ) Da ich mich rüdfichtlos, unbefangen und partheiles allem bingab, fo hatte ich das Gluͤck, Menſchen von
fehr verfchiedenen Syſtemen, Meinungen und Par: tbeien kennen zu lernen, — Manche jeßt noch wer nig befannte, werden fih gewiß in der Zufunft aus: zeichnen, z. B. der trefflihe Schulmann Klein; Prof. Hoͤcker, der Rival des berühmten von Hart: leben. Beſonders intereffant war mir auch die Ber kanntſchaft eines fehr gelehrten und wadern Kameras liften und Statiſtikers, Scheidler. Eine Statiſtik MWöärzburgs, welche er auf Befehl des legten Fuͤrſt⸗ biſchoffs angefangen und zum Theil vollendet hat, iſt ein Mufter foftematifcher Behandlung, Genauigkeit und Vollfländigfeit; wie ein Rieſe gegen einen Zwerg würde fie fih zu dem verhalten, was bisher der Benedictiner Echipf bierin geleiftet hat. Möchten die unſtreitbaren Verdienſte diefes graden und ein:
° fachen Mannes doch einem Flaren und vorurtheilsios ſen Auge nicht länger verborgen bleiben! Es ſcheint
ein Mittel zu geben, ihn zu bewegen, das Werk con amore (dies ift richtig) zu vollenden, und dadurch den Wiſſenſchaften, und den Beamten des Fans einen gleich wichtigen Dienft zu leiften. — Uebrigens foheint, wie bei der kurzen Zeit auch
nicht anders zu erwarten if, nech alt und neu in
Wuͤrzburg fich nicht recht zu vertragen; es ſcheint noch keine rechte Einigfeit in dem Ganzen, ‚Die Würzburger follen nie gern Fremde unter ſich gefes ben haben, fie find wenig gelellig, ifeltren ſich gern binter ihre hohe Mauern, welche Hänfer, Gärten und Hofpläße verfieden; die Fremden, welche Uni— verfität und Regierung hierher zicht, möchten gern einen gefelligern,, liberalern, fröhlichen Ton einfühs ren, und es wird ihnen. gewiß gelingen, denn auch der eingeborne Würzburger bat viel Anlage dazu, welche aber durch die vorige Negierung und Mer: faſſung nicht ſcheint beguͤnſtigt worden zu ſeyn. Diefe hatte im Gegentheil eine gewiſſe Tendenz, fie Außerjt höflich und etwas verftedt zu machen. — Doch, ich möchte um alles in der Welt den übrigens fo inte reffanten 'Mürjburgern nicht zu nahe treten,
Unter den Männern zeigen fi gelehrte und talentrolle Köpfe; das weibliche Geſchlecht ift in allen Eränden, befonders den mittlern Klaffen, ſchoͤn, voll Grazie und Eleganz. — Der ſchoͤne Wuchs, ein freier, ſchwebender Gang, der liebliche, oft etwas ſchwaͤrmeriſche Blick, verrathen, daß fie Kinder von frommen Müttern find, die aur Zeit der Schwanger— ſchaft mit doppelt warmem Gefühle in den ſchoͤnen Kirchen, betend vor den herrlichen Bildern und Sta— tuen erhabener Mefen, knieten; weiche die Hechge⸗— benedeite, die heilige Jungfrau zer Dertrauten ihrer Wuͤnſche, ihrer Hoffnungen, ihres Kummmers mach: ten, — Daher die lieblihen Madonnengefishter, in
denen irdifche Wuͤnſche und Gefühle fo reizeud von dem Himmlifchen werfchleiert werden. — Darum fond ich eine gemiffe Lebereinftimmuug unter den Schoͤnen der Biſchbfflichen Kefidenzen zu Würzburg, Bonn, Coblenz und Mainz; darum verlieren mir Preteftanten offenbar, in diefer Ruͤckſicht. Wir haben ſchoͤne Weiber und Mädchen, aber bas je ne sais quoi, den Echmung, das Ueberirrdiſche haben fie nicht, welches den Derehrerinnen der heiligen Jungs frau die Palme reicht. — Einiges können die Protes flanten thun, durch bie Kultur der ſchoͤnen Künfte und des Geſchmackee. — — — Manche wollen be baupten, die fhöne Menfchenrace habe man zum Tpeil “ auch der Geiftlichfeit zu danken, worunter ehemals viele muͤhige, ſchoͤne und reiche Männer gewefen wären. Doch, wer möchte fo etwas nachfagen?
Ein Profeffor und Neifebefchreiber dazu, hat ſich einmal im Betreff der garfligen Struͤmpfe der Maͤd⸗ Sen und Frauen in einer Provinz erpectorirt; daher beffe auch ich wohl hier der Außerft netten Chauſſuͤre der Würjburgerinnen erwähnen ju dürfen; fie jeich⸗ nen fich dadurch vorzüglich aus. Ein huͤbſcher, fei: ner, weißer Etrumpf, ein fehr wohl gemachter Schuh, befteidet und erhebt den fehr niedlichen Fuß, melden das ſchlaue Mädchen nicht gern dem bemundernden Auge verfteft. Die Würzburgerinnen find hierin lobens werthe Mufter. —
Wärzburg ift eine huͤbſche Stadt; ſchon kann man fie aber nicht nennen. Man rechnet 1900 — 2000 Käufer, in melden jekt 23000 Menfhen wehnen follen, gegen 4000 Militärperfonen und Etudirende nicht mitgerechnet, — Das ehemalige Kefidensfhloß, befanntlich eins der vorzliglichften (vielleicht das vor: zuͤglichſte) in Deutſchland, iſt jegt der Verfammlungs: ort der Yandes: Collegien; ein Geitengebäude wird von dem Präfidenten der Landes: Direktion, Grafen von Thuͤrheim bewohnt, einem Manne, über beifen Werth und Verdienft nur eine Stimme ertönt, Une ter mehreren ſchoͤnen Kirchen zeichnen fich die Hau— ger Erifteficche, die Schleßkirche, und durch ihre dehe und edle Simplicitaͤt ganz vorzüglich die Kirche des Auliusfpitals, aus. Der Altar in der Kirche des Seminars für junge Weltgeiftliche, ift ein Mei: fterfiot von Geſchmack und Eimplicität.
Das Univerfirätsgebaude ift anfehnlich; das da: bei befindliche Obfervatorium wird bald mit beffern Spnftrumenten verfehen werden, und die Bibliothek, welche durch die Sammlungen der aufgehobenen Kids ſter anfehnlichen Zumachs erhalten bat, wird bald ein geräumigeres und befferes Lofale befommen. Das naturbiftorifche Bach üft fchlecht beſetzt; dem hiſtoriſchen merft man es zu feinem Vortheile an, daß einft
Schmidt, der Gefchichtfchreiber der Deutſchen, Bir blietbefar bier war. Wielands Werke bezeichnen bloß den Platz wo noch mehrere Deutfche Claſſiker ſtehen follten; aus dem aufgehobenen Schottenflofter ſteht jeßt eine artige Sammlung Englifher und Franzöfie ſcher Claſſiker hier,
Ueber bie große und hoher Ehre werthe Anſtalt des AJulmebofpitale, fage ich dir nichts, als daß die Regierung eifrig damit befchäftige ift, fie noch zu vervollfommnen, Eine ihr ganz heterogene &tipen: bienanftalt für funfjig Schuͤler, ift davon getrennt worden, und auch die Verruͤckten und Wahnfinnigen follen in eine befonbere Wohnung, in das aufgehor bene Klofter Himmelspforten, gebracht werden. — Mit einem fonderbaren Gemifch von Pontraftirenden Gefühlen ſah ich diefe große Anſtalt; Freude und Trauer, Mitleiden und Unmwillen, Wohlgefallen und Efel verbrängten eins immer das andere. —
Eine huͤbſche fteinerne Brüde, welche mit zwölf foloffalen Statuen aus inländifhem Sandſtein, ge ziert iſt (außer Pipin und Kari dem Großen, meis flens Heilige und Bifchöfe,) führe nach dem fleinen anf der linfen Mainfeite gelegenen Theil der Stadt, und von da nach der Citadelle Marienburg Sie hat fih aufs neue durch den, den Franzofen geleifles ten Widerſtand befannt gemacht; ift aber nichts weni: ger als unüberwindlich, daher die Regierung wahr: ſcheinlich wenig auf ihre Erhaltung verwenten wird. Sie liegt aber fehr malerifch auf einem etwa 500 Fuß hoben Berge. Zu ihren Füßen waͤchſt der vortreff: liche Leiftenvoein; gegen Über, auf der andern Maine feite, der noch berüßmtere &teinwein. Einft verſuͤn⸗ digte fich der heilige Macarius, der erſte Abt des Schottenkloſters, in feiner ungeiftlichen Maͤßigkeit fo fehr, daß er Wein in Waſſer verwandelte, eine Ver: meffenheit, welche jedoch vom Himmel meiter nicht gerochen wurde. Es woͤchſt bier herum noch immer fehr trefflicder Wein, und bätten feine fremmen Nach— folger auch im ganzen Franfenlande eben die Wun— dergabe befeifen, ich bin verfichert, fie hätten lieber das Wunder von Cana nachgeahmt. — Wilft Du einen tiefen Brunnen und einen großen Keller feben, fo erfleige die Feſte Marienburg; obendrein wird man Dir auch unterwegs eine Saͤule zeigen, wo Wilhelm von Gruͤnbach den Biſchof Melchior von Zobel meuchelmorden lieh, und in der Kirche den Blurflet vor dem Aitare, mo ein Kapuginer den Märtyrertod flarb, als Guſtav Adolph die Feſtung erſtuͤrmte. Auch wirft Du erfahren, daß bier die Eingeroeide (ein michtiger Theil) der Fuͤrſtbiſchoͤfe begraben liegen, und daß fie bis zum Aabr 1724. ihre Reſidenz bier hatten. — Wahrſcheinlich würde
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Dich mehr als alles dieſes, die vortreffliche Ausſicht, welche man aus den obern Zimmern und von dem Thurme auf die umliegende Gegend bat, interejfiren. — E chen vor uralten Zeiten foll bier eine Feflung und ein Göfentempel gemefen fegn, und letzterer foll dar: auf einen Theil der nachherigen Kirche ausgemacht haben, weiche die erfie im Franfenlande war, wenn anders die Inſchrift: Pruma ecclesia francorum etwas beweift. — Die Ausſicht, welche man von bieraus bat, führt mich auf die Gegend Überhaupt. Wer aus Pommern oder aus der Marf fommt, wird fie bezaubernd finden; zu den Reizen der Rhein: